Bildung

18. Oktober 2009 um 19:51 Uhr von Ulrike

200 SchülerInnen aus elf hessischen Schulen sind die Literateens 2009

Sonja Brühl erhält den Preis für die beste Rezension zum Buch "Isoliert" von Bettina Obrecht

Sonja Brühl erhält den Preis für die beste Rezension zum Buch

Wer könnte Kinder- und Jugend-bücher besser beurteilen, als die, für die sie geschrieben sind? Diese Einsicht steckt hinter der Initiative “Literteens”, bei der Schüler und Schülerinnen ihre Lieblings-bücher begutachten und bewerten und ihre Rezensionen dann anderen Leseratten zur Verfügung stellen. Heute Nachmittag wurden auf der Buchmesse die sechs SchülerInnen geehrt, die nach Meinung der Erwachsenen-Jury die besten Rezensionen verfasst hatten.

In der Altersklasse der 10- bis 13-Jährigen haben folgende Schülerinnen geworden:

1. Platz: Yari Klein (13), Lichtenbergschule Darmstadt zum Buch “Die fantastischen Abenteuer des Pan Tau” von Ota Hoffmann und Jindrich Polak

2. Platz: Maxine Hillemeier (10), Marienschule, Limburg zum Buch “Rosas schlimmste Jahre. Wie überlebe ich meine durchgeknallten Eltern” von Francine Oomen

3. Platz: Verena Tobert (13), Rhönschule Gersfeld zum Buch “Faunblut” von Nina Blazon

In der Gruppe der 14- bis 18-Jährigen wurden die besten Rezensionen geschrieben von:

1. Platz: Sonja Brühl (15), Georg-Büchner-Schule, Rodgau zum Buch “Isoliert” von Bettina Obrecht

2. Platz: Jonas Müller-Bouhlou (17), Gustav-Heinemann-Schule, Rüsselsheim zum Buch “Die linke Hand” von Hannah Tinti

3. Platz: Lisa Naumann (18), St.-Angela-Schule, Königstein zum Buch “Zebraland” von Marlene Röder

Die Gewinnerinnen und Gewinner erhielten neben kleinen Preisen für sich selbst auch Geldpreise für ihre jeweiligen Schulbibliotheken. Ein bisschen schade war, dass drei der GewinnerInnen gar nicht da waren, weil sie noch in den Herbstferien waren.

Auf jeden Fall ist diese Kooperation vom hr-online, der Frankfurter Buchmesse und den Verlagen, die die Bücher kostenlos zur Verfügung stellen eine gute Sache, denn die meisten Kids lassen sich ihren Lesestoff bestimmt lieber von Gleichaltrigen als von ihren Eltern, Tanten oder Großeltern empfehlen!

Alle rund 200 Rezensionen sind zu finden unter: http://www.hr-online.de/website/specials/buchmesse2009/index.jsp?rubrik=45306

17. Oktober 2009 um 18:06 Uhr von Susanne

Internationaler Bildungskongress: Impulse für engagierte Lehrkräfte

“Wir sind sehr zufrieden”, sagt Karin Plötz, Gruppenleitung Bildung und Kooperationen bei der der Frankfurter Buchmesse. ”Der Kongress war ein Erfolg”. Zwei Tage lang haben sich rund 170 Lehrkräfte, Erzieher, Studierende und Bildungsverleger (und damit wieder mehr als im Jahr zuvor) mit dem Thema “Lernende Gesellschaft” beschäftigt.

Unter diesem Motto veranstaltete die Frankfurter Buchmesse gestern und heute gemeinsam mit der Robert-Bosch Stiftung, Lehrer-Online und Schulen ans Netz e. V.  im Rahmen des Schwerpunkts “Zukunft Bildung“ ihren nunmehr 4. Bildungskongress.

Gestern standen die Themen Wirtschaft und Bildung, Social Networking und Gewalt an Schulen auf dem Programm. Höhepunkt war die Podiumsdiskussion „Education in Flux“, in der es darum ging, wie sich die Ansprüche an und das Verständnis von Bildung verändern.

