Digitalisierung

16. Oktober 2009 um 18:58 Uhr von Susanne

Google Book Settlement: Unvereinbare Positionen

Prof. Roland Reuss: Erklärter Gegner von Googles Digitalisierungsprojekt

Prof. Roland Reuß: Erklärter Gegner von Googles Digitalisierungsprojekt

Das umstrittene Google Book Settlement betrifft Verleger in aller Welt. Kein Wunder, dass sie so zahlreich zu einer der Top-Veranstaltungen der diesjährigen Buchmesse erschienen waren. Unter dem Titel “What’s New about Google” diskutierten Vertreter der amerikanischen und europäischen Positionen ihre Sicht der Dinge.

So lebhaft und so kontrovers, dass ganz klar wurde: Die Debatte um den umstrittenden Vergleich zwischen der US Author’s Guild und der Association of American Publishers (AAP) auf der einen und Google auf der anderen Seite über die (ungenehmigte) Digitalisierung und Onlinenutzung von Millionen urheberrechtlich geschützter Bücher durch den Suchmaschinen-Giganten ist symptomatisch für das was, die Buchbranche derzeit weltweit umtreibt. Nämlich die Digitalisierung von Inhalten, das veränderte Medien(nutzungs)verhalten - eine Entwicklung, die sich noch zuspitzen wird, wenn die heutigen Computerkids heranreifen - und nicht zuletzt der Umgang mit dem kulturellen Erbe, auch von Seiten der Politik, die z.B. Gelder für die die Digitalisierung der Bibliotheksbestände bereitstellen müsste.

Zur Erinnerung: Der bislang ausgehandelte (aber noch noch nicht rechtsgültige) Vergleich ist aufgrund der sich nahezu überschlagenden Entwicklungen in in den letzten Wochen schon wieder Rechtsgeschichte und wird nun neu verhandelt.

Das Ergebnis dieser Neuverhandlungen darf mit Spannung erwartet werden. Denn die Veranstaltung zeigte - ebenso wie die Diskussionen im Vorfeld - , wie eng die internationale Buchbranche zwar einerseits mittlerweile zusammengerückt ist, aber wie groß andererseits die Unterschiede doch noch sind.

“Wir wollen ’Opt-in’ statt ‘Opt-out’”, sagte Dr. Christian Sprang, Justiziar des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Das bisher vorgesehene Opt-out-Verfahren bedeutet, dass Google (einfach schon mal) digitalisiert und Verlage aktiv werden müssen, wenn sie aus dem Verfahren austreten wollen. Urheberrecht bedeute, so Sprang, dass jeder, der Inhalte kommerziell nutzen wolle, vorher die entsprechenden Rechte einholen müsse. Er warnte zudem, vor einer Monopolisierung des digitalen Buchmarktes.

Roland Sarnoff (Bertelsmann), der die amerikanische (Verhandlungs)position vertrat, setzt auf eine pragmatische Lösung unter der großen Überschrift “Choice and Control”. Er verwies zudem auf die unterschiedlichen Rechtssysteme und Auffassungen (auch in Bezug auf dem Begriff Urheberrecht) in den USA und etwa europäischen Ländern - was die schon lange vor Gericht geführten Verhandlungen nicht eben vereinfacht.

Kein Blatt vor den Mund nahm Prof. Roland Reuß: ”Google missachtet internationales Recht. Wenn jemand dein Buch scannt, ohne zu fragen, ist das illegal”. Damit stimmte auch Sarnoff überein: “Deshalb sind wir ja vor Gericht gegangen”. Googles Vorgehen gefährde, so Reuß, langfristig die Position von Content-Produzenten (=Urhebern). Viele Menschen seien irritiert, vom dem, was Google tut.
 
Santiago de la Mora (Google Book Search) verteidigte unerschütterlich die Position und Philosophie seines Unternehmens und betonte, das Google sehr wohl Urheberrechte beachte. Sein Hauptargument ist der Nutzer, der (durch Google) Zugang zu allen verfügbaren Informationen bekommen soll.

In Frankfurt war die Debatte nach einer Stunde zu Ende. In New York geht es am 9. November weiter. Dann findet die Anhörung für die überarbeitete Fassung des Settlements statt - und ein weiteres Kapitel der Geschichte wird aufgeschlagen.

