Ehrengast

18. Oktober 2009 um 16:11 Uhr von Susanne

Von der Meinungsfreiheit und der Kraft des Volkes

Mo Li setzt sich für Meinungsfreiheit ein

Wie erwartet war es knüppelvoll im Forum Dialog, als es um die Tibet-Frage ging. “Tibet abgebloggt – Chinas Angst vor der Meinungsfreiheit” war der Titel der Veranstaltung, zu der die Tibet Initiative Deutschland eingeladen hatte.

Sie entpuppte sich als eine Diskussion, in der mit klaren Worten sehr differenziert mit dem Thema umgegangen wurde.

Die chinesische Schriftstellerin Mo Li, die wie ihr Kollege Fu Zhengming im Exil lebt, erzählte, dass sie in Internet ihre (ehemaligen) Landsleute über im Land zensierte Themen wie Dalai Lama und Tibet aufkläre. “Das ist mein Beitrag”.

Dalai Lama und Tibet stehen ganz oben auf der Liste der unliebsamen Worte, nach denen täglich mehrere zehntausend chinesische Zensoren u.a. Beiträge der chinesischen Bloggergemeinde (wie es heißt, inzwischen die Größte der Welt) absuchen. Auch Zhengming habe erst im Exil gemerkt, mit welchen Lüge (etwa über den Dalai Lama) er aufgewachsen ist.

Aber es wurde auch konstatiert, dass man als Chinese mittlerweile immer einen Weg finden würde, dass zu lesen, was man lesen möchte. Dr. Erich Follath, Diplomatischer Korrepondent des “Spiegel, hat beobachtet, dass viele Intellektuelle in China nicht mehr länger der offiziellen Parteilinie hinsichtlich dem Umgang mit Minderheit folgen. “Tibetischer Buddhismus ist fast eine Modeerscheinung bei chinesischen Intellektuellen geworden”.

Der Journalist analysierte sehr nüchtern die Logiken und Rücksichtnahmen auf der politischen Weltbühne in Bezug auf China und Chinas repressive Haltung gegenüber Minderheiten. Ebenfalls spannende Einblicke in die politische Welt kamen von Dr. Helga Trüpel, die Mitglied im Europäischen Parlament ist. Sie betonte, dass die eigene Werte hochzuhalten (auch) die Bereitschaft zu Konflikten bedeute. “Die muss man austragen”.

Kelsang Gyaltsen, Sondergesandter des Dalai Lama, der die tibetische Exilregierung im Ausland vertritt bestätigte, dass die Haltung der Großmächte sehr wichtig sei, wenn es um die Lösung der so genannten Tibetfrage gehe. Aber, so sein Plädoyer, das Volk können ebenfalls etwas bewirken. “Die Ereignisse vor 20 Jahren in Europa haben gezeigt, dass einfache Bürger die Kraft haben, Veränderungen zu bewirken”.

In Tibet ist es bereits die dritte Generation, die sich gegen die chinesische Unterdrückung erhebt. Es ist dem tibetischen Volk zu wünschen, dass nicht noch eine vierte und fünfte Generation kämpfen muss, bevor wenigsten eine real ausgeformte Autonomie Wirklichkeit werden kann. Denn um die Unabhängigkeit des Landes geht es wohl schon längst nicht mehr - auch das zeigte die gelungene Veranstaltung.

17. Oktober 2009 um 19:31 Uhr von Nina

Bilanz des Ehrengasts China

Abschluss-Pressekonferenz des Ehrengasts China

Abschluss-Pressekonferenz des Ehrengasts China

Damit habe Chinas Auftritt in Frankfurt viel erreicht - 2004 etwa waren die deutsch-chinesischen Literaturbeziehungen noch eine Einbahnstraße: Damals wurden 660 deutsche Lizenzen nach China vergeben, aber aus China nach Deutschland nur eine. Für das Staatsamt für Presse und Publikation (GAPP) war das damals ein Schock. Nicht zuletzt aus diesem Grund wurde die Entscheidung für Frankfurt getroffen - und seitdem strengen sich chinesische Verlage noch mehr an, Bücher zu publizieren, die international erfolgreich sein können. “Der Handel mit Lizenzrechten wird noch steigen” prophezeit Zhang Fuhai - der Frankfurter Auftritt Chinas habe den Boden dafür bereitet.

