Die Frankfurter Buchmesse 2009

Spannende Berichte von Fachveranstaltungen zum Thema Bildung, Creative Industries oder Rechte und Lizenzen, Diskussionen mit und über den Ehrengast China, Lesungen mit Bestseller-Autoren, Preisverleihungen und vieles mehr: Das bietet der Frankfurter Buchmesse Blog 2009. Unsere Blogger sind während der Messetage in allen Hallen, Gängen und auf vielen Veranstaltungen unterwegs und schreiben über alles, was sie bewegt. Viel Spaß beim Lesen!

18. Oktober 2009 um 20:35 Uhr von Nina

Die Attraktion von Geheimbünden

Das heiß ersehnte "Verlorene Symbol" ist da....

Das verlorene Symbol ist da...

Das wohl meistgeklaute Buch der Messe ist Dan Browns “Verlorenes Symbol”. Der Roman wird als “erfolgreichstes Buch der Geschichte” gefeiert - der Lübbe Verlag ging mit 1,2 Millionen Exemplaren Auflage an den Start, und am Sonntag nachmittag durfte dann endlich auch am Stand verkauft werden. Was fasziniert die Leute bloss so an dem Buch, frage ich mich - und gebe zu, dass ich es noch nicht gelesen habe. Das tun viele Kritiker (Bücher nicht lesen und doch darüber schreiben). Da es auf der Messe auch nicht ganz so einfach ist, mal schnell einen Roman zu lesen, habe ich mich entschlossen, Experten zu befragen.

Vom Lübbe Stand gehe ich um ein paar Ecken und stehe vor dem Stroemfeld Verlag.

KD Wolff heftet sich den Roten Stern an

KD Wolff heftet sich den Roten Stern an

Was steckt hinter der Faszination mit Geheimbünden? Mit Freimaurern? Mit der Weltverschwörung?  ”Die Massen haben oft einen ziemlichen Knall” sagt der Stroemfeld - Verleger KD Wolff auf die Frage, warum Millionen Dan Browns Buch kaufen. Das Geheimnis ziehe an, und Geheimnisse stehen im Mittelpunkt des Romans.  KD Wolff kennt sich aus mit Geheimnissen und Geheimnistuern - er hat gerade ein Buch zu den Illuminaten, einem besonderen Bund von Freimaurern des 18. Jahrhunderts, herausgegeben - Stephan Gregorys “Wissen und Geheimnis: Das Experiment des Illuminatenordens”. “Alle Geheimbünde faszinieren - das Geheimnis selbst zieht an” sagt Lektor Alexander Losse. Das Buch von Gregory handle von der Frage, wie man Menschen überwachen kann und wie man Wissen so verteilt und streut, dass ein perfektes Kontrollsystem entsteht. KD Wolff ergänzt: “Nach Außen trugen die Illuminaten die Aufklärung in die Welt, nach Innen herrschte die vollkommene Kontrolle, um die Mitglieder in Schach zu halten.”

KD Wolff und Alexander Losse mit Gregorys "Experiment des Illuminatenordens"

Um welches Geheimnis ging es den Illuminaten denn, will ich wissen? Um innere, spirituelle Vervollkommnung, sagt Losse. Ja, und wie hat man sich das konkret vorzustellen? Da muss Alexander Losse grinsen. “Naja, sagt er: Das alles war nur ein großer Bluff.” Die Obersten der Illuminaten seien sich dessen stets bewußt gewesen - und hätten das angebliche “Geheimnis” stets nur als Mittel eingesetzt, um mehr Kontrolle zu erlangen über ihre Mitglieder.

Der Bluff der Illuminaten hat Tausende überzeugt - und angeblich die französische Revolution ausgelöst (so munkelt man jedenfalls, ohne belegbare Beweise). Der Bluff von Dan Brown fasziniert Millionen.