Mehr zur amerikanschen Perspektive unter: http://www.buchmesse.de/de/fbm/news-media/newsletter/ausgabe_oktober/01587/index.html

16. Oktober 2009 um 13:22 Uhr von Ulrike

Bildung im Umbruch - Anpassen oder Untergehen

Bei der Podiumsdiskussion ”Education in Flux” ging es heute Morgen um die aktuellen Veränderungen für Bildungsverlage durch den Einfluss der neuen digitalen Medien.

Auf dem Podium saßen internationale Bildungsverleger aus Spanien, China, Deutschland und den USA, moderiert wurde das Gespräch von Preben Späth, Geschäftsführer von European Educational Publishers Group (EEPG). Eine Zukunftsvision des OECD sei, dass es innerhalb der nächsten 10 Jahre ein radikale Veränderung des Bildungssystems geben könnte, bei der Schulen als nicht mehr finanzierbare Einrichtungen abgeschafft würden, Schüler zu Hause individuell mit Hilfe von digitalen Medien lernen und nur noch einmal pro Woche von den Lehrern zur Kontrolle besucht würden, begann Preben Späth die Diskussionrunde. Ein weiteres Szenario sei der so genannte “Lehrer-Exodus”, also das Aussterben des Berufsbildes, weil die Dienstleistung nicht mehr benötigt wird und auch für die praktizierenden Lehrer nicht mehr lohnend ist. Daraus folgt das letzte Szenario, in dem Schüler zukünftig vielleicht nur noch durch das World Wide Web lernen.

Auf Basis dieser zugespitzen Vision referierten die Podiumsteilnehmer jeweils aus ihrer Sicht über die die Veränderungen, die die Entwicklung hin zu Lerninhalten über digitale Medien in ihren Häusern aktuell mit sich gebracht haben und wie damit im Einzelnen umgegangen wird.

Internationale Bildungsverleger sprechen über die Herausforderung der neuen Medieb

Internationale Bildungsverleger sprechen über die Herausforderung der neuen Medien

Grundsätzlich waren sich die Gesprächspartner einig, dass Schulen und auch der Berufsstand der Lehrkräfte weiterhin wichtige Elemente der Sozialisation von Kindern und Jugendlichen und daher unverzichtbar sind. Namir Hanna, Geschäftsführer des amerikanischen Bildungsverlags Rearden Educational, machte deutlich, dass durch die Digitalisierung die Bedeutung des gedruckten Buchs und dessen Verbreitung natürlich zurückgegangen sei. Heute seien die Inhalte das wichtigste. Diese müssen qualitativ hochwertig sein und den Bedürfnissen und Vorlieben der Kinder entsprechen. Die Verlage werden vor allem dann eine Chance haben, wenn sie die digitalen Medien in ihr Programm integrieren und sich deren Möglichkeiten zunutze machen. Mit eben dieser Strategie ist in Deutschland der Tessloff Verlag sehr erfolgreich. Tessloff-Geschäftsführer Dr. Thomas Seng erklärte, dass es bei Tessloff eine deutliche Entscheidung hin zum Verlag als “Content-Provider” und weg vom traditionellen Buchverlag gegeben habe.

In China spreche man insgesamt von 200 Millionen Schüler, 20 Millionen Studierende, 1 Million Schulen und Universitäten und rund fünf Millionen Lehrern, wenn es um das Bildungssystem geht, führte anschließend Li Pengyi, Vizepräsident von China International Publishinggroup, aus. Allein diese Zahlen bringen in China noch ganz andere Herausforderungen mitsich. Durch die Nutzung der neuen Medien lernen Kinder heute viel früher und auch schneller. Dieser Entwicklung müsse man auch durch die Schulung der Lehrer Rechnung tragen. Um sich Marktanteile zu sichern, bieten in China die großen Bildungsverlage Lehrkräften Aus- und Fortbildungen im großen Stil an.

