Die Frage, wieviele Männer in Schweden ein paralleles Leben führen wie Herr Roos, ließ Håkan Nesser diskret unbeantwortet. Mehr noch: Er gab sie an sein Publikum weiter: “How many of you have a secret cottage in a wood?”.
Es gingen nicht wirklich viele Hände hoch. Dafür gab es einige Lacher. Was immer sie zu bedeuten hatten. Herr Roos jedenfalls, die ältliche Hauptfigur in Nessers neuem Roman “Das zweite Leben des Herrn Roos”, hat plötzlich die Chance bekommen, ein anderer zu werden - ohne dass es seine Gattin merkt, für die er eh nur noch “eher ein Möbelstück als ein lebendiger Mensch” ist.
Aber man ahnt es schon. Ein solches Parallel-Leben, in dem zudem noch eine 40 Jahre jüngere Drogenabhängige eine entscheidende Rolle spielt - “no, no it’s not a Lolita-Story, they are just friends” - , kann nicht gut ausgehen. Auch nicht im Roman, weshalb aus dem ”Mainstream-Roman” irgendwann ein Krimi geworden sei.
Nesser ist ein guter Plauderer, der sich auf charmante Art darüber bewusst ist, dass das hier (auch) eine Werbeveranstaltung für seinen Roman ist. Und er weiß auch, dass er sich leisten kann, über den deutschen Schwedenkrimi-Hype zu spötteln. “Wenn Sie ein rotes Holzhaus auf dem Cover sehen, kaufen Sie das Buch, weil Sie denken: ‘Ah, das ist ein Schwedenkrimi’”.
Inspektor Barbarotti, der durch Herrn Roos seinen zweiten Fall zu klären hat, hat sich übrigens plötzlich in das Schriftstellerleben von Nesser geschlichen, als dieser gerade eine Schreibblockade hatte.
Der “begnadete Krimiautor”, wie ihn die deutsche Presse schon enthusiastisch betitelte, erzählt, dass er dann ins Gespräch gekommen sei mit Barbarotti. Sie scheinen sich gut verstanden zu haben. Denn B. wurde seine neue Hauptfigur. Die jedoch eine Bedingung stellte: Sie wollte nicht nur in einem Buch vorkommen.
Jetzt wird es es insgesamt fünf Barbarotti-Krimis geben. Der Inspektor dürfte damit zufrieden sein und Nessers Leserschaft vermutlich auch.
Tags: Blaues Sofa, Hakan Nesser, Krimi



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