Bei der Podiumsdiskussion ”Education in Flux” ging es heute Morgen um die aktuellen Veränderungen für Bildungsverlage durch den Einfluss der neuen digitalen Medien.
Auf dem Podium saßen internationale Bildungsverleger aus Spanien, China, Deutschland und den USA, moderiert wurde das Gespräch von Preben Späth, Geschäftsführer von European Educational Publishers Group (EEPG). Eine Zukunftsvision des OECD sei, dass es innerhalb der nächsten 10 Jahre ein radikale Veränderung des Bildungssystems geben könnte, bei der Schulen als nicht mehr finanzierbare Einrichtungen abgeschafft würden, Schüler zu Hause individuell mit Hilfe von digitalen Medien lernen und nur noch einmal pro Woche von den Lehrern zur Kontrolle besucht würden, begann Preben Späth die Diskussionrunde. Ein weiteres Szenario sei der so genannte “Lehrer-Exodus”, also das Aussterben des Berufsbildes, weil die Dienstleistung nicht mehr benötigt wird und auch für die praktizierenden Lehrer nicht mehr lohnend ist. Daraus folgt das letzte Szenario, in dem Schüler zukünftig vielleicht nur noch durch das World Wide Web lernen.
Auf Basis dieser zugespitzen Vision referierten die Podiumsteilnehmer jeweils aus ihrer Sicht über die die Veränderungen, die die Entwicklung hin zu Lerninhalten über digitale Medien in ihren Häusern aktuell mit sich gebracht haben und wie damit im Einzelnen umgegangen wird.

Internationale Bildungsverleger sprechen über die Herausforderung der neuen Medien
Grundsätzlich waren sich die Gesprächspartner einig, dass Schulen und auch der Berufsstand der Lehrkräfte weiterhin wichtige Elemente der Sozialisation von Kindern und Jugendlichen und daher unverzichtbar sind. Namir Hanna, Geschäftsführer des amerikanischen Bildungsverlags Rearden Educational, machte deutlich, dass durch die Digitalisierung die Bedeutung des gedruckten Buchs und dessen Verbreitung natürlich zurückgegangen sei. Heute seien die Inhalte das wichtigste. Diese müssen qualitativ hochwertig sein und den Bedürfnissen und Vorlieben der Kinder entsprechen. Die Verlage werden vor allem dann eine Chance haben, wenn sie die digitalen Medien in ihr Programm integrieren und sich deren Möglichkeiten zunutze machen. Mit eben dieser Strategie ist in Deutschland der Tessloff Verlag sehr erfolgreich. Tessloff-Geschäftsführer Dr. Thomas Seng erklärte, dass es bei Tessloff eine deutliche Entscheidung hin zum Verlag als “Content-Provider” und weg vom traditionellen Buchverlag gegeben habe.
In China spreche man insgesamt von 200 Millionen Schüler, 20 Millionen Studierende, 1 Million Schulen und Universitäten und rund fünf Millionen Lehrern, wenn es um das Bildungssystem geht, führte anschließend Li Pengyi, Vizepräsident von China International Publishinggroup, aus. Allein diese Zahlen bringen in China noch ganz andere Herausforderungen mitsich. Durch die Nutzung der neuen Medien lernen Kinder heute viel früher und auch schneller. Dieser Entwicklung müsse man auch durch die Schulung der Lehrer Rechnung tragen. Um sich Marktanteile zu sichern, bieten in China die großen Bildungsverlage Lehrkräften Aus- und Fortbildungen im großen Stil an.
Peres Vicens i Rahola, Verleger des spanischen Verlags Vices Vives Publishing, weist für seine Arbeit noch auf die unterschiedlichen Curricula der Landesregionen und den nicht unerheblichen Einfluss der Bildungsministerien auf den Inhalt von Schulbüchern hin. Für die verschiedenen Regionen in Spanien drucke er zum Teil 17 verschiedene Geschichts- oder Mathematikbücher. Er warnt zudem davor, im Internet und in der Ausstattung aller Schüler mit PCs für den Unterricht die optimale Lernsituation für Kinder zu sehen. Im Internet sei Wissen wahllos vorhanden, Bildung aber müsse gelenkt und strukturiert sein.
Als letzter Redner brachte Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse, noch einen weiteren Aspekt in das Gespräch ein: Lesen sei nicht gleich Lesen! Im Internet bekomme man immer nur Schnipsel bzw. Versatzstücke von Information. Diese Form des Lesens sei aber eine ganz andere, als die, ein Buch zu lesen. Wichtig sei, bei Kindern auch die Fähigkeit zu fördern, sich auf ein einzelnes Thema zu fokussieren und sich damit über einen Zeitraum von mehr als einer Stunde zu konzentrieren. Lesen bedeute für ihn auch, seinen Platz in der Gesellschaft zu finden.
Bei aller Wichtigkeit der verschiedenen Themen kristallisierte sich letztlich eine sehr einfache Erkenntnis heraus: Kinder wachsen heute mit den digitalen Medien auf und sie wissen sehr genau, was sie wollen und was nicht. Es werden folglich nur die (Bildungs-)Verlage überleben, die sich sowohl in der Wahl der zur Verfügung stehenden Medien als auch in der Wahl der Inhalte diesen Bedürfnissen anpassen.