Dann fasste Zhang Fuhai zusammen: Mit rund 400 Veranstaltungen insgesamt und 150 angereisten Autoren sei der Auftritt für China sehr erfolgreich gewesen. Die Lesereisen und Veranstaltungen hatten ja schon im März in Leipzig begonnen. Das Wichtigste sei aber etwas anderes: “Seitdem wir Frankfurter Boden betreten haben, wünschen wir uns eines: in den Dialog mit den Medien zu treten.” Während das deutsche Publikum und die Leser China neugierig und unvoreingenommen begegnet seien, hätten die deutschen Medien manchmal Fehlinformationen verbreitet - “der Ehrengast sollte fair behandelt werden”, kommentierte dies Frank Wöllstein von der PR-Agentur WBCO. Zhang Fuhai fügte hinzu: “Es sind ja noch zwei Messetage - Zeit genug, noch mehr miteinander ins Gespräch zu kommen.”

Liu Zhenyun - Autor des Großstadtromans “Taschendiebe” - zog persönliche Bilanz des Ehrengast-Auftritts China

Liu Zhenyun

Liu Zhenyun

Der Autor Liu Zhenyun - dessen Roman “Taschendiebe” soeben ins Deutsche übersetzt wurde - zog ebenfalls Bilanz. Seit zwei Monaten lebt Liu Zhenyun im Rahmen der Veranstaltungsreihe “Deutschland und China - gemeinsam in Bewegung” in Dresden. Seine Erfahrung bei Lesungen - sei es in Japan, Polen, China oder Deutschland - sei: “Die Menschen lachen an den gleichen Stellen”. Die Messe sei ein Medium, das Menschen verbinde. Gelernt habe er außerdem in Deutschland, dass es nicht so einfach sei, auf einfache Fragen einfache Antworten zu bekommen. Als er einen Freund fragte, wie tief der Rhein sei, sagte dieser: Das hängt davon ab - ob Du mich morgens, mittags oder abends fragst.

Dass die Sicht auf Chinas Literatur und Kultur ebenfalls nicht einfach und eindimensional ist - sondern mindestens so vielfältig wie der Wasserstand des Rheins - hat der Auftritt in Frankfurt sicherlich gezeigt.

17. Oktober 2009 um 13:06 Uhr von Kathrin

Konstante Entwicklung - Halbzeitbilanz der Frankfurter Buchmesse 2009

Halbzeitbilanz: Pressegespräch mit Juergen Boos

Halbzeitbilanz: Pressegespräch mit Juergen Boos

“Wir sind sehr zufrieden mit dem bisherigen Verlauf der Buchmesse, und unsere Aussteller sind es auch.” Mit diesen Worten eröffnete Messedirektor Juergen Boos gestern das Pressegespräch zur Halbzeitbilanz nach den Fachbesuchertagen. Am Messe-Freitag waren 50.325 Fachbesuchern (Vorjahr:53.146) auf der Messe, die kumulierte Zahl der Messebesucher an den drei Fachbesuchertagen sank um 3,5 Prozent. “Die Stimmung auf der Messe ist konzentriert und gut”, so Boos. Die Fachbesucher-Veranstaltungen an den drei Messetagen waren auffallend oft ausgebucht, sei es die Reihe “Focus on Creative Content” oder die Reihe “Crossmedia - Neue Wege für Marketing und Kommunikation”.

Rund zwei Prozent weniger Ausstellungsfläche wurde in diesem Jahr vermietet, vor allem aus den angloamerikanischen Ländern war ein Ausstellerrückgang zu verzeichnen. Dafür ist ein Zuwachs bei anderen Ländern, beispielsweise aus Brasilien oder den arabischen Emiraten”, so Boos. Mit der Ausstellerentwicklung zeigte sich der Messedirektor zufrieden: Insgesamt 7.314 Ausstellern aus 100 Ländern (Vorjahr: 7.373) sind auf der diesjährigen Buchmesse vertreten. Einen Besucherzuwachs von nahezu zwölf Prozent verzeichnete das Literary Agents & Scouts Centre / LitAg am Donnerstag, im Vergleich zum Vorjahr. Bereits an den ersten zwei Tagen hatten 8.586 Fachbesucher im LitAg Lizenzgespräche geführt.