Heute wurden in verschiedenen Workshops neue Produkte, Ideen und Ansätze beim Lernen und Lehren diskutiert. In der Veranstaltung „Das Internet einmal anders” ging es etwa um grundlegende Techniken zur Beschaffung von Informationen aus dem Internet. Ein Trendthema. “Digitale Themen wurden grundsätzlich gut angekommen”, sagt Account-Managerin Katharina Ewald.

Die Organisator(inn)en hat besonders gefreut, dass sehr viele junge und engagierte Lehrkräfte den Kongress besucht haben. Also genau diejenigen, die an ihren Schulen mitentscheiden - und damit die Zukunft der Bildung hierzulande mitprägen.

Gelernt wird - wie jeder weiß - nicht nur an Schulen. Um den immer höher werdenden Ansprüchen gerecht zu werden, ist lebenslanges Lernen inzwischen zu einem der wichtigsten Themen unserer Zeit geworden. Kein Wunder, dass dann auch die Veranstaltung “Verlernen Sie das Lernen nicht” viele Interessierte anzog.

Zum Rahmen des Kongresses, der im kommenden Jahr seine Fortsetzung finden wird, wurden zudem die “Best European Schoolbook Awards 2009” verliehen. Ein Ziel des Preises ist es, herausragende Schulbücher und Lehrwerke bekannt(er) machen.

Der Award wird von der European Educational Publishers’ Group (EEPG), IARTEM (International Association for Research on Textbooks and Educational Media) und der Frankfurter Buchmesse vergeben.

16. Oktober 2009 um 13:22 Uhr von Ulrike

Bildung im Umbruch - Anpassen oder Untergehen

Bei der Podiumsdiskussion ”Education in Flux” ging es heute Morgen um die aktuellen Veränderungen für Bildungsverlage durch den Einfluss der neuen digitalen Medien.

Auf dem Podium saßen internationale Bildungsverleger aus Spanien, China, Deutschland und den USA, moderiert wurde das Gespräch von Preben Späth, Geschäftsführer von European Educational Publishers Group (EEPG). Eine Zukunftsvision des OECD sei, dass es innerhalb der nächsten 10 Jahre ein radikale Veränderung des Bildungssystems geben könnte, bei der Schulen als nicht mehr finanzierbare Einrichtungen abgeschafft würden, Schüler zu Hause individuell mit Hilfe von digitalen Medien lernen und nur noch einmal pro Woche von den Lehrern zur Kontrolle besucht würden, begann Preben Späth die Diskussionrunde. Ein weiteres Szenario sei der so genannte “Lehrer-Exodus”, also das Aussterben des Berufsbildes, weil die Dienstleistung nicht mehr benötigt wird und auch für die praktizierenden Lehrer nicht mehr lohnend ist. Daraus folgt das letzte Szenario, in dem Schüler zukünftig vielleicht nur noch durch das World Wide Web lernen.

Auf Basis dieser zugespitzen Vision referierten die Podiumsteilnehmer jeweils aus ihrer Sicht über die die Veränderungen, die die Entwicklung hin zu Lerninhalten über digitale Medien in ihren Häusern aktuell mit sich gebracht haben und wie damit im Einzelnen umgegangen wird.

Internationale Bildungsverleger sprechen über die Herausforderung der neuen Medieb

Internationale Bildungsverleger sprechen über die Herausforderung der neuen Medien

Grundsätzlich waren sich die Gesprächspartner einig, dass Schulen und auch der Berufsstand der Lehrkräfte weiterhin wichtige Elemente der Sozialisation von Kindern und Jugendlichen und daher unverzichtbar sind. Namir Hanna, Geschäftsführer des amerikanischen Bildungsverlags Rearden Educational, machte deutlich, dass durch die Digitalisierung die Bedeutung des gedruckten Buchs und dessen Verbreitung natürlich zurückgegangen sei. Heute seien die Inhalte das wichtigste. Diese müssen qualitativ hochwertig sein und den Bedürfnissen und Vorlieben der Kinder entsprechen. Die Verlage werden vor allem dann eine Chance haben, wenn sie die digitalen Medien in ihr Programm integrieren und sich deren Möglichkeiten zunutze machen. Mit eben dieser Strategie ist in Deutschland der Tessloff Verlag sehr erfolgreich. Tessloff-Geschäftsführer Dr. Thomas Seng erklärte, dass es bei Tessloff eine deutliche Entscheidung hin zum Verlag als “Content-Provider” und weg vom traditionellen Buchverlag gegeben habe.

