12. Oktober 2007

12. Oktober 2007 um 22:16 Uhr von Anja

Bücher digitalisieren- ja oder nein?

Die Frage “Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung von Büchern auf die Buchbranche?” wurde von allen beteiligten Seiten am Focus-Stand in Halle 3.1 rege diskutiert.

Anfangs wurde die Frage aufgegriffen, ob die Digitalisierung von Büchern ein Fluch oder ein Segen sei. Verleger Christoph Link meint zwar das die Digitalisierung auch Vorteile besitzt wie besseres Recherchieren, dennoch ist er besorgt, dass gesamte Inhalte über Tauschbörsen weltweit kostenlos verteilt werden. Claudia Lux, Generaldirektorin der Zentral- und Landesbiblothek Berlin, deutet an, dass Link wenn er die Digitalisierung verneint, auch Wissen für die Nutzer versperren würde. Daraufhin antwortete Link: “Wir versperren kein Wissen. Nur sollte man sich überlegen zu welchen Konditionen man Inhalte bereit stellt”. Ronald Schild, der unter anderem den Volltext-Finder Libreka vertritt, meint Libreka erfüllt die Bedinungen von den Verlegern, die gestellt werden: “Libreka bietet Inhalte im Internet für geringe Preise an.” Damit hat jeder, sogar der Autor, etwas von der Digitalisierung der Bücher.

Dann kommt die Google-Bibliothek ins Gespräch. Jens Redmer, Director von Google Booksearch, erklärt zuerst das Google die Funktion für die User immer nur erhöhen will und die Qualität der Suchergenbisse. “Wir digitalisieren Bücher nur auszugsweise und verweisen dann auf die jeweiligen Bücher. Das sehen wir als freien Werbevorgang an. Schließlich haben Ergebnisse gezeigt, dass 15 Prozent unserer Klicks zu Käufern werden”, behauptet Redmer. Weiterhin behauptet er, dass nur rechtefreie Werke digitalisiert werden. Verleger Link dementiert: “Zu Beginn haben sie Rechte verletzt.” Woraufhin wieder Redmer widersprach.

Interessant war auch noch die Frage, ob man nicht auch Rechte für die Digiatlisierung schaffen könnte wie für Bibliotheken, bei denen man auch Bücher kostenlos ausleihen kann. Ronald Schild schildert, dass Libreka im nächsten Jahr vorhat, eine Online-Ausleihe anzubieten. Claudia Lux erklärt, dass selbst Bibliotheken die Bücher digitalisieren: Entweder um deren Bestand zu erhalten oder um verwaiste Werke wieder zu beleben.

Am Ende stellte sich aber auch die grundlegende Frage ob Bücher überhaupt von den Nutzern digital gelesen werden wollen. Christoph Link liest tatsächlich lieber ein richtiges Buch, erkennt aber auch die zusätzlichen Möglichkeiten der Digitalisierung. Ronald Schild meint, dass heute bereits 50 Prozent der Sachliteratur am Rechner gelesen wird. Es ist alles nur eine Frage der Endgeräte.

Ich persönlich halte Bücher auch lieber in der Hand statt sie am Rechner zu lesen. Aber zunehmend lese ich besonders Sachbücher oder Artikel auch online oder am Rechner. Ich finde sowohl Libreka als auch die Google-Bibliothek nicht schlecht, da man in diesen Portalen sehr gut recherchieren kann. Und es sind wirklich nur einige Seiten freigegeben und sichtbar für User, ob die Rechte dabei eingehalten wurden, erkenne ich natürlich nicht. Also ich hätte nichts gegen die Digitalisiserung von Büchern, Auszüge würden mir auch schon reichen. Denn es sollte für mich immer noch Bücher geben, die ich in der Hand halten kann und wo ich rumkrackeln kann. Die Auszüge würden dann mein Kaufverhalten anregen.

Wie ist ihre Meinung zu der Diskussion? Sind sie für oder gegen die Digitalisierung? Was denken sie sind Auswirkungen von digitalen Büchern? Ich würde mich über viele Kommentare freuen.