Auf die Frage eines Medienvertreters, ob das offizielle China und die chinesischen Dissidenten oder Aktivisten auf der Messe ins Gespräch miteinander gekommen seien, antwortete Juergen Boos: “Wir haben nicht erwartet, dass diese beiden Seiten Chinas in Dialog miteinander treten. Unser Ziel war es, den Messebesuchern einen möglichst vielschichtigen Blick auf China zu ermöglichen und sich ein eigenes Bild über das Land zu machen.” Dazu würden auch die rund 160 Bücher beitragen, davon rund 70 belletristische Werke, rund 30 Anthologien und rund 30 Kinderbücher, die im Rahmen des Ehrengastauftrittes ins Deutsche übersetzt werden.

Wichtigstes Thema der Frankfurter Buchmesse 2009 sei neben dem mit Spannung erwarteten Ehrengastauftritt China, der einen lebhaften Diskurs in den deutschen Feuilletons auslöste, der Bereich des Mobilen Publizierens, so Boos weiter. Ob Fachinformationen, Lehrmaterial oder auch Handynovellen - digitale Inhalte für mobile Geräte seien in Ländern wie Japan oder Südafrika längst etabliert - in Deutschland hingegen stellten sie einen Zukunftstrend dar. Vor allem im Bildungsbereich werde viel mit mobilen Inhalten experimentiert.

Im nächsten Jahr wird Argentinien sich als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse präsentieren - und damit den Blick auf die lateinamerikanische Literatur lenken. Wie groß das Interesse an diesem Land, seinen Literaten und seiner Kultur sei, zeigte die gestrige Pressekonferenz, an der mehrere Hundert Medienvertreter und Kulturschaffende teilnahmen.

16. Oktober 2009 um 14:32 Uhr von Susanne

Weibliches Publizieren à la Chinoise

Wang Fang machte Karriere in chinesischen Verlagswesen

Wang Fang machte Karriere im chinesischen Verlagswesen

Wer Erwartungen hat, kann enttäuscht werden. Diese einfache Weisheit hätte ich für mich beherzigen sollen, bevor ich ins Forum Dialog in Halle 6.1. eilte zu der Veranstaltung über “Bücherfrauen in China”.

Es hätte spannend werden können, denn mit Wang Fang, Vizepräsidentin des staatlichen Verlages FLTRP Peking, und Mary Chan, unabhängige Verlegerin und Buchhändlerin von mccmcreations Hongkong, hatten die Bücherfrauen zwei illustre Persönlichkeiten eingeladen, die zugleich noch in zwei sehr disperaten chinesischen Buchmärkten verortet sind - dem auf dem Festland und dem (freien) in Hongkong.

Ich hätte mir gewünscht, dass die beiden miteinander ins Gespräch gekommen wären. Vielleicht hätten sie dabei Gemeinsamkeiten entdeckt; denn Fang kann bei ihrer Arbeit in einem staatseigenen Verlag keinen großen Unterschied zu der Verlagen in anderen Ländern sehen. Oder sie hätten sich gestritten, was sicherlich auch spannend gewesen wäre. 

Aber so weiß ich nun nur, dass Frauen in chinesischen (Staats)Verlagen genauso viel verdienen wie ihre männlichen Kollegen, dass es bei FLTRP neben Fang zwei weitere Vizepräsidentinnen gibt, an der Spitze aber ein Mann ist (wie Fang mit einem mehrdeutigen Lächeln sagte). Und dass Chan an ihre Bücher glaubt, aber als “kleine” unabhängige Verlegerin genauso kämpfen muss, wie ihre Kolleginnen weltweit.

Irgendwie schade.

