Stars & Sternchen

18. Oktober 2009 um 18:53 Uhr von Kathrin

Der Schakal in der Küche: Chef Chakall erobert Frankfurt

Das Publikum isst ihm aus der Hand: Chef Chakall in Frankfurt

Ein leuchtender Turban und eine ordentliche Prise von trockenem Humor sind seine Markenzeichen. Sein Blick ist stechend und ein wenig irre - und trotzdem eroberte er die rund 100 Zuschauer in der Gourmet Gallery im Sturm. Der argentinische Koch Chakall und sein Sous-Chef Dario verwöhnten das Publikum heute mit einem ausgefuchsten Drei-Gänge-Menu - an dessen Zubereitung die Zuschauer mithalfen.

Er brauche immer Musik beim Kochen, sagt Chakall, während er frischen Thunfisch filettiert, und ruft dem Tontechniker zu “Lauter!”. Dann erschallen mitreißende Rhythmen in der Gourmet Gallery und Chakall und Dario legen spontan ein Tänzchen hin. Währenddessen gart das Dessert, ein fabelhafter Birnen-und-Polentakuchen, im Ofen. Der zweite Gang ist ein fein abgeschmecktes “Sea Bream in Vanilla Curry.

Bereits zum zweiten Mal kocht Chakall in der Gourmet Gallery, und er beweist erneut, dass er nicht nur ein begnadeter Koch, sondern auch ein talentierter Showmaster ist. Zwischendurch unterhalte ich mich mit Anrietta Pogany, deren “Eintagsküche” die Showküche in der Gourmet Gallery sponsert. “Jeder Koch bringt sein eigenes Messer und sein eigenes Salz mit”, erzählt sie. Die Zutaten für die Gerichte wurden regional eingekauft - in der Frankfurter Kleinmarkthalle: “Chef Wan und Chef Chakall waren zunächst etwas besorgt, ob sie alle Zutaten hier erhalten würden. Aber kaum hatten wir die Kleinmarkthalle betreten, begannen ihre Augen zu leuchten - und sie fanden alles, was sie brauchten.” Große Erleichterung vor allem bei Chef Wan: Sein Gewürzkoffer war auf dem Flug nach Deutschland abhanden gekommen.

Der Turban ist sein Markenzeichen

26 Veranstaltungen, darunter Kochshows und Diskussionen rund um Ernährung und Genuss, zogen ein interessiertes Publikum in die neue Gourmet Gallery in der Halle 5.0. Der Renner waren natürlich die Buchpräsentationen von Horst Lichter und Sarah Wiener, bei denen sich rund 200 Besucher um die beliebten Stars drängten. Auch die chinesische Küche war Thema in der Gourmet Gallery: Autorin Yu Zhang stellte ihr Buch “Buddha sprang über die Mauer” vor und gewährte damit einen überraschenden Einblick in die südchinesische Küche.

17. Oktober 2009 um 16:54 Uhr von Ulrike

“Ich hab’ keine Angst vor Klischees!” - Jan Weiler geht lieber in den Baumarkt als ins Sanitätshaus

Jan Weiler auf dem blauen sofa

Jan Weiler auf dem blauen sofa

Wenn man zu einem Interview mit Jan Weiler, dem Autor des Bestsellers “Maria, ihm schmeckt’s nicht!” geht, erwartet man, dass das witzig und unterhaltsam wird. Manchmal stellt sich in solchen Situationen ja heraus, dass die Leute selbst überhaupt nicht so lustig wie ihre Bücher sind, aber bei Jan Weiler wurde genau das geboten, was ich mir vorgestellt hatte!

Obwohl Weiler gerade ”Das Marcipane Kochbuch” veröffentlicht hat, gesteht er sofort, dass er gar nicht kochen könne. Er könne nur Milch aufschäumen und Karotten schnippeln. Das Kochbuch sei auch nicht der Beginn der totalen Ausschlachtung einer Figur oder eines Themas (”Ich will mit dem Marcipane-Thema jetzt kein “Diddl-Imperium” aufbauen!”) und eigentlich auch kein Produkt des allgemeinen Kochkults, sondern sei einfach aus den Rezepten entstanden, die in dem kleinen Restaurant ,das Weiler mit einem Freund betreibt, auf der Speisekarte stehen.