12. Oktober 2007 um 19:22 Uhr von Jan

Der Islam und die Unterdrückung der Frau

Emma-Chefredakteurin Alice Schwarzer und FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher sprachen am FAZ-Stand über den Islam und die Emanzipation.

faz

Ein Drittel der Männer sei hart drauf. Machos. Frauenunterdrücker, sprach die menschliche Emanzipationsverkörperung Alice Schwarzer.

“Was gucken sie mich so an?”, fragte FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher. Das Publikum auf dem FAZ-Stand der Buchmesse war erheitert. Die beiden Mediengrößen diskutierten heute angeregt über die Unterdrückung der Frau - insbesondere durch die Pornographie und den Islam.

Während jedoch die Zwangspornographisierung der Gesellschaft (Schwarzer) vor allem die junge Generation durch Gruppenzwang verrohe und ihnen die Empathiefähigkeit nehme, sich nicht nur in Frauen, sondern in Menschen generell einzufühlen, ist für Schwarzer der Islam generell frauenverachtend. Obendrein seien zumindest ein Drittel der Muslime Machos. Doch Machos – beziehungsweise die „Haltung“ Macho, wie es bei Schwarzer durchklang - müsse aussterben. Außerdem seien Machos in jeder Hinsicht langweilig - auch im Bett, ergänzte sie und fügte prompt mit einem Grinsen hinzu: „Aber das wollen wir nicht weiter vertiefen – wir sind ja bei der FAZ.“

Doch wirklich Humor kam bei der Veranstaltung bei dem Thema nicht auf. Alleine schon wegen nachdenklich machender Erlebnisse, wie sie Frank Schirrmacher erzählte. So berichtete er beispielsweise von einem Gespräch mit einem hochrangigen Politiker, der seinerseits einen Orthopäden türkischer Abstammung kannte. Dieser sei in Deutschland aufgewachsen und ein durchaus aufgeklärter Mann gewesen, doch dann sagte der Orthopäde seinem Bekannten eines Tages beiläufig, dass er seine Tochter jetzt, wo sie 12 Jahre als sei, in die Türkei schicken werde. Auf Nachfrage erklärte der Arzt, seine Tochter solle nicht durch die deutsche Kultur verdorben werden. Der FAZ-Herausgeber ergänzte das Beispiel mit der Frage, was erst die weniger aufgeklärten Deutschen mit Migrationshintergrund denken würden, wenn schon solch gebildete Personen eine so starke Aversion gegen die deutsche Kultur hätten.

Etwas weniger verurteilend war hingegen sein Missfallen an der Art der Diskussionen über das Tragen von Kopftüchern in Schulen und über Teilnahmeverbote am Schulschwimmunterricht wie sie in Deutschland geführt würden. Viele junge Mädchen, so seine Ansicht, würden durchaus das Kopftuch ablegen wollen und am Schwimmunterricht teilnehmen, doch ihre Familien seien zu streng. Und wenn es da von Seiten der Schule heiße, man könne sich beispielsweise aus religiösen Gründen vom Schwimmunterricht befreien lassen, dann fehlten den Kindern und Jugendlichen die Argumente. Würde die Schule eine härtere Linie fahren, könnte sich der muslimische Nachwuchs darauf berufen. Deswegen „müssen wir wieder autoritär werden und diese Form des Liberalismus verlieren“ so Schirrmacher.

Im Fazit bleibt zu sagen, dass sowohl Frank Schirrmacher als auch Alice Schwarzer in dem Gespräch durchaus um das Recht auf freie Entfaltung des Individuums, insbesondere natürlich der Frauen im Islam, bemüht waren - was ihnen anzurechnen ist -, die Art ihrer Argumentation aber nicht unbedingt den ruhigen Dialog der Kulturen fördern wird.

12. Oktober 2007 um 18:54 Uhr von Fabian

Bloggen funktioniert auch in englisch

Hiermit präsentiere ich etwas, was dem (deutschen) Leser dieses Blogs wahrscheinlich bisher entgangen ist: den offiziellen englischen Frankfurter Buchmesse Weblog 2007

12. Oktober 2007 um 18:40 Uhr von Fabian

Einmal durch Halle 3.0

So, da die Messe heute eine Stunde länger geöffnet hat, kann guten Mutes weitergebloggt werden.
Halle 3.0 habe ich jetzt durch. Und die Stände, die meiner Meinung nach die schönste Optik haben, sind nachfolgend aufgeführt. Natürlich kann man sich über Geschmack streiten; sogar über meinen.