Aber vielleicht sollte ich das Buch doch erstmal lesen…

18. Oktober 2009 um 19:51 Uhr von Ulrike

200 SchülerInnen aus elf hessischen Schulen sind die Literateens 2009

Sonja Brühl erhält den Preis für die beste Rezension zum Buch "Isoliert" von Bettina Obrecht

Sonja Brühl erhält den Preis für die beste Rezension zum Buch

Wer könnte Kinder- und Jugend-bücher besser beurteilen, als die, für die sie geschrieben sind? Diese Einsicht steckt hinter der Initiative “Literteens”, bei der Schüler und Schülerinnen ihre Lieblings-bücher begutachten und bewerten und ihre Rezensionen dann anderen Leseratten zur Verfügung stellen. Heute Nachmittag wurden auf der Buchmesse die sechs SchülerInnen geehrt, die nach Meinung der Erwachsenen-Jury die besten Rezensionen verfasst hatten.

In der Altersklasse der 10- bis 13-Jährigen haben folgende Schülerinnen geworden:

1. Platz: Yari Klein (13), Lichtenbergschule Darmstadt zum Buch “Die fantastischen Abenteuer des Pan Tau” von Ota Hoffmann und Jindrich Polak

2. Platz: Maxine Hillemeier (10), Marienschule, Limburg zum Buch “Rosas schlimmste Jahre. Wie überlebe ich meine durchgeknallten Eltern” von Francine Oomen

3. Platz: Verena Tobert (13), Rhönschule Gersfeld zum Buch “Faunblut” von Nina Blazon

In der Gruppe der 14- bis 18-Jährigen wurden die besten Rezensionen geschrieben von:

1. Platz: Sonja Brühl (15), Georg-Büchner-Schule, Rodgau zum Buch “Isoliert” von Bettina Obrecht

2. Platz: Jonas Müller-Bouhlou (17), Gustav-Heinemann-Schule, Rüsselsheim zum Buch “Die linke Hand” von Hannah Tinti

3. Platz: Lisa Naumann (18), St.-Angela-Schule, Königstein zum Buch “Zebraland” von Marlene Röder

Die Gewinnerinnen und Gewinner erhielten neben kleinen Preisen für sich selbst auch Geldpreise für ihre jeweiligen Schulbibliotheken. Ein bisschen schade war, dass drei der GewinnerInnen gar nicht da waren, weil sie noch in den Herbstferien waren.

Auf jeden Fall ist diese Kooperation vom hr-online, der Frankfurter Buchmesse und den Verlagen, die die Bücher kostenlos zur Verfügung stellen eine gute Sache, denn die meisten Kids lassen sich ihren Lesestoff bestimmt lieber von Gleichaltrigen als von ihren Eltern, Tanten oder Großeltern empfehlen!

Alle rund 200 Rezensionen sind zu finden unter: http://www.hr-online.de/website/specials/buchmesse2009/index.jsp?rubrik=45306

18. Oktober 2009 um 19:36 Uhr von Nina

Ablöse China/ Argentinien: Die GastRolle wird übergeben

Die EhrengastRolle

Die GastRolle hat einen hölzernen Kern - der die Buchmesse symbolisiert. Um den Kern herum legen sich jedes Jahr neue Ringe an - jeder Ring trägt einen Text des kommenden Ehrengasts. Dieses mal wurden Texte der Argentinier José Hernández und Jorge Luis Borges in schmalen Lettern auf das Plexiglas gedruckt.Die GastRolle ist so etwas wie ein Staffelstab, der von Jahr zu Jahr weitergegeben wird - von Ehrengast zu Ehrengast. Als heute um 15.30 Uhr im Forum China an Argentinien übergab, war zu spüren, wie emotional dieser Moment ist.
Juergen Boos sagte bei der Übergabe “Literatur muss die Gesellschaft zeigen, auch wenn es weh tut”. In den letzten Monaten, besonders aber an den letzten fünf Messetagen, seien wir “im Laufschritt durch Peking gelaufen und hätten die Menschen hinter den Büchern entdeckt”. Chinas Literatur - die oft brutalen Realismus aufweist - hat sich internationalen Lesern ein Stück weit mehr erschlossen.