Natürlich kommt die Rede auch schnell auf Antonio, den “Star” seiner beiden Bücher über das Leben von und mit seinen italiensichen Schwiegereltern (”Maria, ihm schmeckt’s nicht!” und “Antonio im Wunderland”). Was denn sein Schwiegervater, das Vorbild für die Figur des Antonio, zum Erfolg von Weilers Büchern gesagt habe, fragt Moderatorin Miriam Böttger . “Er ist sehr stolz” erklärt Weiler, “- auf sich!” Zu Anfang habe er ihm darum immer stapelweise Freiexemplare der Bücher mitbringen müssen, damit er die an alle möglichen Leute verteilen konnte. Das habe sich dann aber immer recht schnell wieder normalisiert und sei nur jetzt zum Start des Kinofilms noch mal kurz aufgeflammt.

Eigentlich ist Weiler aber da, um seine im September erschienene Kolumnensammlung “Mein Leben als Mensch” vorzustellen. Jan Weilers Kolumnen handeln meist von den alltäglichsten Dingen, und damit ist auch gleich das Geheimnis ihres Erfolgs verraten. Denn die Leser finden sich in jeder seiner Kolumenen wieder. Ganz oft bekomme er Zuschriften, in denen die Leute ihm bestätigten, dass sie GENAU DAS, was er da beschreibt, selbst so erlebt haben, erzählt Weiler. Dass es ein Klischee sei, dass Männer Baumärkte lieben, störe ihn wenig, sagt Weiler. “Ich gehe selbst gerne in den Baumarkt, und dann schreibe ich das auch. Wenn ich das Klischee umgehen wollte und stattdessen sagen würde, ich gehe gerne ins Sanitätshaus, wär das einfach gelogen!”

Weiler erklärt, dass ein Kolumnist sich vor allem aus drei Quellen für seine Texte bediene: seine eigenen Erfahrungen, sein Umfeld, also Familie, Freunde, Bekannte und kleinen Zeitungsnachrichten. Der Nachteil dabei sei, dass man eigentlich rund um die Uhr arbeite, da man ständig beobachte und überlege, wie man diese oder jene Begebenheit verarbeiten könne. Das würde manchmal auch ein bisschen nervig für die Mitmenschen werden, gibt Weiler zu, z.B. für seine Frau, wenn die mit ihm schimpfe und immer Angst haben müsse, dass das dann in der nächsten Kolumne verarbeitet werde. Seine elfjährige Tochter habe ihn neulich schon beiseite genommen, und ihm eindringlich erklärt, dass sie gewisse Themen über sich auf keinen Fall in der nächsten Kolumne lesen wolle. Dass sie schlecht in Latein sei, könne er ruhig sagen, aber dass sie in Vincent verliebt sei, dürfe er auf gar keinen Fall schreiben, berichtet Jan Weiler freimütig dem Publikum!

So nah kämen seine fiktiven Figuren den realen Vorbildern aber sowieso nie, sagt Weiler abschließend. Ein bisschen Privatsphäre wolle man ja schließlich auch noch haben, und so würde er zum Beispiel auch nie über seinen Hund schreiben - das wäre ihm viel zu intim!

14. Oktober 2009 um 14:55 Uhr von Ulrike

Buchpreisträgerin Kathrin Schmidt auf dem Blauen Sofa

 

Kathrin Schmidt mit Wolfgang Herles auf dem blauen sofa

Kathrin Schmidt mit Wolfgang Herles auf dem Blauen Sofa

Nach der offiziellen Preisverleihung von gestern, beginnt für Kathrin Schmidt, Preisträgerin des Deutschen Buchpreises 2009, heute der Interview-Marathon auf den großen Gesprächsbühnen der Messe. Ich bin frühzeitig zur Bühne des Blauen Sofas zwischen Halle 5.1 und 6.1 gekommen, finde aber doch nur noch einen halben Sitzplatz, denn schon morgens um elf sind viele Besucher da, die die frischgebackene Buchpreisträgerin live sehen möchten.