TokyopopPlatz 1: ‘Tokyopop’ (auch wenn der Stand sich seit 3 Jahren nicht verändert hat, warum sollte er auch; für Großansicht Bild anklicken)

Taschen VerlagPlatz 2: ‘Taschen’ mit seiner großen Bildwand, die schräg auf dem Standplatz steht und viel Raum frei lässt. Einfach und trotzdem irgendwie beeindruckend.

TasseIst man gerade in Halle 3.0, dann sollte man nicht verpassen bei Carlsen Comics zum Gratulieren vorbeizuschauen. Die feiern nämlich 40. Geburtstag. Mit ein bisschen Glück kann auch noch eine dieser Tassen mit ‘dem Hartmut’ am Stand ergattert werden. (Handmodel: Christine)

12. Oktober 2007 um 18:03 Uhr von Anja

Drei, zwei, eins - meins

Nein mit dem Auktionshaus hat das hier gar nichts zu tun. Ich wollte nur den hilfenreichen Tipp für Give Away-Sammler geben, dass es im FOCUS Forum Hörbuch in Halle 4.1 sehr, sehr viele Hörbücher zum Mitnehmen auf CD gibt. Zwar sind nur auf den wenigen von ihnen ganze Geschichten drauf, aber auf allen zumindest Auszüge. Hier mal eine kleine Auswahl und meine Hörbücher, die ich ergattern konnte. “Die Gegenpäpstin” von Martina André, “Das Schlangenschwert” von Sergej Lukianenko und “Schallwelten”, hier sind sogar zwei abgeschlossene Geschichten drin. Also wer Lust auf sowas hat, ihr wisst ja jetzt wo ihr das abgreifen könnt.

12. Oktober 2007 um 18:03 Uhr von Christine

Starköche auf der Buchmesse

Während Tim Mälzer draußen in Frankfurts Grau-im-Grau (im Signierzelt) sein neues “Kochbuch” signiert, warte ich in Halle 3.0 beim Messestand von “Books on Demand” auf Sarah Wiener, die österreichische Fernsehköchin. Diese hat nämlich zusammen mit Ralph Zacherl und Eckart Witzigmann die Patenschaft für “Das größte Mitmachkochbuch der Welt” übernommen und dieses sollte heute von ihr signiert werden. Dabei handelt es sich um ein Kochbuch, dass aus vielen Hobbykoch-Rezepten (die von Privatleuten eingesendet wurden) besteht. In wenigen Wochen wird dieses Unikat (denn es wird nur ein einziges Buch mit Wiener-Signatur geben) bei Ebay versteigert, der Erlös geht an das Hospitz “Leuchtfeuer” in Hamburg.

12. Oktober 2007 um 17:58 Uhr von Fabian

Wer ist TOMMI?

Gerade komme ich von der Verleihung des TOMMI. TOMMI, das ist der deutsche Kindersoftwarepreis - aber nicht nur! “Denn TOMMI ist auch ein Event”, erklärt man mir am Forum Kinder- und Jugendbuch. Und an diesem Event nehme ich gerade teil. Gerade startet die erste TOMMI-Laola-Welle. Bei TOMMI werden insgesamt vier Preise vergeben: einer für den Vorschul- und drei für den Grundschulbereich. Allerdings ist kein Preis, der ‘von oben’ verliehen wird, denn das letzte Wort bei der Preisvergabe hat eine Kinderjury. Die Kinder testen dabei alle nominierten Spiele. Bei der Vorschulkinderjury sind dies drei, bei der Grundschulkinderjury zehn. Da die Kinder nicht die ganze Fülle an verfügbaren Spielen spielen können, wird eine Vorentscheidung nach pädagogischen Kriterien getroffen und die Kinder beim Spielen genau beobachtet. “Kinder im Alter von fünf bis sechs Jahren haben noch eine Lese- und Schreibkompetenz (…), es muss alles erklärt werden.” so die Medienpädagogin Deborah Woldemichael. “Das Spiel muss auch eigenständig gespielt werden können.”

