November 2007

20. November 2007 um 08:45 Uhr von Fabian

Meine Buchmesse 2007

Nun ist es schon über einen Monat her, dass ich die Frankfurter Buchmesse wieder ihre Tore schloss und uns Weblogger, gerade der fünftägigen Heimat unseres Web 2.0-Wohnzimmers entrissen, mit traurigen aber leuchtenden Augen wegschickte.
Eine Zeit in der man genug Abstand bekommt, um entweder zu festzustellen “Naja, so toll war’s gar nicht” über “Okay, ich war halt da” bis “Ja, es war unglaublich toll”. An einer solchen Feststellung will ich mich im Folgenden versuchen:
Ich bin erstaunt, wie sehr eine Buchmesse einen persönlich bereichern kann (im immatriellen Sinne). Eine Bereicherung war dabei nicht nur das neue Wissen, das ich aus den vielen Lesungen, Vorträgen, Foren und Workshops mitnehmen durfte; vor allem war das auch die Begegnung mit den Menschen auf der Messe. Ich habe viele bekannte und unbekannte, aber stets interessante Persönlichkeiten (zu welchen natürlich auch die Besucher gehören) getroffen, durfte ihr Wissen und ihr Erfahrungen mit ihnen teilen. Ich bedanke ich mich noch einmal für die mir großzügig entgegengebrachte Zeit und Freundlichkeit!
Die Frankfurter Buchmesse 2007 war für mich auch ein besonderer Dialog zwischen den Kulturen. Hier erinnere ich mich gerne an die Hallen mit den internationalen Verlagen, wie auch an die Präsentation des Gastlandes katalanische Kultur. Ich denke aber auch besonders an die großartige Lesung eines Prince Kum’a Ndumbe III aus Kamerun zu Rassismus und Versöhnung (die leider am Ende des letzten Messetags viel zu wenig Aufmerksamkeit gefunden hat) wie auch an meine Begegnung mit dem russischen Autor Sergej Lukianenko. Letzterer ist mein neuer Lieblingsautor im Fantasy-Bereich geworden. Nach nunmehr fünf Büchern und über zweieinhalbtausend gelesenen Seiten kann ich für mich konstatieren, dass ich, trotz bereits hoher Erwartungen an seine Werke, ihn immer noch unterschätzt hatte.
Denjenigen, die sich fragen, was denn ein russischer Fantasy-Roman (der allerdings heutigen Russland spielt) zum interkulturellen Verständnis beitragen kann, möchte ich hier noch eine Antwort geben: Nun, auch wenn ich nicht so weit gehen würde zu sagen, dass man durch die Lektüre der Bücher ein handfestes Wissen über das Land erwirbt, so bekommt man doch durch die vielen detailverliebten Beschreibungen der Personen und Schauplätze der Handlung ein ‘Gefühl’ für das Land und seine Menschen - und das ist in unserer Welt der objektiv-reduzierten Berichterstattung vielleicht sogar noch wichtiger als bloße Zahlen und Fakten. Ich denke, dass in diesem Sinne Lukianenko auch ein Botschafter seines Landes ist.
Doch zurück zum eigentlichen Thema: Es hat mich auch gefreut zu sehen, wie viel Mühe sich die Veranstalter und Aussteller gemacht haben. Sei es mit der Auskunft und Beratung, der Gestaltung des Standes oder auch den eigenen Veranstaltungen. Ich habe mich wohlgefühlt: Die Buchmesse 2007 war für mich ein großartiges Wohnzimmer voller interessanter Menschen und Geschichten. Es hat Spaß gemacht!
Nun hat die Messe es verdient im angenehmen Nebel wohliger Erinnerungen einen ehrenwerten Platz einzunehmen. “Ja, es war unglaublich toll!”
Mit einem dankbaren Augenzwinkern verabschiedet sich in die Weiten des Internets,
Fabian ;-)

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