Staffelübergabe 2009

Der Direktor des chinesischen Organisationskomitees Zhang Fuhai fasste nochmals zusammen, was der Frankfurter Auftritt bedeutete: “China hat eine vielfältige, bunte und vollkommen zufriedenstellende Messe hinter sich”. Dann dankte er den Deutschen dafür, dass sie China so warmherzig empfangen hatten. Magdalena Faillace, die Direktorin des argentinischen Organisationskomitees sagte: “Wir haben uns lange auf diesen Moment vorbereitet. Ich hoffe, wir werden dieser Rolle gerecht - es ist eine große Verantwortung und eine große Ehre”.

Der chinesische Schriftsteller Wang Meng und der argentinische Autor Osvaldo Beyer hatten zuvor kurze Ausschnitte ihrer Werke gelesen - jeweils in der Originalsprache.

18. Oktober 2009 um 19:07 Uhr von Kathrin

Der schönste Stand der Herzen - Onkel & Onkel

Heute lief ich durch die Halle 4.1 und da ich Zeichnungen & Hingekritzeltes liebe, fiel mir der Stand von Onkel & Onkel gleich ins Auge:

Jeder durfte die Wände voll kritzeln, und die zwei “Ömmels”, wie die beiden Farbfelder im Logo des Berliner Verlags heißen, in eine fantasievolle Zeichnung einbinden.

Wer nächstes Jahr auch mal einen Stand mit dem gewissen Etwas haben will, der googelt am besten mal nach Znar. Die beiden Designerinnen Rea Naber und Anna von Zander haben sich das Stand-Design einfallen lassen - inklusive diebstahlsicherer Buchpräsentation.

Denn wir erinnern uns: Vor einem Jahr klauten Spaßvögel das gesamte Standinventar von Onkel & Onkel auf der Leipziger Buchmesse. Um das zu vermeiden, wurden die Verlagsneuheiten diesmal an die Wände genietet.

18. Oktober 2009 um 18:53 Uhr von Kathrin

Der Schakal in der Küche: Chef Chakall erobert Frankfurt

Das Publikum isst ihm aus der Hand: Chef Chakall in Frankfurt

Ein leuchtender Turban und eine ordentliche Prise von trockenem Humor sind seine Markenzeichen. Sein Blick ist stechend und ein wenig irre - und trotzdem eroberte er die rund 100 Zuschauer in der Gourmet Gallery im Sturm. Der argentinische Koch Chakall und sein Sous-Chef Dario verwöhnten das Publikum heute mit einem ausgefuchsten Drei-Gänge-Menu - an dessen Zubereitung die Zuschauer mithalfen.

Er brauche immer Musik beim Kochen, sagt Chakall, während er frischen Thunfisch filettiert, und ruft dem Tontechniker zu “Lauter!”. Dann erschallen mitreißende Rhythmen in der Gourmet Gallery und Chakall und Dario legen spontan ein Tänzchen hin. Währenddessen gart das Dessert, ein fabelhafter Birnen-und-Polentakuchen, im Ofen. Der zweite Gang ist ein fein abgeschmecktes “Sea Bream in Vanilla Curry.

Bereits zum zweiten Mal kocht Chakall in der Gourmet Gallery, und er beweist erneut, dass er nicht nur ein begnadeter Koch, sondern auch ein talentierter Showmaster ist. Zwischendurch unterhalte ich mich mit Anrietta Pogany, deren “Eintagsküche” die Showküche in der Gourmet Gallery sponsert. “Jeder Koch bringt sein eigenes Messer und sein eigenes Salz mit”, erzählt sie. Die Zutaten für die Gerichte wurden regional eingekauft - in der Frankfurter Kleinmarkthalle: “Chef Wan und Chef Chakall waren zunächst etwas besorgt, ob sie alle Zutaten hier erhalten würden. Aber kaum hatten wir die Kleinmarkthalle betreten, begannen ihre Augen zu leuchten - und sie fanden alles, was sie brauchten.” Große Erleichterung vor allem bei Chef Wan: Sein Gewürzkoffer war auf dem Flug nach Deutschland abhanden gekommen.