Peres Vicens i Rahola, Verleger des spanischen Verlags Vices Vives Publishing, weist für seine Arbeit noch auf die unterschiedlichen Curricula der Landesregionen und den nicht unerheblichen Einfluss der Bildungsministerien auf den Inhalt von Schulbüchern hin. Für die verschiedenen Regionen in Spanien drucke er zum Teil 17 verschiedene Geschichts- oder Mathematikbücher. Er warnt zudem davor, im Internet und in der Ausstattung aller Schüler mit PCs für den Unterricht die optimale Lernsituation für Kinder zu sehen. Im Internet sei Wissen wahllos vorhanden, Bildung aber müsse gelenkt und strukturiert sein.

Als letzter Redner brachte Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse, noch einen weiteren Aspekt in das Gespräch ein: Lesen sei nicht gleich Lesen! Im Internet bekomme man immer nur Schnipsel bzw. Versatzstücke von Information. Diese Form des Lesens sei aber eine ganz andere, als die, ein Buch zu lesen. Wichtig sei, bei Kindern auch die Fähigkeit zu fördern, sich auf ein einzelnes Thema zu fokussieren und sich damit über einen Zeitraum von mehr als einer Stunde zu konzentrieren. Lesen bedeute für ihn auch, seinen Platz in der Gesellschaft zu finden.

Bei aller Wichtigkeit der verschiedenen Themen kristallisierte sich letztlich eine sehr einfache Erkenntnis heraus: Kinder wachsen heute mit den digitalen Medien auf und sie wissen sehr genau, was sie wollen und was nicht. Es werden folglich nur die (Bildungs-)Verlage überleben, die sich sowohl in der Wahl der zur Verfügung stehenden Medien als auch in der Wahl der Inhalte diesen Bedürfnissen anpassen.

15. Oktober 2009 um 13:46 Uhr von Susanne

Enterprise 2.0: Neuer Trend im Information-Business

Festrednerin Janice R. Lachance

Festrednerin Janice R. Lachance

Auf der Buchmesse dominiert die Information zwischen zwei Buchdeckeln. Im unternehmerischen Alltag sieht das jedoch häufig anders aus. Die meisten Information werden mittlerweile elektronisch hergestellt.

“Die elektronische Information wächst, und zwar rasant”, so Hanns Köhler-Krüner in seinem launigen Eröffnungsvortrag der diesjährigen DGI-Online-Tagung im Rahmen der Buchmesse.

“Generation International - Die Zukunft von Information, Wissenschaft und Profession” ist diesmal das Thema und klar ist, dass die nachrückende Generation diese Zukunft kräftig mitgestalten wird.

Die junge Generation, zitiert Köhler-Krüner (Global Services EME)  aus einer internationalen Studie, möchte im Unternehmen die gleichen Möglichkeiten haben wie im Privatleben. Also sich in sozialen Netzwerken bewegen, twittern etc.

Deshalb müssen sich alle Information Professionals - und vermutlich auch viele andere - ein neues Kürzel merken. Nämlich ECM, was für Enterprise Content Management steht. Natürlich gibt es bereits auch Enterprise 2.0, eine Social Media Technologie, die “sehr, sehr wichtig” ist und zurzeit in den USA viel diskutiert wird.

Dass ECM jedoch mehr als eine Technologie ist und wie Menschen damit arbeiten können, ist eines der Thema, das die Teilnehmer der Konferenz noch bis einschließlich Samstag beschäftigen wird.

Der Mensch und nicht die Profession stand auch im Mittelpunkt des Festvortrags von Janice R. Lachance. Die CEO der Special Librairies Association (SLA, USA) präsentierte die Ergebnisse einer SLA-Studie, die das Tatigkeitsfeld von Information Professionals unter die Lupe genommen hatte.  

Weitere Information zur DGI Online-Tagung gibt es auch am Stand der DGI in Halle 4.2, K 434 oder auf der DGI-Website.