Kathrin Schmidt hat den Deutschen Buchpreis für ihren Roman “Du stirbst nicht” erhalten. Darin geht es um die Geschichte einer Frau, die sich und ihre Sprache nach einer Hirnblutung und dem daraus folgenden Koma völlig neu finden und kennenlernen muss. Der Roman ist in weiten Zügen autobigrafisch, denn die Krankheitsgeschichte der Protagonistin ist auch die der Autorin. Sie selbst aber habe den Schicksalsschlag, der Anlass für das Buch war, gar nicht so stark als solchen empfunden, sagt die Autorin. Darum habe das Buch auch viele komische, satirische und ironische Seiten.

Man merkt, dass Kathrin Schmidt nicht jeden Tag vor großem Publikum auftritt und dass der Rummel, der plötzlich um ihre Person gemacht wird, neu für sie ist. Gleichzeitig strahlt sie aber auch eine große Ruhe und Gelassenheit aus. Sie freut sich über den Preis, ist aber noch mitten drin im Realisierungsprozess über das was nun kommt.

Hat sie die Krankheit verändert ?- Als Mensch mit Zielen und Wünschen und auch als Schriftstellerin, möchte ZDF Moderator Wolfgang Herles wissen. Sie sei schon immer ein eher gelassener, positiv denkender Mensch gewesen. Das habe ihr beim Weg zurück ins Leben sehr geholfen, antwortet die Autorin. Jetzt sei sie vielleicht noch ein bisschen entspannter, was z.B. Konflikte in der Familie betrifft, aber wirklich depressiv sei sie auch in der schwersten Phase der Krankheit nicht gewesen. Für die Schriftstellerin in ihr sei vor allem das Wiederfinden der Wörter von größter Bedeutung gewesen. Früher hingen diese aufgereiht an einer Leine, sagt sie, und sie habe sie nur zusammensetzen müssen. Heute versteckten sich alle Wörter in tiefen Spalten, aus denen sie sie, auch jetzt noch, immer erst herausholen müsse. Ihr Mann kommentiere dies allerdings nur mit der Aussage: “Du bist doch nur normal geworden!” verrät Schmidt lachend. Und nachdem sie zuvor vor allem Lyrisches und weniger Populäres geschrieben hatte, fand eine ihrer Töchter, dass das doch nun endlich mal ein Buch sei, das jeder lesen könne!

“Normal” ist nicht nur ein Wort, das mehr als einmal während des Interviews auftaucht, sondern auch die Empfindung, die man selbst gegenüber Kathrin Schmidt hat. Die Wiedervereinigung, die in ihrem Buch auch thematisiert wird, habe vor allem Normalität für die Menschen in der ehemaligen DDR gebracht, normal findet ihr Mann ihr Suchen nach Worten, ihr jetziges Buch ist laut ihrer Tochter endlich mal für normale Leute geschrieben und normal ist auch Kathrin Schmidt. Und zwar im allerbesten Sinne des Wortes: unaufgeregt, gelassen, offen und verbindlich. Geht ja auch gar nicht anders, sagt sie, “Ich bin Mutter von fünf Kindern, stehe morgens früh auf und habe schlicht keine Zeit größenwahnsinnig zu werden. Vielleicht wenn mal das letzte Kind aus dem Haus ist …!?” Niemals, denke ich und gehe mit einem sehr sympathischen Bild von der Buchpreisträgerin 2009 zum nächsten Termin.

18. Oktober 2008 um 17:30 Uhr von Monika

Sarah Wiener grüßt mich nicht mehr

Um das gleich mal klarzustellen: Ich bin ein Fan von Sarah Wiener. Ich seh sie gerne kochen, ich mag ihr Bewusstsein für frische, gesunde Lebensmittel, für ökologische Zusammenhänge und all das. Wäre der Begriff nicht so verschrien, dann würde ich sagen: Sarah Wiener kocht so wunderbar politisch korrekt.

Doch aller Verehrung zum Trotz muss ich heute sagen: Ich bin sehr enttäuscht. Denn Sarah Wiener grüßt mich nicht mehr. Obwohl ich ihr nichts getan habe!. Noch vor einem Jahr hatten wir uns bei unserer Begegnung am Heyne-Stand zur Begrüßung herzlich umarmt. Heuer sind wir uns schon drei Mal über den Weg gelaufen, und in ihrem Blick lese ich… nichts! Keine Wiedersehensfreude. Ja, wenn ich’s recht bedenke: nicht mal ein Wiedererkennen!