Die Kinder legen besondern Wert darauf, dass das Spiel- bzw. Edutainment-Software Spaß macht, aber auch Realismus, eine gute Grafik und einfache Bedienbarkeit werden sehr geschätzt. So ist es auch nicht verwunderlich, dass die Gewinner gerade hier bei gepunktet haben. Den jeweils ersten Platz hat das Spiel mir Pipi Langstrumpf “Abselut Spunk!” (die Schreibweise ist so korrekt, erklärt man mir, Pipi hat ja keine Schule besucht; Oetinger Verlag) bei den Vorschulkindern und “Die Siedler: Aufstieg eines Königreichs” (Ubisoft) bei den Grundschulkindern. Es folgt eine TOMMI-Laola-Welle. Letzteres Spiel habe “zwar keinen pädagogischen Effekt, schult aber das Prinzip Ursache-Wirkung und Organisation.”

Kinderjury
Bild: Die Kinderjury mit Moderator Kim bei der TOMMI-Laola.

Einen ZDF-Mitarbeiter (das ZDF ist mit am TOMMI beteiligt) frage ich dann noch, was denn die Unterschiede zur “Giga Maus” (ein anderer Kindersoftwarepreis) sind. “Die Gigamaus ist eine trockene und langweilige Verleihung, zudem hatten wir zuerst die Idee mit der Kinderjury”, wird mir entgegnet. Der TOMMI sieht sich dabei selbst auch als Wegweiser für die Softwarehersteller. Weitere Infos gibt es unter www.kindersoftwarepreis.de. Die Begründung zu den Preisen gibt es hier.

12. Oktober 2007 um 17:54 Uhr von Anja

Poetry Slam Special

Eigentlich finden ja Poetry Slams in dunklen und verrauchten Räumen statt. Heute aber konnten die Besucher der Buchmesse auf der Agora im Lesezelt auch in den Genuss des Poetry Slams kommen. Ersteinmal für all diejenigen die Poetry Slam nicht kennen: Poetry Slam ist eine amerikanische Erfindung aus den 80er Jahren. Es ist ein Wettbewerb, bei dem Literaten ihre eigenen Texte vorstellen und natürlich live präsentieren sollen. Den Teilnehmern stehen keine Hilfsmittel wie Musik oder Kostüme zur Verfügung. Sie haben genau 5 Minuten Zeit ihr literarisches Werk zu präsentieren. Am Ende bewertet das Publikum, wer gewonnen hat.

Heute mit dabei sind 5 Poetry Slamer aus ganz Deutschland. Den Anfang machte heute Christian Ritter aus Würzburg. Er trug sein Werk “Die Pims der Klasse 1A” vor, das für ihn mehr oder weniger ein Teil zur Vergangenheitsbewältigung beiträgt. Unter anderem vergleicht er die heutige Zeit mit der damaligen: “Heute werden Schüler gedisst, früher gabs Dis nur im Musikunterricht”. Von seiner coolen und schnellen Vortragsweise war ich begeistert. Der Zweite Vortragende war Frank Klötgen aus Berlin. Mit seinem Gedicht “Willkommen im Herbst” hat er sehr über den so zauberhaften Frühling abgelästert und will sich in Zukunft dem Herbst mehr zuwenden. Er hat als einziger sein Gedicht in Reimform vorgetragen und versucht tatsächlich das Wort Spatzen im Duden in Spapsen umzuwandeln, anscheinend weil es sich ansonsten nicht gereimt hätte. Der Dritte im Bunde war Andy Strauß aus Münster. Poetry SlamEr war mit abstand der ausgefallenste Typ, insebsondere von seinen Klamotten und seiner Geschichte, die er vortrug. Diese Geschichte beschreibt einen Tag im Leben des Andy Strauß, bei dem man hofft, das er solche Tage nicht immer erlebt. Als Vierter ist Karsten Hohage aus Heidelberg auf die Poetry Slam-Bühne gestiegen. Er überzeugte das Publikum mit einem sehr tiefgreifendem, aber dennoch lustigem Gedicht über den Krieg und zog damit ins Finale ein. Last but not least aus Aachen. Ihm hatte ein Psychiater eigentlich angeraten entweder eine Anaylse beim ihm zu machen oder einen Roman zu schreiben. Er wollte eigentlich die Analyse machen, aber die Krankenkasse wollte nicht zahlen. So hat er nun einen Roman geschrieben und trug heute auf der Buchmesse 2 Kapitel vor. Witzig, ironisch und eifach nur genial. Damit zog er auch ins Finale ein.