In China spreche man insgesamt von 200 Millionen Schüler, 20 Millionen Studierende, 1 Million Schulen und Universitäten und rund fünf Millionen Lehrern, wenn es um das Bildungssystem geht, führte anschließend Li Pengyi, Vizepräsident von China International Publishinggroup, aus. Allein diese Zahlen bringen in China noch ganz andere Herausforderungen mitsich. Durch die Nutzung der neuen Medien lernen Kinder heute viel früher und auch schneller. Dieser Entwicklung müsse man auch durch die Schulung der Lehrer Rechnung tragen. Um sich Marktanteile zu sichern, bieten in China die großen Bildungsverlage Lehrkräften Aus- und Fortbildungen im großen Stil an.

Peres Vicens i Rahola, Verleger des spanischen Verlags Vices Vives Publishing, weist für seine Arbeit noch auf die unterschiedlichen Curricula der Landesregionen und den nicht unerheblichen Einfluss der Bildungsministerien auf den Inhalt von Schulbüchern hin. Für die verschiedenen Regionen in Spanien drucke er zum Teil 17 verschiedene Geschichts- oder Mathematikbücher. Er warnt zudem davor, im Internet und in der Ausstattung aller Schüler mit PCs für den Unterricht die optimale Lernsituation für Kinder zu sehen. Im Internet sei Wissen wahllos vorhanden, Bildung aber müsse gelenkt und strukturiert sein.

Als letzter Redner brachte Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse, noch einen weiteren Aspekt in das Gespräch ein: Lesen sei nicht gleich Lesen! Im Internet bekomme man immer nur Schnipsel bzw. Versatzstücke von Information. Diese Form des Lesens sei aber eine ganz andere, als die, ein Buch zu lesen. Wichtig sei, bei Kindern auch die Fähigkeit zu fördern, sich auf ein einzelnes Thema zu fokussieren und sich damit über einen Zeitraum von mehr als einer Stunde zu konzentrieren. Lesen bedeute für ihn auch, seinen Platz in der Gesellschaft zu finden.

Bei aller Wichtigkeit der verschiedenen Themen kristallisierte sich letztlich eine sehr einfache Erkenntnis heraus: Kinder wachsen heute mit den digitalen Medien auf und sie wissen sehr genau, was sie wollen und was nicht. Es werden folglich nur die (Bildungs-)Verlage überleben, die sich sowohl in der Wahl der zur Verfügung stehenden Medien als auch in der Wahl der Inhalte diesen Bedürfnissen anpassen.

15. Oktober 2009 um 19:17 Uhr von Ulrike

“Über die große Mauer erreichen wir alle Ecken der Welt”

Stefan Niemann, Christoph Bartmann und Guo Ling diskutieren über die Internetnutzung in China

Stefan Niemann, Christoph Bartmann und Guo Ling diskutieren über die Internetnutzung in China

“Über die große Mauer erreichen wir alle Ecken der Welt” - so lautete 1987 die erste “Electronic Mail” aus China. Geschrieben wurde sie von dem deutschen Internet-Pionier Werner Zorn, und gesendet wurde sie von Peking nach Karlsruhe. Heute gibt es nach offizieller Berichterstattung 338 Millionen Web-User in China.

Mit diesen Informationen begann heute Mittag die Podiumsdiskussion “Zeitfragen - Zeitzeugen. Ein chinesisch-deutsches Gesprächsforum. Gesellschaft und Web” im Forum Dialog. Auf dem Podium saßen Guo Liang, Autor und Philosoph am Institut für Philosophie der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften in Peking, der langjährige Chinakorrespondent und heutige Abteilungsleiter für Ausland & Aktuelles beim NDR-Fernsehen Stefan Niemann sowie Christoph Bartmann vom Goethe-Institut München.