Es ist bitter. Aber die Wahrheit ist wohl: Prominente kennen nur Leute, die
a) selbst prominent sind oder
b) sich in einem einigermaßen vertraut wirkenden Dunstkreis von anderen Prominenten aufhalten und/oder
c) einfach so tun, als seien sie alte Bekannte.

Die kennen sich!

Kennen die sich? Oder tun die nur so?

Bei unserer Begegnung auf der Buchmesse 2007 trafen b) und c) zu. Ich saß auf einem Sofa an besagtem Stand und war in ein (echt, jetzt:) privates Gespräch mit einer bekannten Persönlichkeit vertieft. Plötzlich stand Sarah Wiener neben mir. Meine Lieblingsköchin! Ich sprang auf, machte einen Schritt auf sie zu und wollte etwas Kluges sagen. Stattdessen rief ich nur erfreut: “Hallo, Sarah!”

“Ach, hallooo!”, gab Sarah Wiener zurück, und eh ich mich versah, umarmte sie mich. “Wir kennen uns doch?”, fragte sie dann, wohl, um sicherzugehen. Ganz offensichtlich hatte die Situation, in der sie mich vorgefunden hatte, mich stante pede in diese “Wir-gehören-alle-zur-Familie”-Clique katapultiert. Und ich? Was tue ich, ich Doof? Ich bin ehrlich und sage, wenn auch leise und widerwillig gedehnt: “Naja, das ist nur zur Hälfte richtig”.

Hätte ich mal den Mund gehalten - oder einfach geblufft. “Wir haben doch letztens mal zusammen gekocht”, das hätte sie mir vielleicht sogar abgenommen. So aber hatte ich - das wird mir heute schmerzlich vor Augen geführt - unserer herzlichen Verbundenheit ein rasches Ende bereitet.

17. Oktober 2008 um 20:34 Uhr von Monika

Nichts anfassen!

Eigentlich wollte ich die Finger von Cordula Stratmanns ansteckendem Buch lassen. Viel zu gefährlich. Seitdem ich sie neulich im Fernsehen über das keimfördernde Milieu von feuchten Räumen habe warnen hören, betrachte ich meine Zahnbürste mit wachsender Skepsis. Was da auf den Borsten alles lauern könnte! Und nicht nur dort, auch an Handtüchern, unter Bettdecken und in Kopfkissen von Hotelzimmern … Nein, danke. Auf die Bekanntschaft mit den gesammelten Krankheitsherden der Hypochonderin Cordula S. kann ich gerne verzichten. Da wird man ja seines Lebens nicht mehr froh!

Cordula Stratmann ist entsetzlich müde. Was kann das nur sein?

Cordula Stratmann ist entsetzlich müde. Was kann das nur sein?

Und dann erwischt sie mich doch. Im Lesezelt, wo ich mir schon drei Programmpunkte zuvor eine gemütliche Sitzecke gesucht und mich mit Laptop niedergelassen habe, taucht sie auf dem Podium auf, zieht die Jacke aus, beschwert sich über Zugluft, zieht die Jacke wieder an und beginnt schließlich, einen perfiden Plan in die Tat umzusetzen. Sie infiziert das versammelte Publikum durch eine einzige Lesung aus “Ist dieses Buch ansteckend?” mit dem Stratmannschen Hypochondrie-Virus.

Eine Stunde später ist die Welt eine andere geworden. Tausende, abertausende Menschen halten sich hier auf, und sie alle sehe ich plötzlich in die hohle Hand niesen und anschließend Bücher, Tische, Stühle, Türgriffe berühren. Auf sämtlichen zugänglichen Flächen und Gegenständen höre ich kleine grüne Keimmonster boshaft kichern. Das unbeschwerte Schlendern durch die Hallen - vorbei. Der Griff in eine Schale mit Keksen - passé. Nur mit äußerster Mühe zwinge ich mich, die Tür zur Toilette nicht mit dem Fuß aufzustoßen. Im Patio, einem Lokal im Forum Film & TV, trinke ich einen Kaffee, sehe Petra Gerster am Nachbartisch in aller Ruhe speisen und will mich gerade einigermaßen beruhigt zurücklehnen, da fällt mein Blick auf ein Reiskorn auf dem nicht ganz akkurat abgewischten Tisch. Und das einzige, das schlimmer ist als das Grübeln darüber, woraus es wohl auf diesen Tisch gefallen sein mag, ist der Gedanke daran, dass dies womöglich gar kein Reiskorn ist …

Ich muss also dringend warnen: Das Anhören dieser beiden Ausschnitte aus Cordula Stratmanns Lesung kann fatale Nebenwirkungen haben. Ich geh mich jetzt auskurieren.