Im Finale standen am Ende Necip Tokoglu und Karsten Hohage. Beide hatten nochmals die Chance ein weiteres Werk von ihnen vorzutragen. Necip entschied sich für ein weiteres witziges Kapitel und Karsten trug ein Werk über seine panische Flugangst vor. Bei allen beiden konnte ich mich vor Lachen krümmen. Gerechterweise haben sie dann beide den 1. Platz gemacht. Das Preisgeld vo 50 Euro wurde natürlich geteilt.

Wer heute abend in Frankfurt einen Poetry Slam besuchen will, sollte sich hier kundig machen zwecks Anfahrt und weiteren Terminen. Poetry Slam gibt es aber auch in vielen, vielen anderen Städten. Einfach mal googlen.

12. Oktober 2007 um 17:24 Uhr von Christine

Die Schüler-Jury

Seit Oktober 2004 verleiht die Kulturabteilung der französischen Botschaft zusammen mit dem Klett-Verlag den literarischen “Prix des lycéens allemands“. Dabei werden fünf zeitgenössische französische Romane (diese dürfen nicht länger als 1 Jahr auf dem Markt sein) an verschiedene deutsche Französisch-Leistungskurse gegeben. Die Abiturienten lesen diese Bücher und entscheiden, welches den Preis verdient hat. dabei wird erst auf Klassen-, dann auf Landesebene der Favorit ermittelt. Dabei werden die Bücher diskutiert und die Schüler bekommen einen Einblick in die zeitgenössische französische Literatur. Dieses Jahr hat der Roman “Maestro” von Xavier-Laurent Petit den Preis bekommen. Damit steht der Übersetzung ins Deutsche nichts mehr im Wege: Dafür ist das Preisgeld von 5000 € vorgesehen. Pünktlich zur Leipziger Buchmesse soll die deutsche Version dann erscheinen.

Das Buch erzählt von bolivischen Straßenkindern, von ihrem Alltag und davon, dass ihnen durch Musik wieder etwas Freude in ihr Leben gebracht wird. Die wahre Geschichte - es gibt wirklich einen Dirigenten, der in Bolivien vor acht Jahren ein Straßenkinder-Orchester gründete - regt zum Nachdenken an und verdeutlichte den deutschen Abiturienten, dass es nicht allen Kindern auf der Welt so gut geht, wie ihnen selbst, erklärte Melanie Feistauer. Sie war ein Mitglied der Schüler-Jury und wählte auch “Maestro” zu ihrem Favoriten. Die Geschichte wirkt sehr authentisch, betont Feistauer, gerade weil der Autor auch die Jugendsprache und “Schimpfwörter” einbringt.

Ein besonders schönes Projekt ist dem Autor auch schon gelungen: Die Musiker hatten nicht genug Geld, um für ihre Instrumente neue Saiten kaufen zu können. Durch spenden konnten schließlich fünf Kilo (!) Instrumentensaiten nach Bolivien geschickt werden, auf denen die Jugendlichen mindesten zwei Jahre musizieren können.