15. Oktober 2009 um 19:17 Uhr von Ulrike

“Über die große Mauer erreichen wir alle Ecken der Welt”

Stefan Niemann, Christoph Bartmann und Guo Ling diskutieren über die Internetnutzung in China

Stefan Niemann, Christoph Bartmann und Guo Ling diskutieren über die Internetnutzung in China

“Über die große Mauer erreichen wir alle Ecken der Welt” - so lautete 1987 die erste “Electronic Mail” aus China. Geschrieben wurde sie von dem deutschen Internet-Pionier Werner Zorn, und gesendet wurde sie von Peking nach Karlsruhe. Heute gibt es nach offizieller Berichterstattung 338 Millionen Web-User in China.

Mit diesen Informationen begann heute Mittag die Podiumsdiskussion “Zeitfragen - Zeitzeugen. Ein chinesisch-deutsches Gesprächsforum. Gesellschaft und Web” im Forum Dialog. Auf dem Podium saßen Guo Liang, Autor und Philosoph am Institut für Philosophie der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften in Peking, der langjährige Chinakorrespondent und heutige Abteilungsleiter für Ausland & Aktuelles beim NDR-Fernsehen Stefan Niemann sowie Christoph Bartmann vom Goethe-Institut München.

Ein deutscher Journalist habe erst vor kurzem zu ihm gesagt, dass es zur Zeit eigentlich nur zwei zentrale Themen auf der Welt gäbe: China und das Internet, berichtete Guo Liang. Hier habe man nun gleich beide Themen zusammen in einer Veranstaltung. Und tatsächlich sind die beiden Begriffe nicht zuletzt durch das Wort “Zensur” miteinander verknüpft. Wer über China spricht, gelangt zwangsläufig zur Zensur-Problematik und in der Folge zur Zensur der chinesischen Regierung im Internet.

Es wird aber während des Gesprächs der drei Experten recht schnell deutlich, dass die Wahrnehmung der Menschen in China zu den Nutzungsbeschränkungen des Internets eine andere ist, als die der westlichen Betrachter: natürlich lassen sich 30.000 “Internetpolizisten”, die die Inhalte des World Wide Web überwachen und die zahllosen gesperrten Web-Seiten nicht wegreden. Es ist nicht zu leugnen, dass Chatrooms auf bestimmte Schlüsselworte hin überwacht und dann auch gesäubert oder gar geschlossen werden, dass zu bestimmten Zeiten im Jahr, rund um “kritische Tage”, wie den Jahrestag des Tiananmen-Massakers die Kontrollen besonders scharf werden und die Anzahl der blockierten Seiten steigt. Aber: das Internet ist verfügbar, immerhin ein Viertel der Bevölkerung nutzt es, und wo es Verbote gibt, gibt es immer auch Möglichkeiten, diese zu umgehen. Ohne Frage verurteilen Journalisten, Autoren, Studenten und Wissenschaftler zu Recht die von der Regierung auferlegten Beschränkungen, und dennoch hat das Internet schon ein unvergleichlich großes Fenster zu Wissen und Information geöffnet.

Sowohl Stefan Niemann wie auch Guo Liang warnen vor der Vorstellung, dass das unzensierte Internet die demokratische Befreiung Chinas bedeute. Was sich ändern muss, muss sich zunächst in der realen Welt ändern, nicht in einer “digitalen Parallelwelt”.

Einmal mehr gewinne ich die Erkenntnis, dass allein der Blick von außen nicht die ganze Wahrheit ist. Nur wer den Umgang der Chinesen mit dem Internet in China erlebt hat, wer vielleicht auch gesehen hat, dass eine nicht unbeachtliche Zahl von Usern, das Internet nur aufruft, um sich beim Gaming die Zeit zu vertreiben, wer erfahren hat, dass die Inhalte der New York Times für viele Menschen wesentlich weniger wichtig sind, als regionale Nachrichten und wer auch denjenigen zuhört, die die Reglementierung von Gewalt und Pornografie im Internet nicht ganz verkehrt finden, kann eigentlich wirklich an der Debatte über die Internet-Zensur in China teilnehmen.

Veranstaltungen zum Thema Zensur hinterlassen immer ein etwas ungutes Gefühl und die Überzeugung, dass Veränderung notwendig ist. Ich merke jedoch auch, dass ich ein bisschen lächeln muss über die Findigkeit der Chinesen, die sich mithilfe von Proxyservern und anderen Mitteln, die nicht alle verraten wurden, ihren Weg durch’s Internet schon suchen - Zensur hin oder her!