  

15. Oktober 2009 um 10:34 Uhr von Katrin

Buchmesse-Webseite in der Tasche

Rasche Meldung in eigener Sache:

Falls jemand den mobilen Download der Katalogdaten für Handy und PDA dieses Jahr vermissen sollte: Pünktlich zur Buchmesse wurde eine für mobile Geräte optimierte Webseite eingerichtet, speziell angepasst u.a. für IPhone, Blackberry, Google-Android OS…

Informationen über Kindergarten und Kartenverkauf, Pendelbusse und Parkplätze, Buchverkauf und Bahnverbindungen direkt aufs Handy: m.buchmesse.de 

14. Oktober 2009 um 19:04 Uhr von Susanne

Geschäft mit E-Books ist zukunftsträchtig

Umsatzzwerg mit Wachstumspotenzial

Umsatzzwerg mit Wachstumspotenzial

In den USA hatte der Kindle einen richtigen Hype ausgelöst, jetzt soll das E-Book-Lesegerät weltweit auf den Markt kommen. Schwappt die Welle nun über den Atlantik und wie nachhaltig ist sie eigentlich? Antworten auf diese Frage gab es heute bei der Pressekonferenz des Arbeitskreises Elektronisches Publizieren im Börsenverein (AKEP), der die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage zum Thema E-Book vorstellte.

Das Ergebnis ist eindeutig. E-Books sind kein überschätztes Medium, sondern ein Markt der Zukunft. “Derzeit sind E-Books noch Umsatzzwerge, allerdings Zwerge mit Wachstumspotenzial”, so Hans Huck, Sprecher des AKEP.  

Die Umfrage, an der 318 Verlage und Medienunternehmen teilgenommen haben, dokumentiert auch: 37 Prozent aller Novitäten sind bereits als E-Book erhältlich, entweder ausschließlich digital oder zusätzlich zum gedruckten Buch.

Völlig uneinheitlich und offen hingegen ist noch die Preisgestaltung für E-Books, so ein weiteres Ergebnis. Eine der Fragen, die noch geklärt werden müssen, damit aus den Zwergen tatsächlich Umsatzriesen werden (können).

14. Oktober 2009 um 15:31 Uhr von Susanne

Chinas digitale Elite stellt sich vor

Chinas digitale Elite

Chinas digitale Elite

Sie sind jung, sie sind smart und sie gehören zu Chinas digitaler Elite. Der eine (auf dem Foto links) ist Xiaoqiang Hou, Chief Executive Officer Shanda Literature, der andere sein Starautor Zhang Wei.

Rund 800.000 Autoren arbeiten für die Onlineplattformen von Shanda, 30.000 bis 80.000 Seiten werden täglich neu veröffentlicht. Zhang Wei selbst lädt im Schnitt Tag für Tag rund 10.000 chinesische Zeichen in der Kategorie “Illusion & Phantasy” hoch.

Über den Erfolg der Autoren entscheiden vor allem die Leser, die die Häppchenliteratur seiten- und centweise bezahlen. Die besten Autoren werden von einem Redaktionsteam und aufgrund der Leserempfehlungen ermittelt und von Shanda unter Vertrag genommen.

Mit großer Offenherzigkeit legte Zhang Wei dar, wie sich sein Einkommen als Internetautor entwickelt hat, nämlich genauso rasant wie das Genre. 2004 habe er umgerechnet rund 1.500 Euro verdient, in diesem Jahr wird er vermutlich mehr als 240.000 Euro auf der Habenseite verbuchen können. Verständlich, dass sein Plädoyer für Onlineliteratur (und Shanda Literature) im Forum Innvation, wo das “Modell Shanda” vorgestellt wurde, so begeistert ausfiel.

Aber auch Xiaoqiang Hou - von seinem Kollegen, dem Rights Director Zhou Hongli - liebevoll als “Man of Innovation” vorgestellt -, ist vom Geschäftsmodell des chinesischen Erfolgsunternehmens im Bereich digitales Publizieren überzeugt. Der Gewinn wird mit den Autoren geteilt, was ein sehr effizienter Weg sei, Menschen zum Schreiben fürs Internet zu bringen.

Ein weiteres Standbein seien Kooperation, außerdem beschränke sich Shanda Literature nicht darauf, Internetliteratur zu publizieren. Konzept sei viemehr, so Hongli, eine ganze Verwertungskette zu realisieren und zu monetarisieren: von digitaler über gedruckte Literatur zu Verfilmungen des Stoffes und seine Umsetzung als (Computer)spiel.

