Signierstunde mit Willi Weitzel

14. Oktober 2007 um 23:54 Uhr von Fabian

Da Anja wegen der Weblog-Sprechstunde ja nicht zu Willi Weitzel’s Signierstunde gehen konnte, hat sie mich gebeten, für sie ein Autogramm zu ergattern. Willi ist der Moderator der Kinderwissenssendung ‘Willi wills wissen’ - und ziemlich beliebt. Hier nun mein Erfahrungsbericht:

Punkt 14:25 Uhr, kurz vor Beginn der Signierstunde, stehe ich am Stand von ‘Baumhaus‘. Vor mir umschließen etwa drei bis fünf Menschenreihen den kompletten Signierstand. Darunter hauptsächlich kleinere Kinder, aber auch Jugendliche und Erwachsene. Während die Kinder sich durcheinander, aber gesittet um den Stand herum aufstellt haben, laufen die Eltern zu Hochturen auf: Da wird geschimpft, das eigene Kind nach vorne gedrückt, gedrängelt, geschubst und allerlei Arten von Tricks versucht, um sich besser zu platzieren. Ich fühle mich an eine Kampfszene aus einem Filmepos erinnert. Dann kommt Willi in den Stand, die Menge bewegt sich und ich bin endgültig eingequetscht. Die erste Zeit passiert in meiner Ecke gar nichts, Willi signiert am anderen Ende des Standes und arbeitet sich langsam voran. Dann entdeckt hinter mir eine erwachsene Frau Anfang 50 im Vorbeigehen Willi und kreischt: “Der Willi! Ich kann’s nicht glauben!! Der echte Willi!! Ich bin ein großer Fan!!” Für alle anwesenden Ungläubigen der endgültig letzte Beweis dafür, dass ‘Willi wills wissen’ von allen Altersgruppen gesehen und geliebt (angesichts der Reaktionen passt hier kein anderes Wort) wird.
Vor mir werden ziellos Handys und Kameras über die Köpfe der vorderen Reihen gehalte um ein Bild von Willi zu schießen. Ich schaue auf die Displays und sehe Teile des Bücherregals hinter Willi, Köpfe, die Hallendecke, Unerkennbares, Verschwommenes, nur etwas von Willi vermisst man auf den Bildern. Ich beschließe meine Stimmung der Allgemeinheit anzupassen, hebe die Kamera, ziele genau und drücke ab. “Ich habe ein Bild von Willi’s Hinterkopf! Ich kann’s nicht glauben!”, rufe ich. Die interessierten (bis neidischen) Blicke der nahen Umgebung richten sich auf mein Kameradisplay. Ich muss lachen, meine Umgebung lacht mit. Die Glücklichen, die Willi bereits erreicht haben, schlängeln sich mit Not vor mir zurück durch die Masse. Ich bilde eine Gasse, gratuliere den vorbeikommenden, man bedankt sich höflich. Das Warten dauert an.
Obwohl ich immer wieder Kinder vorlasse, beschimpft eine Mutter die Erwachsenen in der Nähe (darunter auch mich): “Ihr alte Esel, seht ihr nicht, dass hier Kinder stehen? Was macht ihr denn hier?” Ich wende mich vom Display meiner Digitalkamera ab, dass gerade eine gut gelungene Aufnahme einer Reihe von Köpfen und Willis linkem Ohr zeigt: Es ist die selbe Frau, die vor einer Minute noch ihren Kindern “Queeeetsch!” zugerufen hat, wohl um sie zum Vorankommen in der vor mir stehenden Kindergruppe Mittels Ellebogen zu animieren. Mit einer Ruderbewegung schiebt sie mich zur Seite; ein Kind nimmt meinen Platz ein. Ich spar mir einen Kommentar, ich habe ja Zeit und weiche nach links aus. Lieber noch ein Foto, im Blog muss ja schließlich zumindest ein halber Willi abgebildet sein. Von hinten drückt die Masse nach vorne zum Autogrammstand. Ich halte dagegen, vor mir stehen kleine Kinder, die sowieso schon etwas lädiert von den umherstehenden “Großen” aussehen. Das Warten hält an. Ich nutze die Gelegenheit und spreche die links und rechts von mir eingekeilten jugendlichen Mädchen an, frage sie, was sie an Willi so toll finden. Die Antworten sind überraschend einfach: “Der ist halt im Fernsehen, das reicht schon.” oder auch: “Der moderiert eine Sendung. Das macht er ganz gut. Ich
guck die gerne.”
Nach ziemlich genau einer Stunde habe ich die knapp zwei Meter zum Stand zurückgelegt (mit mehreren Rückschritten). Außer mir steht nur noch ein Kind etwas Abseits an der anderen Seite des eckigen Signierstandes. Willi, der eigentlich schon längst zur nächsten Veranstaltung muss, signiert mein Poster. “Für Anja”, sage ich, und “Für Anja” schreibt Willi. Es ist vollbracht! Willi wendet sich noch kurz dem verbliebenen Kind zu, dann ist er auch schon weg.

Auf meinem Weg aus Halle 3.0 überhole ich eine Frau mit einem signierten Willi-Poster. Ich frage Sie, was sie an Willi so super findet: “Ich mag es, wie er seine Sendung macht. Er ist sehr authentisch, natürlich und lustig. Ich lasse meine Kinder die Sendung gerne schauen. Sie lernen etwas dabei.” Das ist doch mal eine Aussage! Da ich Willi schon einmal auf einer Tagung in München getroffen habe, bestätige ich ihr, dass er im echten Leben genauso wie in seinen Filmen ist. Dann geht Sie zur nächsten Willi-Veranstaltung und ich Richtung Halle 6.1. Dabei grüble ich darüber nach, ob das ‘WWW’ am Signierstand statt für ‘Willi wills wissen‘ nicht vielleicht doch für ‘World Wide Wrestling‘ gestanden hat.

Willi Weitzel
Bild: Willi Weitzel während der Signierstunde. Für so ein Bild musste man viel Geduld mitbringen.

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