Ein deutscher Journalist habe erst vor kurzem zu ihm gesagt, dass es zur Zeit eigentlich nur zwei zentrale Themen auf der Welt gäbe: China und das Internet, berichtete Guo Liang. Hier habe man nun gleich beide Themen zusammen in einer Veranstaltung. Und tatsächlich sind die beiden Begriffe nicht zuletzt durch das Wort “Zensur” miteinander verknüpft. Wer über China spricht, gelangt zwangsläufig zur Zensur-Problematik und in der Folge zur Zensur der chinesischen Regierung im Internet.

Es wird aber während des Gesprächs der drei Experten recht schnell deutlich, dass die Wahrnehmung der Menschen in China zu den Nutzungsbeschränkungen des Internets eine andere ist, als die der westlichen Betrachter: natürlich lassen sich 30.000 “Internetpolizisten”, die die Inhalte des World Wide Web überwachen und die zahllosen gesperrten Web-Seiten nicht wegreden. Es ist nicht zu leugnen, dass Chatrooms auf bestimmte Schlüsselworte hin überwacht und dann auch gesäubert oder gar geschlossen werden, dass zu bestimmten Zeiten im Jahr, rund um “kritische Tage”, wie den Jahrestag des Tiananmen-Massakers die Kontrollen besonders scharf werden und die Anzahl der blockierten Seiten steigt. Aber: das Internet ist verfügbar, immerhin ein Viertel der Bevölkerung nutzt es, und wo es Verbote gibt, gibt es immer auch Möglichkeiten, diese zu umgehen. Ohne Frage verurteilen Journalisten, Autoren, Studenten und Wissenschaftler zu Recht die von der Regierung auferlegten Beschränkungen, und dennoch hat das Internet schon ein unvergleichlich großes Fenster zu Wissen und Information geöffnet.

Sowohl Stefan Niemann wie auch Guo Liang warnen vor der Vorstellung, dass das unzensierte Internet die demokratische Befreiung Chinas bedeute. Was sich ändern muss, muss sich zunächst in der realen Welt ändern, nicht in einer “digitalen Parallelwelt”.

Einmal mehr gewinne ich die Erkenntnis, dass allein der Blick von außen nicht die ganze Wahrheit ist. Nur wer den Umgang der Chinesen mit dem Internet in China erlebt hat, wer vielleicht auch gesehen hat, dass eine nicht unbeachtliche Zahl von Usern, das Internet nur aufruft, um sich beim Gaming die Zeit zu vertreiben, wer erfahren hat, dass die Inhalte der New York Times für viele Menschen wesentlich weniger wichtig sind, als regionale Nachrichten und wer auch denjenigen zuhört, die die Reglementierung von Gewalt und Pornografie im Internet nicht ganz verkehrt finden, kann eigentlich wirklich an der Debatte über die Internet-Zensur in China teilnehmen.

Veranstaltungen zum Thema Zensur hinterlassen immer ein etwas ungutes Gefühl und die Überzeugung, dass Veränderung notwendig ist. Ich merke jedoch auch, dass ich ein bisschen lächeln muss über die Findigkeit der Chinesen, die sich mithilfe von Proxyservern und anderen Mitteln, die nicht alle verraten wurden, ihren Weg durch’s Internet schon suchen - Zensur hin oder her!

15. Oktober 2009 um 19:11 Uhr von Susanne

Trendkonferenz: Bildung und Wirtschaft zusammen denken

Dr. Jiang Feng

Dr. Jiang Feng

guó qĭ zhù bù zôu xiàng shì chăng. Das war und ist eine gute Nachricht für alle, die mit China Geschäfte machen wollen. Für diejenigen, die des Chinesischen nicht kundig sind, hier die Übersetzung: Die Staatsbetriebe öffnen sich allmählich dem Markt.

Gefunden habe ich den Satz in einem Sprachführer für Geschäftsgespräche, der auf der “Trend Conference China and Germany: Economy and Education” auslag. “Eine ganz wichtige Veranstaltung”, wie Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse in seinem Grußwort hervorhob.