15. Oktober 2009 um 19:11 Uhr von Susanne

Trendkonferenz: Bildung und Wirtschaft zusammen denken

Dr. Jiang Feng

Dr. Jiang Feng

guó qĭ zhù bù zôu xiàng shì chăng. Das war und ist eine gute Nachricht für alle, die mit China Geschäfte machen wollen. Für diejenigen, die des Chinesischen nicht kundig sind, hier die Übersetzung: Die Staatsbetriebe öffnen sich allmählich dem Markt.

Gefunden habe ich den Satz in einem Sprachführer für Geschäftsgespräche, der auf der “Trend Conference China and Germany: Economy and Education” auslag. “Eine ganz wichtige Veranstaltung”, wie Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse in seinem Grußwort hervorhob.

Seit einigen Jahren treibt die Frankfurter Buchmesse das Thema Bildung voran, nicht zuletzt weil Lesen eine Voraussetzung für Bildung ist und Bildung wiederum zu mündige Staatsbürgern führt.  

Die Keynotes boten einen Überblick über kulturelle und historische Grundlagen des Bildungsbegriffs in China und Deutschland. Dabei bekannte sich der Botschaftsrat Dr. Jiang Feng als Anhänger von Konfuzius. Für Feng war der chinesische Philosoph, der rund 500 Jahre vor unserer Zeitrechnung lebte, der erste “richtige Pädagoge Chinas”. Sein Kanon präge bis heute den chinesischen Bildungsbegriff mit.

Im Anschluss diskutierten Vertreter der chinesischen und der deutschen Wirtschaft und Politik über Bildungsanforderungen in unserer globalisierten Wirtschaft. Denn, so Feng, die globalen Probleme (wie Umweltverschmutzung etc.) können nicht von Ideen, sondern nur von hochqualifizierten Menschen gelöst werden.

15. Oktober 2009 um 15:39 Uhr von Kathrin

Literarische Liebeserklärung: Argentinien präsentiert sein Ehrengast Programm 2010

Argentinien als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2010 – die Aussicht auf die Begegnung mit dem traditionsreichen und überaus lebendigen Literaturland weckt hohe Erwartungen: Über 300 Journalisten und Literaturliebhaber fanden sich heute Morgen im Raum Europa ein, wo das Programm des zukünftigen Ehrengastes vorgestellt wurde.

“Argentinien ist für uns schon besetzt mit Erinnerungen, bevor wir es überhaupt angeschaut haben”, sagte Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse, auf der Pressekonferenz mit Bezug auf die bedeutenden Werke der internationalen Literaturgeschichte, die argentinische Schriftsteller und Intellektuelle wie Borges oder Cortázar geschrieben haben.

Das Jahr 2010 markiert für Argentinien auch den 200. Jahrestag seiner Unabhängigkeit: Der stellvertretende Außenminister des Landes, Victorio Taccetti, nahm das Datum zum Anlass, um an den Emanzipationsprozess Argentiniens zu erinnern und die Bedeutung von Büchern und Lesen für die Herausbildung eines kritischen Geistes hervorzuheben.

“Heute möchten wir unsere Komplexität, die reich an Konflikten, aber auch reich an Werken und Talenten ist, zum Ausdruck bringen”, so Magdalena Faillace, die Präsidentin des Organisationskomitees des Ehrengast-Auftritts (COFRA): “Wir möchten bei dieser Verlegermesse die junge, aber weitreichende Verlegertradition unseres Landes in Erinnerung rufen, das Mitte des 20. Jahrhunderts die erste Verlagsindustrie der iberoamerikanischen Gemeinschaft war”, führte Faillace aus. Und sie bot einen Vorgeschmack auf die Buch- und Autorenausstellung Argentiniens im kommenden Jahr, die Jorge Luis Borges und Julio Cortázar gewidmet sind: “Es wird ein großes Labyrinth sein, das älteste Symbol der Welt, das Osten und Westen verbindet, wo wir uns in der Vielfalt der Sprachen verlieren werden, um uns in der Einheit der “Sprache der Argentinier” und ihren sich wiederholenden Themen wiederzufinden.

