Veranstaltungen

18. Oktober 2009 um 16:11 Uhr von Susanne

Von der Meinungsfreiheit und der Kraft des Volkes

Mo Li setzt sich für Meinungsfreiheit ein

Wie erwartet war es knüppelvoll im Forum Dialog, als es um die Tibet-Frage ging. “Tibet abgebloggt – Chinas Angst vor der Meinungsfreiheit” war der Titel der Veranstaltung, zu der die Tibet Initiative Deutschland eingeladen hatte.

Sie entpuppte sich als eine Diskussion, in der mit klaren Worten sehr differenziert mit dem Thema umgegangen wurde.

Die chinesische Schriftstellerin Mo Li, die wie ihr Kollege Fu Zhengming im Exil lebt, erzählte, dass sie in Internet ihre (ehemaligen) Landsleute über im Land zensierte Themen wie Dalai Lama und Tibet aufkläre. “Das ist mein Beitrag”.

Dalai Lama und Tibet stehen ganz oben auf der Liste der unliebsamen Worte, nach denen täglich mehrere zehntausend chinesische Zensoren u.a. Beiträge der chinesischen Bloggergemeinde (wie es heißt, inzwischen die Größte der Welt) absuchen. Auch Zhengming habe erst im Exil gemerkt, mit welchen Lüge (etwa über den Dalai Lama) er aufgewachsen ist.

Aber es wurde auch konstatiert, dass man als Chinese mittlerweile immer einen Weg finden würde, dass zu lesen, was man lesen möchte. Dr. Erich Follath, Diplomatischer Korrepondent des “Spiegel, hat beobachtet, dass viele Intellektuelle in China nicht mehr länger der offiziellen Parteilinie hinsichtlich dem Umgang mit Minderheit folgen. “Tibetischer Buddhismus ist fast eine Modeerscheinung bei chinesischen Intellektuellen geworden”.

Der Journalist analysierte sehr nüchtern die Logiken und Rücksichtnahmen auf der politischen Weltbühne in Bezug auf China und Chinas repressive Haltung gegenüber Minderheiten. Ebenfalls spannende Einblicke in die politische Welt kamen von Dr. Helga Trüpel, die Mitglied im Europäischen Parlament ist. Sie betonte, dass die eigene Werte hochzuhalten (auch) die Bereitschaft zu Konflikten bedeute. “Die muss man austragen”.

Kelsang Gyaltsen, Sondergesandter des Dalai Lama, der die tibetische Exilregierung im Ausland vertritt bestätigte, dass die Haltung der Großmächte sehr wichtig sei, wenn es um die Lösung der so genannten Tibetfrage gehe. Aber, so sein Plädoyer, das Volk können ebenfalls etwas bewirken. “Die Ereignisse vor 20 Jahren in Europa haben gezeigt, dass einfache Bürger die Kraft haben, Veränderungen zu bewirken”.

In Tibet ist es bereits die dritte Generation, die sich gegen die chinesische Unterdrückung erhebt. Es ist dem tibetischen Volk zu wünschen, dass nicht noch eine vierte und fünfte Generation kämpfen muss, bevor wenigsten eine real ausgeformte Autonomie Wirklichkeit werden kann. Denn um die Unabhängigkeit des Landes geht es wohl schon längst nicht mehr - auch das zeigte die gelungene Veranstaltung.

18. Oktober 2009 um 14:48 Uhr von Susanne

Fußball(spielen) fördert Lesen

Lesen lernen kann man auf vielfältige Weise. Matthias Eiles etwa, der heute beim DFB arbeitet und sich parallel seit Jahren  dem Fußballprojekt “Auf Ballhöhe” widmet, hat Lesen und Geografie (vor allem) über Fußball-Magazine gelernt, die er freiwillig verschlang.

Dass Lernen Spaß machen kann und nicht zwangsläufig mit sturem Pauken zu tun hat, zeigt auch das LitCam-Projekt “Fußball trifft Kultur”, das inzwischen an Schulen in Frankfurt, Hamburg und Berlin läuft und den heutigen Fußball-Vormittag in Halle 4 organisierte.

Im Rahmen des Projektes erhalten Kinder aus verschiedenen Jahrgangsstufen zweimal pro Woche zusätzlichen Förderunterricht und professionelles Fußballtraining. Ziel ist, das soziale und kommunikative Verhalten der Kinder zu fördern und ihre Kenntnisse der deutschen Sprache zu verbessern.

Kinder zum Lesen animieren könnte zudem das Fußballbuch “Auf Fallhöhe”, das Eiles zusammen mit Tim Thilo Fellmer geschrieben hat und das Uschi Heusel illustrierte. Geschmack auf das Buch, in dem Felix von einer Fußballreise nach Südafrika erzählt, machte eine kurze Lesung zum Auftakt der dreistündigen “Fußball trifft Kultur”-Session.