Seit einigen Jahren treibt die Frankfurter Buchmesse das Thema Bildung voran, nicht zuletzt weil Lesen eine Voraussetzung für Bildung ist und Bildung wiederum zu mündige Staatsbürgern führt.  

Die Keynotes boten einen Überblick über kulturelle und historische Grundlagen des Bildungsbegriffs in China und Deutschland. Dabei bekannte sich der Botschaftsrat Dr. Jiang Feng als Anhänger von Konfuzius. Für Feng war der chinesische Philosoph, der rund 500 Jahre vor unserer Zeitrechnung lebte, der erste “richtige Pädagoge Chinas”. Sein Kanon präge bis heute den chinesischen Bildungsbegriff mit.

Im Anschluss diskutierten Vertreter der chinesischen und der deutschen Wirtschaft und Politik über Bildungsanforderungen in unserer globalisierten Wirtschaft. Denn, so Feng, die globalen Probleme (wie Umweltverschmutzung etc.) können nicht von Ideen, sondern nur von hochqualifizierten Menschen gelöst werden.

14. Oktober 2009 um 13:18 Uhr von Ulrike

Als Analphabet auf der Frankfurter Buchmesse!?

Anzeigenkampagne des Bundesverbands Alphabetisierung e.V.

Anzeigenkampagne des Bundesverbands Alphabetisierung e.V.

 

Mein erster Messetermin heute morgen war die Gesprächsrunde “Klar kommen ohne Lesen und Schreiben?” am Stand der Literacy Campaign in Halle 4. Auf dem Podium saßen drei Vertreter von unterschiedlichen Alphabetisierungsorganisationen (Bundesverband Alphabetisierung, “alphabund” und “ALBI-Projekt Alphabetisierung”) und Thorsten Böhler. Er war gekommen, um aus eigener Erfahrung darüber zu berichten, wie es ist, wenn man nicht lesen und schreiben kann.

Zunächst musste ich lernen, dass Menschen wie Thorsten Böhler so genannte “Funktionale Analphabeten” sind: sie können in der Regel ihren eigenen Namen schreiben und eventuell auf einer Postkarte noch entziffern, woher diese kommt - für eine echte Teilnahme am gesellschaftlichen Leben reicht es aber nicht. Ihre Lesekompetenz liegt unter der eines Drittklässers! Das macht sie sowohl im Privatleben als auch im öffentlichen Leben zu Außenseitern. Und obwohl wir in Deutschland in einem hoch entwickelten Industrieland leben, gibt es hier geschätzte vier Millionen funktionale Analphabeten!

Thorsten Böhler hatte als Kind eine Gehirnhautentzündung. Nach neun Jahren Unterreicht auf einer Schule für Körperbehinderte konnte er weder richtig lesen noch schreiben. Erst jahrelange Alphabetisierungskurse außerhalb der Schule, die er trotz großer Angst und anfänglicher Überwindung schließelich eisern durchzog, haben ihn soweit gebracht, dass er nach weiteren drei Jahren seinen Hauptschulabschluss machen konnte. Sein erster richtig geschriebener Satz, sagt er, war ein Riesenerfolg. Böhler erzählt stockend, dennoch - oder gerade darum - hängt man an seinen Lippen, denn er spricht über etwas, was man sich kaum vorstellen kann, wenn man Lesen und Schreiben als völlig selbstverständlich empfindet. Was er mit Briefen gemacht habe bevor er lesen gelernt habe, wird Böhler gefragt. Die offiziellen habe er direkt in die Schublade gesteckt, die privaten musste er sich vorlesen lassen von Menschen denen er vertraut - auch die Liebesbriefe!

Das ALBI-Projket, der Bundeverband für Alphabetisierung und der alphabund arbeiten neben anderen Initiativen alle dafür, die Situation der Analphabeten in Deutschland zu verbessern. Dazu erstellen sie Materialien für Kurse , bieten Lehrerfortbildungen und Schulungen für Berater (z.B. in den Arbeitsämtern) an, initiieren Kooperationen mit Betrieben  und unterstützendie Lernenden , wo es nötig ist. Es bleibt aber auch in der Zukunft noch viel zu tun!