Der Turban ist sein Markenzeichen

26 Veranstaltungen, darunter Kochshows und Diskussionen rund um Ernährung und Genuss, zogen ein interessiertes Publikum in die neue Gourmet Gallery in der Halle 5.0. Der Renner waren natürlich die Buchpräsentationen von Horst Lichter und Sarah Wiener, bei denen sich rund 200 Besucher um die beliebten Stars drängten. Auch die chinesische Küche war Thema in der Gourmet Gallery: Autorin Yu Zhang stellte ihr Buch “Buddha sprang über die Mauer” vor und gewährte damit einen überraschenden Einblick in die südchinesische Küche.

18. Oktober 2009 um 18:33 Uhr von Ulrike

Das Finale der 3. Deutschen Cosplaymeisterschaften aus Sicht einer ahnungslosen Nicht-Cosplayerin

Cosplyerin auf der Agora

Cosplayerin auf der Agora

Die Überschrift sagt’s ja schon: Ich habe keine Ahnung von Cosplay, kenne KEINEN EINZIGEN Manga, aus dem die Figuren stammen, nach denen sich die Cosplayer verkleiden, und gehöre wohl auch eher zur Elterngeneration der Cosplayer, was hoffentlich eine gute (und auch meine einzige) Entschuldigung für diese Bildungslücke ist! Den folgenden Eintrag kann ich insofern auch ehrlicherweise nur der “Elterngeneration” empfehlen, denn der wahre Cosplay-Profi dürfte sich wahrscheinlich schlapp lachen oder zu Tode langweilen!

Ich bin also ziemlich unwissend, aber durchaus neugierig zum großen Finale der 3. Deutschen Cosplaymeisterschaften ins Congress Center der Messe gegangen. Klar, so ganz fremd war mir das alles nicht mehr, denn man sieht die Elfen, Trolle, Vampire und anderen Figuren, die ich nicht mal benennen kann, ja schon während der beiden Besuchertage auf dem ganzen Messegelände. Neu war für mich allerdings, wieviel Zubehör man sich schon fertig kaufen kann: Stofföhrchen aus Fellimitation, riesige anklebbare Trollohren aus Gummi, Kontaktlinsen mit allen nur denkbaren Pupillenformen, Kunsthaar in allen Farben des Regenbogens und natürlich falsche Zähne, schmieriges und weniger schmieriges Blutimitat, Hautkleber, Schminke und Mittel, mit denen man das Zeug irgendwann auch wieder abbekommt.

Im großen Saal, in dem die Preisverleihung stattfand, war jedenfalls eine riesen Stimmung, und ich kam mir etwas deplatziert vor, in meinem Buchmesse-Aufzug mit Bluse und Blazer! Die eigentliche “Show” bestand aus der Vorstellung der Teilnehmer, die mit ihren Kostümen in die Endauswahl gekommen waren. Jeder von ihnen durfte sich, bzw. die Figur, die er darstellte in ca. 2-3 Minuten in einer kleinen Darbietung, wahlweise mit Musik und/oder Filmeinspielung sowie mitgebrachten Requisiten (Schwerter, Dolche, goldene Äpfel, Schatztruhen …) vorstellen. Dabei waren nicht nur die extrem aufwändigen Kostüme beeindruckend, sondern auch die wirklich anspruchsvollen Kampfszenen, Gesangsstücke oder Tänze, die manche Teilnehmer einstudiert hatten.

Richtig stolz war ich, als ich dann feststellte, dass ich DOCH zwei der vorgestellten Figuren kannte: Es traten nämlich “Bernd das Brot” aus dem ZDF-Kinderkanal auf und Captain James Sparrow aus “Fluch der Karibik”. Und hätt’ ich’s nicht gewusst, hätte ich nicht gemerkt, dass das da unten auf der Bühne NICHT Johnny Depp ist. Das Gekreische in der Halle hätte bei dem echten Piraten-Darsteller aber kaum größer sein können!