12. Oktober 2007 um 17:23 Uhr von Fabian

Sergej Lukianenko

Heute habe ich den russischen Fantasy- und SF-Autor Sergej Lukianenko bei der Vorstellung seines neuen Fantasy-Jugendbuchs/Hörbuchs “Das Schlangenschwert” getroffen. Ich muss zugeben, ich habe bisher weder ein Buch von ihm gelesen, noch einen seiner Filme gesehen. Trotzdem war ich neugierig, was es denn mit diesem Mann auf sicht hat, der als “erfolgreichster russischer Fantasy und Science-Fiction Autor der Gegenwart” bezeichnet wird. Lukianenko, vielen ein Begriff über seine verfilmten Bücher “Wächter der Nächt” und “Wächter des Tags” (aktuell im Kino), habe ich mir gänzlich anders vorgestellt. Mit dem Vorwissen, dass die eben genannten Bücher definitiv Erwachsenenbücher sind, in denen “das Gute und das Böse mit aller Härte aufeinandertreffen”, habe ich einen ernsten Mann erwartet, der (analog zu der Handlung seiner Bücher) eine gewisse Härte ausstrahlt. Der echte Lukianenko hat damit nur wenig gemein: Ein sympatischer, etwas rundlicher, fast schon unscheinbarer, ruhiger Typ mit einem verschmitzten Lächeln. Ich bin überrascht und Frage eine Mitbesucherin, Alina, die die Filme von Lukianenko (auf russisch!) gesehen hat, was sie für ein Bild hatte. “Ich hab ihn mir jünger vorgestellt (…), aber er ist sehr sympatisch und gemütlich. Ich hab mir mehr einen Hollywoodtyp vorgestellt: groß, sachlich.” Puh, ich habe nicht als einziger daneben gelegen.

In Lukianenkos Büchern geht es immer ums Ganze. “Ein Lukianenko ist da nicht zimperlich”, klärt der Moderator den unwissenden Besucher auf. So auch nicht in “Das Schlangenschwert”. Neugierig bin ich dann schon, was das wirklich Besondere an Herrn Lukianenkos Romanen ist. Alina erklärt mir, was ihr an den Buchern gefällt: “Man kann es auf symbolische Weise zurückführen und es mit der Putin-Regierung assoziieren.” Lukianenko stellt Bezüge zur Realität her.

Jugendbücher sind übrigens nach Lukianenko schwerer zu schreiben: “Man muss auf alle Fälle spannender schreiben.” Ich muss zugeben, ich war bereits gestern (vor meiner Weblog-Sprechstunde mit Janni) bei der Vorstellung des neuen Hörbuchs von Lukianenko. Die Hörproben (einmal live auf Russisch von Lukianenko, dann als deutsche Übersetzung) haben mich von ihrer Erzälkraft so fasziniert, dass ich mir heute Morgen die ersten beiden Bände des “Wächter Zyklus” zugelegt habe (meine Zeit reichte gestern nicht mehr zum Kauf des neuen Hörbuchs). Diese sind inzwischen von Lukianenko und Pöhlmann (die Übersetzering von Lukianenkos Büchern) signiert worden. Alina bestätigt mir, dass sich das Lesen lohnt. Ich freue mich drauf!

Schade ist, dass beide Veranstaltung mit Lukianenko wirklich schlecht besucht waren. An dem russischen Autor wird nur wenig Interesse gezeigt. Knapp 15 Zuhörer haben sich heute eingefunden, die mitgezählt, die spontan vor dem Stand der Frankfurter Rundschau stehen geblieben sind. Ich war der Einzige, der ein Buch signieren lies. “Er ist eben noch relativ unbekannt in Deutschland. Es ist auch blöd, dass die Filme in Deutschland viel später als in Russland veröffentlicht worden sind. Russische und osteuropäische Produktionen müssten mehr publik gemacht werden.” gibt mir Alina als Antwort auf die Frage, was sie meint, warum in Lukianenkos Veranstaltungen die Besucherplätze leer bleiben.

Likianenko und Pöhlmann
Bild: Sergej Lukianenko und Christiane Pöhlmann (Übersetzerin der Bücher)

Wer Lukianenko verpasst hat, der bekommt heute Nacht noch mal eine besondere Möglichkeit zur Begegnung: Um 19 Uhr startet die “Lange Lukianenko-Nacht” im Cinestar Metropolis (Eschersheimer Anlage 40, Frankfurt). Gezeigt werden die Filme “Wächter der Nacht” und “Wächter des Tages”. Auch aus dem Schlangeschwert wird noch einmal gelesen werde. Zwischendrin wird es auch die Gelegenheit, Lukianenko Fragen zu stellen. Karten gibt es für 12 Euro im Cinestar. Veranstalter sind die Frankfurter Rundschau, der Beltz Verlag und Cinestar.

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