Und was wünschen sich die Diskussionsteilnehmer für diese Buchmesse und auch darüber hinaus? Elfriede Haller von ALBI macht auf die große Chance auch für die Verlage aufmerksam, die vier Millionen Leser dazugewinnen könnten, wenn man das Problem der Analphabetisierung lösen könnte. Björn Otte wünscht sich mehr Aufmerksamkeit in den Medien für die wichtigen und auch spannenden Alphabetisierungsprojkete. Und Thorsten Böhler möchte, dass es mehr Bücher in großer Schrift mit einfachen Sätzen für erwachsene Leseanfänger gibt, und er möchte wegen seiner Lese- und Schreibschwäche nicht als dumm abgestempelt werden. Schließlich kann jeder Mensch etwas besonders gut und manches eben nicht so gut!

18. Oktober 2008 um 17:32 Uhr von Janni

Ich kann was, was du nicht kannst. Neue Anforderungen für Verlagsmitarbeiter

Natürlich muss eine Veranstaltung Der AKEP präsentiert neue Berufsbilder im Verlag auch im Forum Zukunft stattfinden. Es ist Besuchertag und die vielen jungen Zuhörer könnten tatsächlich interessierte Auswärtige sein. (Zumindest wäre es zu schön, wenn das breite Fachprogramm dieser Messe nicht nur die Fachbesucher, sondern auch das “normale” Wochenend-Publikum erreicht.)

Bernd Zanetti, der Geschäftsführer der Akademie des Deutschen Buchhandels und der Leipziger Professor für Buchhandel/Verlagswirtschaft Dr. Ernst-Peter Biesalski von der HTWK sprechen über Bedarf in der Branche und Anforderungen an Verlagsmitarbeiter: “Die Aufgaben im Verlag sind komplexer geworden”, sagt Biesalski, “nicht nur was die Produktion von Verlagsprodukten betrifft, sondern auch die wirtschaftliche Betrachtungsweise.” Durch regelmäßigen Austausch mit Branchenvertretern stünden die Ausbildungsinhalte der buchwissenschaftlichen Studiengänge stets auf dem Praxis-Prüfstand. (more…)

18. Oktober 2008 um 15:36 Uhr von Janni

Medienkompetenz – Phantom, Variable, Selbstverständlichkeit,…?

Ich habe eine aufschlussreichere Diskussion erwartet, ehrlich gesagt.
Die Kompetenzdichte auf dem Podium des ZEIT Bildungsforums war zweifelsfrei hoch. Vier Experten wie etwa der Medienpädagogik-Professor Dr. Stefan Aufenanger oder die auf Leseförderung spezialisierte Verlegerin und Netzwerkerin Iris Wolf bekamen noch Besuch vom geschäftsführenden hessischen Kultusminister Jürgen Banzer, der Moderator Marco Finetti selbst wäre ein geeigneter Podiumsgast gewesen.

Doch unterm Strich stand zu viel Diffuses unter der Überschrift Medienkompetenz im Alltag. Die in den Statements der Gäste angebrachten Beispiele reichten von der Unfähigkeit, SMS mit T9 zu tippen bis zur Schilderung von E-Learning-Projekten in Bibliotheken; neben dem Anspruch, die Handhabung von Hard- und Software zu vermitteln wurde gleich darauf wieder betont, wie wichtig es sei, in Bildungseinrichtungen schlicht die Instrumente zur richtigen Einordnung und Benutzung von Kommunikationsmitteln zu geben.

Überblick versus Detailwissen: Aufenanger gab sich zwar Mühe, zwischen Bedienungs- und Inhaltskompetenz zu differenzieren und brachte die Debatte mit seiner Warnung vor einer digitalen Spaltung kurzfristig auf einen grünen Zweig. Doch die Vielzahl unterschiedlicher Ansatzpunkte (und Assoziationen von Podium und Publikum) verhinderte eine halbwegs schlüssige Diskussion. Zum Beispiel über gesellschaftliche oder curriculare Prioritäten bei der Vermittlung der Variable “Bildungskompetenz”.