Wer letztlich die Meisterschaften gewonnen hat, war für mich eigentlich gar nicht mehr so wichtig, denn ich fand alles toll. Ich wage gar nicht, mit vorzustellen, wieviel Zeit, Energie, Sorgfalt und Hingabe die Cosplayer in die Gestaltung ihrer Kostüme investieren. Manche waren sogar mit blinkenden Lampen und Glitzerleuchten ausgestattet, andere waren so groß und schwer, dass sie durch keine Bühnentür mehr passten und der Spieler sich kaum noch damit bewegen konnte, und alle waren so perfekt, dass sie wirklich aus einer fremden, fantastischen Welt zu stammen schienen.

Der Vollständigkeit halber sei’s hier aber trotzdem noch gesagt, wer in diesem Jahr die schönsten Kostüme anhatte und die beste Performance gezeigt hat:

Bei den Herren hat Andrei Soloview als Sasuke aus der Serie “Naruto” gewonnen. Er war derjenige mit der wirklich großartigen Kampfszene, die mir auch am besten gefallen hat. Bei den Damen konnte Daniela Barmetner als Sakura aus der Serie “Tsubasa - Reservoir Chronicle” mit einem wunderschönen Kostüm und einem ausdrucksvollen Tanz überzeugen. Herzlichen Glückwunsch!!

18. Oktober 2009 um 16:23 Uhr von Susanne

Hasta la próxima feria del libro

Das war’s. Eben habe meinen letzten Blogbeitrag hochladen und damit mein Debüt als Bloggerin beendet.

Aber da nach der Buchmesse ja bekanntlich vor der Buchmesse ist, lesen wir uns vielleicht im kommenden Jahr wieder. Dann wird Argentinien Ehrengast sein - ein Ansporn für mich, bis dahin eifrig weiter Spanisch zu lernen.

In diesem Sinne, hasta la próxima feria del libro de Frankfurt!

18. Oktober 2009 um 16:11 Uhr von Susanne

Von der Meinungsfreiheit und der Kraft des Volkes

Mo Li setzt sich für Meinungsfreiheit ein

Wie erwartet war es knüppelvoll im Forum Dialog, als es um die Tibet-Frage ging. “Tibet abgebloggt – Chinas Angst vor der Meinungsfreiheit” war der Titel der Veranstaltung, zu der die Tibet Initiative Deutschland eingeladen hatte.

Sie entpuppte sich als eine Diskussion, in der mit klaren Worten sehr differenziert mit dem Thema umgegangen wurde.

Die chinesische Schriftstellerin Mo Li, die wie ihr Kollege Fu Zhengming im Exil lebt, erzählte, dass sie in Internet ihre (ehemaligen) Landsleute über im Land zensierte Themen wie Dalai Lama und Tibet aufkläre. “Das ist mein Beitrag”.

Dalai Lama und Tibet stehen ganz oben auf der Liste der unliebsamen Worte, nach denen täglich mehrere zehntausend chinesische Zensoren u.a. Beiträge der chinesischen Bloggergemeinde (wie es heißt, inzwischen die Größte der Welt) absuchen. Auch Zhengming habe erst im Exil gemerkt, mit welchen Lüge (etwa über den Dalai Lama) er aufgewachsen ist.

Aber es wurde auch konstatiert, dass man als Chinese mittlerweile immer einen Weg finden würde, dass zu lesen, was man lesen möchte. Dr. Erich Follath, Diplomatischer Korrepondent des “Spiegel, hat beobachtet, dass viele Intellektuelle in China nicht mehr länger der offiziellen Parteilinie hinsichtlich dem Umgang mit Minderheit folgen. “Tibetischer Buddhismus ist fast eine Modeerscheinung bei chinesischen Intellektuellen geworden”.

Der Journalist analysierte sehr nüchtern die Logiken und Rücksichtnahmen auf der politischen Weltbühne in Bezug auf China und Chinas repressive Haltung gegenüber Minderheiten. Ebenfalls spannende Einblicke in die politische Welt kamen von Dr. Helga Trüpel, die Mitglied im Europäischen Parlament ist. Sie betonte, dass die eigene Werte hochzuhalten (auch) die Bereitschaft zu Konflikten bedeute. “Die muss man austragen”.