Argentinien als Sehnsuchtsort von Literaten beschwor der Schriftsteller Mempo Giardinelli: “Argentinien wurde erträumt, bevor es existiert hat, und es wurde von Dichtern, Schriftstellern, Journalisten, Philosophen, Künstlern und Intellektuellen geträumt.”

Anlässlich der Ehrengastpräsentation 2010 hat das argentinische Außenministerium eine Übersetzungsförderung ins Leben gerufen: 124 Bücher von argentinischen Autorinnen und Autoren werden im Rahmen des SUR-Programms in zwölf Sprachen übertragen werden, mit dem Ziel, das Verständnis für die Schlüssel der argentinischen Literatur zu erleichtern

Wer sich schon jetzt auf den Ehrengast Argentinien einstimmen möchte, hat auf dieser Buchmesse Gelegenheit dazu: 30 Veranstaltungen finden bis Sonntag auf dem Messegelände und im Instituto Cervantes in Frankfurt statt, über 30 Autoren und Journalisten werden hier über ihre Literatur diskutieren, darunter Osvaldo Bayer, Mempo Giardinelli, Claudia Pineiro und viele anderen.

Das Veranstaltungsprogramm zu Argentinien im Überblick:

www.buchmesse.de/programm-argentinien

 

14. Oktober 2009 um 18:38 Uhr von Katrin

Aufruhr im Himmel

Peking-Oper auf der Buchmesse-Agora! 

 So steht’s im Veranstaltungsprogramm: „Der mit magischen Kräften ausgestattete Affenkönig Sun Wukong soll unter Kontrolle gebracht werden. So lässt ihn der Jadekaiser im Himmel den Pfirsichgarten verwalten und ernennt ihn zum „Himmelsgleichen Wesen”. Als aber Sun von der Königsmutter nicht zum Pfirsichbankett eingeladen wird, versetzt er den Himmel in Aufruhr.”

So hört’s sich an: Aufruhr im Himmel <<< hier klicken!

Und so sieht’s aus:

14. Oktober 2009 um 15:31 Uhr von Susanne

Chinas digitale Elite stellt sich vor

Chinas digitale Elite

Chinas digitale Elite

Sie sind jung, sie sind smart und sie gehören zu Chinas digitaler Elite. Der eine (auf dem Foto links) ist Xiaoqiang Hou, Chief Executive Officer Shanda Literature, der andere sein Starautor Zhang Wei.

Rund 800.000 Autoren arbeiten für die Onlineplattformen von Shanda, 30.000 bis 80.000 Seiten werden täglich neu veröffentlicht. Zhang Wei selbst lädt im Schnitt Tag für Tag rund 10.000 chinesische Zeichen in der Kategorie “Illusion & Phantasy” hoch.

Über den Erfolg der Autoren entscheiden vor allem die Leser, die die Häppchenliteratur seiten- und centweise bezahlen. Die besten Autoren werden von einem Redaktionsteam und aufgrund der Leserempfehlungen ermittelt und von Shanda unter Vertrag genommen.

Mit großer Offenherzigkeit legte Zhang Wei dar, wie sich sein Einkommen als Internetautor entwickelt hat, nämlich genauso rasant wie das Genre. 2004 habe er umgerechnet rund 1.500 Euro verdient, in diesem Jahr wird er vermutlich mehr als 240.000 Euro auf der Habenseite verbuchen können. Verständlich, dass sein Plädoyer für Onlineliteratur (und Shanda Literature) im Forum Innvation, wo das “Modell Shanda” vorgestellt wurde, so begeistert ausfiel.

Aber auch Xiaoqiang Hou - von seinem Kollegen, dem Rights Director Zhou Hongli - liebevoll als “Man of Innovation” vorgestellt -, ist vom Geschäftsmodell des chinesischen Erfolgsunternehmens im Bereich digitales Publizieren überzeugt. Der Gewinn wird mit den Autoren geteilt, was ein sehr effizienter Weg sei, Menschen zum Schreiben fürs Internet zu bringen.

