Von der Meinungsfreiheit und der Kraft des Volkes

18. Oktober 2009 um 16:11 Uhr von Susanne

Mo Li setzt sich für Meinungsfreiheit ein

Wie erwartet war es knüppelvoll im Forum Dialog, als es um die Tibet-Frage ging. “Tibet abgebloggt – Chinas Angst vor der Meinungsfreiheit” war der Titel der Veranstaltung, zu der die Tibet Initiative Deutschland eingeladen hatte.

Sie entpuppte sich als eine Diskussion, in der mit klaren Worten sehr differenziert mit dem Thema umgegangen wurde.

Die chinesische Schriftstellerin Mo Li, die wie ihr Kollege Fu Zhengming im Exil lebt, erzählte, dass sie in Internet ihre (ehemaligen) Landsleute über im Land zensierte Themen wie Dalai Lama und Tibet aufkläre. “Das ist mein Beitrag”.

Dalai Lama und Tibet stehen ganz oben auf der Liste der unliebsamen Worte, nach denen täglich mehrere zehntausend chinesische Zensoren u.a. Beiträge der chinesischen Bloggergemeinde (wie es heißt, inzwischen die Größte der Welt) absuchen. Auch Zhengming habe erst im Exil gemerkt, mit welchen Lüge (etwa über den Dalai Lama) er aufgewachsen ist.

Aber es wurde auch konstatiert, dass man als Chinese mittlerweile immer einen Weg finden würde, dass zu lesen, was man lesen möchte. Dr. Erich Follath, Diplomatischer Korrepondent des “Spiegel, hat beobachtet, dass viele Intellektuelle in China nicht mehr länger der offiziellen Parteilinie hinsichtlich dem Umgang mit Minderheit folgen. “Tibetischer Buddhismus ist fast eine Modeerscheinung bei chinesischen Intellektuellen geworden”.

Der Journalist analysierte sehr nüchtern die Logiken und Rücksichtnahmen auf der politischen Weltbühne in Bezug auf China und Chinas repressive Haltung gegenüber Minderheiten. Ebenfalls spannende Einblicke in die politische Welt kamen von Dr. Helga Trüpel, die Mitglied im Europäischen Parlament ist. Sie betonte, dass die eigene Werte hochzuhalten (auch) die Bereitschaft zu Konflikten bedeute. “Die muss man austragen”.

Kelsang Gyaltsen, Sondergesandter des Dalai Lama, der die tibetische Exilregierung im Ausland vertritt bestätigte, dass die Haltung der Großmächte sehr wichtig sei, wenn es um die Lösung der so genannten Tibetfrage gehe. Aber, so sein Plädoyer, das Volk können ebenfalls etwas bewirken. “Die Ereignisse vor 20 Jahren in Europa haben gezeigt, dass einfache Bürger die Kraft haben, Veränderungen zu bewirken”.

In Tibet ist es bereits die dritte Generation, die sich gegen die chinesische Unterdrückung erhebt. Es ist dem tibetischen Volk zu wünschen, dass nicht noch eine vierte und fünfte Generation kämpfen muss, bevor wenigsten eine real ausgeformte Autonomie Wirklichkeit werden kann. Denn um die Unabhängigkeit des Landes geht es wohl schon längst nicht mehr - auch das zeigte die gelungene Veranstaltung.

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