Cordula Stratmann hat eine schlaflose Nacht im Hotel hinter sich:

Cordula Stratmann hat sich sowas von erkältet:

17. Oktober 2008 um 18:15 Uhr von Alina

Roland Koch

steht am Kiwi-Stand und zwar dort, wo ein Sat1-Team ein Interview mit mir aufnehmen möchte. Alles ist schon aufgestellt und ausgeleuchtet und wartet darauf, dass der geschäftsführende - wie das so schön heißt - Ministerpräsident sich wegbewegt. Macht er aber nicht. Kann man ihn nicht einfach bitten beiseite zu gehen? Offenbar nicht. Das Sat1-Team verliert die Geduld und möchte gehen. Aber nicht mit uns. Rasch werden meine Bücher in ein anderes Regal gestellt, wo der Landesvater nicht davor steht. Und es wird ein spannendes Interview, bei dem ich mehr nachdenken muss als sonst, weil Fragen kommen, die mich noch niemand gefragt hat.

17. Oktober 2008 um 13:09 Uhr von Monika

Unter Trauben

Klumpenbildung gehört zu den üblichen Erscheinungen auf der Buchmesse. Wo auch immmer jemand in ein Mikrofon spricht, etwas in ein Buch schreibt oder vor einer Kamera posiert, gerät die Karawane ins Stocken, und aus Menschen werden Trauben. Wer sich gezielt Termine ausgesucht hat und deshalb nicht willenlos von einer trägen Masse in die nächste schieben lassen möchte, muss strategisch vorgehen: Klumpengefahr frühzeitig erkennen, elegant umgehen und dabei dennoch nah genug herankommen, um - notfalls auf den Zehenpitzen stehend - mit einem schnellen Blick festzustellen, wer hier gerade in ein Mikrofon spricht, etwas in ein Buch schreibt oder vor einer Kamera posiert.

Grass ist Schuld

Grass ist Schuld

Die Geschichte dieser Strategie ist die Geschichte meines kläglichen Scheiterns. Nur mal kurz gucken - dieser eine, winzige Moment der Schwäche reicht aus, um meinen Terminkalender komplett durcheinander zu wirbeln. Eben gerade ist es mir wieder passiert, am Blauen Sofa am Übergang von Halle 5.1 zu Halle 6.1. Ich bleib nur kurz stehen, um mich zu orientieren, da rempelt mich ein Ellbogen an. Ich seh mich um, stelle fest, dass der Ellbogen zu Günter Grass gehört, der sich soeben seinen Weg zum Podium bahnt - und vergesse augenblicklich, wo ich eigentlich gerade hinwollte. Ich bin ja flexibel.

Und bringe euch natürlich was mit:

Audio: Günter Grass über die Finanzkrise, wendehalsige Politiker und lesende Banker.

17. Oktober 2008 um 10:45 Uhr von Monika

Gemischtes Doppel

Thadeusz und Westermann

Brieffreundschaft

Die Journalistin Christine Westermann und der Journalist Jörg Thadeusz haben sich Briefe geschrieben.

Klingt ziemlich unspektakulär, ist es im Grunde auch. In “Aufforderung zum Tanz” geht es um nicht mehr und nicht weniger als das Leben, gesehen von zwei Menschen in unterschiedlichen Lebensphasen, die sich kennen, sich und ihre Arbeit gegenseitig schätzen - und dennoch eine gewisse Scheu voreinander wahren.

Audio: Christine Westermann und Jörg Thadeusz über ihre Brieffreundschaft, über Altersunterschiede - und wie wenig Bedeutung sie haben.