Ein weiteres Standbein seien Kooperation, außerdem beschränke sich Shanda Literature nicht darauf, Internetliteratur zu publizieren. Konzept sei viemehr, so Hongli, eine ganze Verwertungskette zu realisieren und zu monetarisieren: von digitaler über gedruckte Literatur zu Verfilmungen des Stoffes und seine Umsetzung als (Computer)spiel.

Shanda ist auch nach Frankfurt gekommen, um Kooperationspartner zu finden - und das Interesse im Forum Innovation an der Präsentation war auch ausgesprochen groß. Ob sich das digitale Erfolgsmodell à la China aber so einfach auf andere Buchmärkte (die anders strukturiert sind und anderen Gesetzen folgen) übertragen lässt, scheint Experten fraglich. Während im asiatischen Raum etwa Handyliteratur boomt, setzen westliche  Verleger (noch) auf E-Books als Zukunftsmodell. Spannend ist der Weg von Shanda Literature aber auf jeden Fall und einiges ist sicherlich auch in westlichen Ländern umsetzbar.  

Mehr über das Shanda Imperium gibt es hier.

14. Oktober 2009 um 14:16 Uhr von Katrin

Die Autoren und die tanzenden Chefsekretärinnen

wOrtwechsel

Teilnehmer am wOrtwechsel-Experiment: Marcel Beyer, Jörg Magenau (Moderation), Rolf Lappert

Ich möchte die Veranstaltung, die mich heute mit dem Titel “Nachlese wOrtwechsel - Deutsch-Chinesische Literaturbegegnung” ins Forum Dialog gelockt hat, gerne umbenennen. Und zwar etwas sperriger in: “Begegnung deutschsprachiger Menschen, die Schriftsteller sind, mit China.”

Aufgebrochen waren Marcel Bayer und Rolf Lappert und einige weitere Autoren im Mai 2009 auf Einladung unter anderem des Literarischen Colloquiums Berlin, um als „sie selbst” - als deutschsprachige Gegenwartsautoren also - auf Tournee durch Chinas Universitäten zu gehen und dort Kulturtransfer zu leisten. Wovon sie heute aber auf der Buchmesse anschaulich berichteten, war vor allem der Impressionentransfer, den sie selbst in diesen zwei rasanten Wochen geleistet haben:

Wie viel verdienst du denn als Autor? +++ Sie erfuhren von der Faszination, die der Schriftstellerberuf auf die Chinesen ausübt. Unvorstellbar für die meisten, von dieser Tätigkeit leben zu können.

Konfliktpotenzial gesucht +++ Marcel Beyer: „Der eine ist dem anderen erstmal so fremd, dass einem gar nicht einfällt, worin der Konflikt überhaupt liegen könnte.”

Keine Lernroboter +++ Rolf Lappert beobachtete: Obwohl Chinas Bildungssystem von Pauken und Prüfungen dominiert wird, sind die chinesischen Germanistikstudenten, von denen die meisten Germanistikstudentinnen sind, sehr wohl in der Lage, lustig und unbeschwert einen deutschen Abend zu Ehren des Gastdozenten zu gestalten und dabei ausführlich zu kichern - unter dem wohlwollenden Blick ihrer Professoren.

Menuett der Chefsekretärinnen +++ Universitätsausbildung in China ist nicht gleich Universitätsausbildung anderswo: Hier werden Chefsekretärinnen nämlich mancherorts in westlichen Standardtänzen ausgebildet. Auch an Universitäten, die zu erreichen man erst einmal eineinhalb Stunden durch Reisfelder fahren muss (so geschehen um Nanjing).

Die Vorteile des Fremdseins +++ Sich bewegen in einem Umfeld, in dem keine Kommunikation und Orientierung durch Sprache möglich ist - Marcel Bayer kultivierte und genoss sein Fremdsein so richtig. Erst recht, weil er die allgegenwärtigen „Wellness für alle”-Slogans der Regierung hübsch finden konnte.

Mehr zum Experiment und dazu, inwiefern es gelungen ist: http://www.wortwechsel-china.info/

  Oben