Shanda ist auch nach Frankfurt gekommen, um Kooperationspartner zu finden - und das Interesse im Forum Innovation an der Präsentation war auch ausgesprochen groß. Ob sich das digitale Erfolgsmodell à la China aber so einfach auf andere Buchmärkte (die anders strukturiert sind und anderen Gesetzen folgen) übertragen lässt, scheint Experten fraglich. Während im asiatischen Raum etwa Handyliteratur boomt, setzen westliche  Verleger (noch) auf E-Books als Zukunftsmodell. Spannend ist der Weg von Shanda Literature aber auf jeden Fall und einiges ist sicherlich auch in westlichen Ländern umsetzbar.  

Mehr über das Shanda Imperium gibt es hier.

13. Oktober 2009 um 19:23 Uhr von Susanne

Digitale Inhalte erfolgreich vermarkten

Mobil lesen

Mobil lesen

“Die Frage, wie wir mit digitalen Inhalten Geld verdienen können, treibt alle um”, sagte Buchmessen-Direktor Juergen Boos heute morgen bei der Eröffnungs-Pressekonferenz. Antworten auf diese Frage standen am Nachmittag auch im Mittelpunkt des diesjährige Rights Directors Meeting (RDM). Unter dem Motto ”Hitting a Moving Target - Making Money with Digital Content” wurden praxiserprobte Geschäftsmodelle mit digitalen Inhalten präsentiert.

Deutlich wurde nochmals, dass spätestens jetzt alle Verlage sich um das Thema kümmern müssen, um den Anschluss nicht zu verpassen. Denn das E-Book und die entsprechenden Lesegeräte scheinen sich im zweiten Anlauf tatsächlich durchzusetzen. “Das Potenzial ist ernorm”, betonte etwa Madeline McIntosh, die Amazons Kindle-Strategie vorstellte.

Auch der zweite Global Player Google empfahl sich als möglicher Partner für Verlage, die  digitale Inhalte an den Mann oder die Frau bringen wollen. 1,8 Milliarden Internetnutzer gibt es weltweit, “das ist Ihr Markt” rief Tom Turvey den Teilnehmern zu. Er stellte die so genannte Google Edition vor, als ein Online-Vertriebsweg für E-Books.

Kooperationen mit Amazon und Google sind jedoch nur zwei mögliche Wege, das sich ausbreitende digitale Universum mit Contenten unterschiedlichster Couleur zu erobern. Ein Belletristikverlag muss anders agiert als ein Wissenschaftsverlag, ein Kinderbuch- anders als ein Ratgeberverlag.

Jeder Verlag braucht jedoch eine digitale Strategie und ein (oder mehrere) zukunftsfähige Geschäftsmodelle. Denn die Digitalisierung wird weitergehen und vermutlich wird der Sprung vom heute modernen E-Book-Reader zu seinem futuristischen Nachfolger viel schnneller von statten gehen als der vom Walkman zum iPod.

20. Oktober 2008 um 12:18 Uhr von Monika

Was hängen bleibt

Der Tag danach. Luft holen, durchatmen, statt der Kamera-Akkus mal die eigenen aufladen, jede Menge Papier entsorgen … und ein persönliches Fazit ziehen.

Wie ist das nun mit dem elektronischen Lesen? Es hat sich einiges getan im Bereich der digitalen Lesegeräte. So richtig begeistern kann ich mich aber für keines davon. Am Kindle stört mich vor allem, dass man als Nutzer ungefragt an den Amazon Store gekettet wird. Der Sony Reader ist ganz schick, dass er aber nur via Synchronisation mit dem PC mit E-Books beladen werden kann, ist nicht wirklich zeitgemäß. Enttäuscht war ich vom Readius. Eigentlich gefiel mir die Idee eines “ausrollbaren” Displays, aber die Darstellung darauf war, im Vergleich zur elektronischen Tinte, mit der die Konkurrenz arbeitet, grottenschlecht. Aber all das wird vermutlich noch.

Komplett umsteigen aufs digitale Lesen kommt für mich nicht in Frage. Das liegt nicht nur im Stand der Technik oder am Konzept der Kundenbindung, sondern an einem grundsätzlichen Unbehagen: Ich mag einfach nicht neben Handy, iPod und vielleicht Notebook noch ein weiteres Gerät mit mir rumschleppen. Erst recht nicht, wenn es “nur” ein Reader ist. Sinnvolle weitere Funktionen müssten dazu kommen, wie ein brauchbare Notiz-Funktion mit Schrifterkennung, die es erlaubt, zum Beispiel in Konferenzen handschriftlich (und dennoch digital) zu protokollieren.