Kelsang Gyaltsen, Sondergesandter des Dalai Lama, der die tibetische Exilregierung im Ausland vertritt bestätigte, dass die Haltung der Großmächte sehr wichtig sei, wenn es um die Lösung der so genannten Tibetfrage gehe. Aber, so sein Plädoyer, das Volk können ebenfalls etwas bewirken. “Die Ereignisse vor 20 Jahren in Europa haben gezeigt, dass einfache Bürger die Kraft haben, Veränderungen zu bewirken”.

In Tibet ist es bereits die dritte Generation, die sich gegen die chinesische Unterdrückung erhebt. Es ist dem tibetischen Volk zu wünschen, dass nicht noch eine vierte und fünfte Generation kämpfen muss, bevor wenigsten eine real ausgeformte Autonomie Wirklichkeit werden kann. Denn um die Unabhängigkeit des Landes geht es wohl schon längst nicht mehr - auch das zeigte die gelungene Veranstaltung.

18. Oktober 2009 um 14:56 Uhr von Susanne

Impressionen aus dem China-Zelt

Ein Gang durch die Ausstellung des Ehrengastes auf der Agora gehört jedes Jahr zu meinem Messebesuch.

 

Heute machten sich gerade die Akteure der nächsten “Peking-Oper-Schau” für ihren Auftritt draußen auf der Bühne fertig. 

Ein Kalligraph begann sein nächstes Bild mit einem kräftigen Strich

  

und freundliche Chinesinnen warteten zusammen mit ihren Verkaufspuppen auf den nächsten Besucheransturm.

18. Oktober 2009 um 14:48 Uhr von Susanne

Fußball(spielen) fördert Lesen

Lesen lernen kann man auf vielfältige Weise. Matthias Eiles etwa, der heute beim DFB arbeitet und sich parallel seit Jahren  dem Fußballprojekt “Auf Ballhöhe” widmet, hat Lesen und Geografie (vor allem) über Fußball-Magazine gelernt, die er freiwillig verschlang.

Dass Lernen Spaß machen kann und nicht zwangsläufig mit sturem Pauken zu tun hat, zeigt auch das LitCam-Projekt “Fußball trifft Kultur”, das inzwischen an Schulen in Frankfurt, Hamburg und Berlin läuft und den heutigen Fußball-Vormittag in Halle 4 organisierte.

Im Rahmen des Projektes erhalten Kinder aus verschiedenen Jahrgangsstufen zweimal pro Woche zusätzlichen Förderunterricht und professionelles Fußballtraining. Ziel ist, das soziale und kommunikative Verhalten der Kinder zu fördern und ihre Kenntnisse der deutschen Sprache zu verbessern.

Kinder zum Lesen animieren könnte zudem das Fußballbuch “Auf Fallhöhe”, das Eiles zusammen mit Tim Thilo Fellmer geschrieben hat und das Uschi Heusel illustrierte. Geschmack auf das Buch, in dem Felix von einer Fußballreise nach Südafrika erzählt, machte eine kurze Lesung zum Auftakt der dreistündigen “Fußball trifft Kultur”-Session.

Mit von der Partie war auch ein leicht übermüdeter (weil junger Vater) “Mr. Ruhrgebietsfußball”, der im bürgetrlichen Leben Ben Redelings heißt, und sein neues Programm mit dem schönen Titel “Dem Fußball ein Zuhause” vorstellte. Außerdem ging es um “100 Jahre Borussia Dortmund” - die heute am späten Nachmittag zuhause ein Ruhrgebietsderby gegen den VfL Bochum zu bestreiten haben.

Kurzfilme zum Thema rundeten das Programm ab. In der niederländische Produktion „Yamila“ ging es um ein muslimischen Mädchen, das sein Talent für den Fußball entdeckt. Ein toller Film über Mädels und Fußball ist übrigens, für alle, die ihn noch  nicht kennen sollten) “Kick it like Beckham”.

Nach dem Abpfiff steht fest: Der Fußballvormittag war eine runde Sache.

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