18. Oktober 2008 um 12:48 Uhr von Janni

Stolperfalle Buchstaben – mit Scheuklappen durchs Leben

Zu dumm, ich bin etwas spät dran und erlebe den Anfang der Veranstaltung Wie lebt es sich in einer Welt ohne Buchstaben? nicht mit. Die findet am Stand des Bundesverbandes Alphabetisierung und Grundbildung in der Halle 4.2 statt. Schon im letzten Jahr war Messeblogger Fabian am Alfa Mobil unterwegs, und ich möchte das Thema gern zumindest kurz aufgreifen.

Stolperfalle

Es ist beeindruckend, wenn in der Runde zwei Menschen stehen, die es, wie im Fall von Karl Lehrer, geschafft haben, es von 10% Lesevermögen, die er aus der Schule mitgenommen hat, über das Lesen und Schreiben-Lernen an der Volkshochschule bis zu einem Hauptschulabschluss und einer Ausbildung zum Logistiker zu bringen. “Lesen und schreiben bedeutet für mich auch, anderen im Alltag helfen zu können. Zum Beispiel meinem Sohn bei den Schulaufgaben.” (more…)

17. Oktober 2008 um 17:26 Uhr von Janni

If you feel young, join us!

Ich sitze mal wieder im Forum Zukunft (Halle 4.0, Sie wissen schon…) und habe spontan das Gefühl, hier ohne es vorher ahnen zu können, bei der herzlichsten Veranstaltung bisher gelandet zu sein: Out of the Box – into the Bookshop. Der International Congress of Young Booksellers stellt sich vor.
Auf der Bühne wird plötzlich Englisch gesprochen und zwar mit niederländischem, griechischem und deutschem Akzent. Der ICYB trägt ja nicht umsonst das I in seinem Namen!
Was ist der ICYB? Eine jährlich stattfindende Konferenz, auf der sich Buchhändler aus der ganzen Welt treffen, “no matter if you’re young or young at heart” Alter spielt hier keine Rolle, sondern Aufgeschlossenheit, Spaß an der Arbeit als Buchhändler und Lust, seine Erfahrungen mit anderen zu teilen.

Sympathisch, wie die Organisatorinnen klipp und klar sagen: ihr könnt viel bei uns lernen, und es wird euch Spaß machen! Kein Kleingedrucktes, sondern: eine Woche kostet euch 550€ und ihr werdet ein riesiges, anstrengendes, lustiges Programm haben mit Ideen von und für alle von uns! Wäre das hier eine (Verkaufs-)Präsentation wie dutzende andere auf der Messe, wäre ich kritisch. Aber so viel Engagement kann nicht aufgesetzt sein… es kommt sofort `rüber, dass es um Lust auf Fortbildung und Lust am Netzwerken geht – und um Spaß am Beruf. “When you come back, you’ll feel more confident being a bookseller.”

Wenn ich mir im Anschluss an diese Präsentation mit Videos und Fotos die Gesichter von ehemaligen und zukünftigen Teilnehmern und Interessierten ansehe, habe ich das Gefühl, dass das eine der die feinste Fortbildung sein muss, die Buchhändlern passieren kann.

In Deutschland muss Fortbildung immer Professionalität vermitteln und dass es ein hartes Stück Arbeit ist. Dass persönliche und berufliche Entwicklung Spaß machen kann, damit wirbt hierzulande kaum jemand… lobenswert, dass der ICYB an diesem Messefreitag damit anfängt!

Die Hemmschwelle für deutsche Teilnehmer sollte sinken, wenn sie hören, dass der nächste, zweiundfünfzigste (!) Kongress im Mai 2009 in Frankfurt-Seckbach stattfindet.
“If you feel young, join us!”

Maria G. Parikou (GR) of ICYB

Further training, international connections and a lot of fun: Elise de Bres (NL), Susanne Meinel (D) and, most beautiful of all: Maria G. Parikou (GR) of ICYB

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