Ok, und das spielt natürlich auch eine Rolle: Lesen kann ich mir mit einem solchen Gerät durchaus vorstellen - schmökern nicht.

Und sonst? Vieles mehr habe ich gesehen, und noch viel mehr habe ich verpasst. Manche Termine sind wie von selbst geplatzt, weil ich auf dem Weg irgendwo hängengeblieben bin, andere Veranstaltungen habe ich wie geplant besucht, dann aber doch nichts darüber geschrieben, weil sie nichts Neues brachten. Was besonders hängen bleibt, sind die kleinen Begebenheiten am Rande. Renan Demirkan, die in Tränen ausbricht, als sie sagt: “Erst als ich keine Familie mehr hatte, habe ich gemerkt, wie wichtig sie ist. Und ich bitte euch, seid euch dessen vorher bewusst.” Die Frau, die auf den Papp-Müntefering zeigt und zu ihrem Begleiter meint: “Du, der kommt aus demselben Ort wie der Helmut.” Ein genervter Manfred Krug, der seine Interviewerin angrummelt: “Nun schreibe ich mal was anderes, und es ist Ihnen auch wieder nicht recht.” Ein kleiner, alter Mann, der zusammengesunken im Signierzelt sitzt, scheu lächelt und dann schwungvoll “Ernesto Cardenal” in ein Buch schreibt.

Zu guter Letzt gibt’s Bonus-Material:

Renan Demirkan über das Anderssein im eigenen Land, Kultur als Dialog und einen Wunsch von Marcel Reich-Ranicki:

Sven Regener liest aus “Der kleine Bruder”:

Rafik Schami liest nicht - er erzählt:

19. Oktober 2008 um 13:20 Uhr von Janni

Lasst euch nicht kleinkriegen!

Ivo Hartz ist ein Verlagsdienstleister und kam mit einer Reihe von “Denkanstößen im Vorübergehen” auf die Buchmesse. Denkanstöße, zum Beispiel für Buchhändler. Keine Angst vor Amazon & Co. heißt sein Kurzvortrag, den zu hören nur drei Leute an den Stand von eScriptum geführt hat. Aber Hartz spielt auch vor kleinem Publikum und liefert einen kurzen Abriss über veränderte Lese- und Kaufverhalten der Leser, die viel selbstverständliche Nutzung digitaler Medien und das Wachstum des Vertriebskanals Internet (laut GfK von 4,9% 2004 auf 8,9% in diesem Jahr).
Gleichzeitig führt er aber auch die Stärken des Sortiments an, die ein Onlinehändler so nicht imitieren kann. Lokale Verwurzelung, die Vorauswahl und das Profil der Buchhandlung, die persönliche Beziehung zum Kunden – das könnten Sortimenter jedoch durchaus ins Internet übertragen.
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18. Oktober 2008 um 17:32 Uhr von Janni

Ich kann was, was du nicht kannst. Neue Anforderungen für Verlagsmitarbeiter

Natürlich muss eine Veranstaltung Der AKEP präsentiert neue Berufsbilder im Verlag auch im Forum Zukunft stattfinden. Es ist Besuchertag und die vielen jungen Zuhörer könnten tatsächlich interessierte Auswärtige sein. (Zumindest wäre es zu schön, wenn das breite Fachprogramm dieser Messe nicht nur die Fachbesucher, sondern auch das “normale” Wochenend-Publikum erreicht.)

Bernd Zanetti, der Geschäftsführer der Akademie des Deutschen Buchhandels und der Leipziger Professor für Buchhandel/Verlagswirtschaft Dr. Ernst-Peter Biesalski von der HTWK sprechen über Bedarf in der Branche und Anforderungen an Verlagsmitarbeiter: “Die Aufgaben im Verlag sind komplexer geworden”, sagt Biesalski, “nicht nur was die Produktion von Verlagsprodukten betrifft, sondern auch die wirtschaftliche Betrachtungsweise.” Durch regelmäßigen Austausch mit Branchenvertretern stünden die Ausbildungsinhalte der buchwissenschaftlichen Studiengänge stets auf dem Praxis-Prüfstand. (more…)

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