16. Oktober 2008 um 16:51 Uhr von Janni

Jetzt! Gorbatschow bei Random House

Heute morgen hab ich’s angemerkt; damit gerechnet, dass ich ihn tatsächlich sehe, habe ich aber nicht. Jetzt sitze ich mit der Barcelona-Fraktion meiner Berufsschulklasse (und da sag noch einer, Buchhändler hätten keine Perspektiven… ;-) ) am Stand von Random House und plötzlich kündigen Riegen von Beschützern ihn an: mit Michail Gorbatschow begegnet mir ein unhinterfragter Held meiner Kindheit, und meinen wirklich grottigen Handy-Kamera-Schnappschuss möchte ich mit Ihnen teilen…

Michail Gorbatschow unterwegs bei Random House

Michail Gorbatschow unterwegs bei Random House


PS: links mit roter Krawatte: Klaus Eck.

16. Oktober 2008 um 13:26 Uhr von Janni

Vor sechzig neunundfünfzig Jahren: Eine kurze Erinnerung an die Buchmesse im besetzten Deutschland

Im Konferenzraum des Pressezentrums gibt es jeden Morgen ein kleines Briefing mit Veranstaltungshinweisen und weiteren Infos rund um die Messe. Wo besonders interessante Besucher (heute zum Beispiel Michail Gorbatschow und der Außenminister des Vatikans) zu finden sind und welche Lesungen von Autoren des Ehrengastes Türkei wo stattfinden.

Vorhin gab es schon bei diesem Briefing besondere Gäste: unter anderem den Verleger und Journalist Dr. Manfred Droste, der als 21jähriger Germanistikstudent bei der ersten Buchmesse 1948 in der Frankfurter Paulskirche dabei war. Und mit einer lebhaften Schilderung des Ortes, der Menschen und der Bücher zu dieser Zeit in nur fünf Minuten eine ganz andere Zeit greifbar machte. Eine, die man sich heute kaum vorstellen kann, mit der als Symbol der deutschen Demokratie wieder aufgebauten Paulskirche inmitten des zerstörten Frankfurts. 

Der Messe ging eine viertätige Schriftstellerkonferenz voraus, zu der (ich konnte gar nicht so schnell mitschreiben!) neben Alfred Andersch, Kurt Marek, Henry Nanen, Ralf Dahrendorf, Rudolf Augstein, Alfred Döblin, Marie Luise Kaschnitz und Walter Jens noch fast 500 andere kamen… „die Konferenz sollte Frankfurt am Main als Buchstadt ins Blickfeld rücken, …denn die Buchstadt Leipzig in der Ostzone kam als Repräsentant des freien Geistes nicht mehr in Frage.“

Auf dieser Tagung und auf der dann im Herbst folgenden Messe habe man um zwei Positionen gestritten: die einen betrachteten die Literatur als „Labsal für die Seele“ und hofften, in Büchern das „verlorene Paradies“ wiederzufinden. Und die anderen, die in diesen Zeiten Schriftsteller als Kritiker sahen, die über das „hungernde Kind auf der Straße“ schreiben sollten.

Auch das, dass kritische Literatur überhaupt zur Debatte steht, kann ich mir heute schwer vorstellen.

Plötzlich fällt mir ein, dass ich einmal ein Buch von Stig Dagerman zu lesen begonnen habe. Der reiste nach dem Ende des Krieges durch die besetzten Zonen in Deutschland, sein Buch heißt „Deutscher Herbst – Reisereportage aus Deutschland 1946.“ Seine Außenansichten waren bemerkenswert nah an der Straße dran, an dem Leben der Deutschen. Sein Buch ist wohl zuletzt bei Suhrkamp herausgekommen, aber wer heute auf der Verlagshomepage den Autor sucht und dann auf den Link hinter Stig Dagermann klickt, findet…
Vielleicht lässt sich das Buch noch antiquarisch auftreiben. Ich sollte es zu Ende lesen.

Ach ja, nach Herrn Droste sprach der Mitinitiator des Gemeinschaftsstandes Books & Bites in Halle 3.0 (so richtig erklären, worum’s dort geht, brauche ich nicht, oder?).
Ob Herr Droste sich damals so etwas hätte vorstellen können, würde mich interessieren. Schade, die besten Fragen fallen einem manchmal viel zu spät ein.

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