Mit von der Partie war auch ein leicht übermüdeter (weil junger Vater) “Mr. Ruhrgebietsfußball”, der im bürgetrlichen Leben Ben Redelings heißt, und sein neues Programm mit dem schönen Titel “Dem Fußball ein Zuhause” vorstellte. Außerdem ging es um “100 Jahre Borussia Dortmund” - die heute am späten Nachmittag zuhause ein Ruhrgebietsderby gegen den VfL Bochum zu bestreiten haben.

Kurzfilme zum Thema rundeten das Programm ab. In der niederländische Produktion „Yamila“ ging es um ein muslimischen Mädchen, das sein Talent für den Fußball entdeckt. Ein toller Film über Mädels und Fußball ist übrigens, für alle, die ihn noch  nicht kennen sollten) “Kick it like Beckham”.

Nach dem Abpfiff steht fest: Der Fußballvormittag war eine runde Sache.

18. Oktober 2009 um 13:35 Uhr von Susanne

Claudio Magris mit Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geehrt

Am Stand des Magris-Verlags Hanser in Halle 3

Der italienische Schriftsteller Claudio Magris ist heute mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet worden. Die Verleihung fand vor rund 1.000 geladenen Gästen in der Frankfurter Paulskirche statt, die Laudatio hielt der Historiker Karl Schlögel, der Magris als den Entdecker des „anderen Europa“ ins Zentrum seiner Rede stellte.

In seiner Dankesrede sprach Claudio Magris über die verborgenen Gesichter des Krieges. „Eine Grenze, die nicht als Durchgang, sondern als Mauer, als Bollwerk gegen die Barbaren, erlebt wird, bildet ein latentes Kriegspotenzial“, sagte Magris.

Während es in seiner Jugend die Grenze eine Mauer gewesen sei, um den Osten, das andere Europa, auszuschließen, so seien es heute andere Grenzen, die den Frieden bedrohen.

„Frieden versteht sich nicht von selbst. Er ist weder ein Geschenk der Natur, noch bloße Utopie“, sagte Gottfried Honnefelder, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, in seiner Begrüßung. „Wo er anzutreffen ist, entsteht er durch uns selbst als ein Resultat unserer Kultur.“ Wenn es ein Medium gebe, das für eine gelingende Kultur der Kulturenbegegnung maßgeblich sei, dann sei es die Sprache und die Literatur.

„Nichts ist so wichtig auf dem Weg zum Frieden wie die Kunst, Kulturen füreinander zum Sprechen zu bringen – so temporär und zerbrechlich ein Anfang auch immer sein mag“, so Honnefelder. Claudio Magris, der diesjährige Träger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels, sei als engagierter Dolmetscher und sprachmächtiger Interpret der Kulturen ein Mensch, der diese Kunst wahrhaft beherrsche.

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels vergibt seit 1950 im Rahmen der Frankfurter Buchmesse den mit 25.000 Euro dotierten Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

Mehr zur Preisverleihung gibt es auf dem Portal des Börsenvereins.

17. Oktober 2009 um 19:31 Uhr von Nina

Bilanz des Ehrengasts China

Abschluss-Pressekonferenz des Ehrengasts China

Abschluss-Pressekonferenz des Ehrengasts China

Damit habe Chinas Auftritt in Frankfurt viel erreicht - 2004 etwa waren die deutsch-chinesischen Literaturbeziehungen noch eine Einbahnstraße: Damals wurden 660 deutsche Lizenzen nach China vergeben, aber aus China nach Deutschland nur eine. Für das Staatsamt für Presse und Publikation (GAPP) war das damals ein Schock. Nicht zuletzt aus diesem Grund wurde die Entscheidung für Frankfurt getroffen - und seitdem strengen sich chinesische Verlage noch mehr an, Bücher zu publizieren, die international erfolgreich sein können. “Der Handel mit Lizenzrechten wird noch steigen” prophezeit Zhang Fuhai - der Frankfurter Auftritt Chinas habe den Boden dafür bereitet.

Dann fasste Zhang Fuhai zusammen: Mit rund 400 Veranstaltungen insgesamt und 150 angereisten Autoren sei der Auftritt für China sehr erfolgreich gewesen. Die Lesereisen und Veranstaltungen hatten ja schon im März in Leipzig begonnen. Das Wichtigste sei aber etwas anderes: “Seitdem wir Frankfurter Boden betreten haben, wünschen wir uns eines: in den Dialog mit den Medien zu treten.” Während das deutsche Publikum und die Leser China neugierig und unvoreingenommen begegnet seien, hätten die deutschen Medien manchmal Fehlinformationen verbreitet - “der Ehrengast sollte fair behandelt werden”, kommentierte dies Frank Wöllstein von der PR-Agentur WBCO. Zhang Fuhai fügte hinzu: “Es sind ja noch zwei Messetage - Zeit genug, noch mehr miteinander ins Gespräch zu kommen.”

Liu Zhenyun - Autor des Großstadtromans “Taschendiebe” - zog persönliche Bilanz des Ehrengast-Auftritts China

Liu Zhenyun

Liu Zhenyun

Der Autor Liu Zhenyun - dessen Roman “Taschendiebe” soeben ins Deutsche übersetzt wurde - zog ebenfalls Bilanz. Seit zwei Monaten lebt Liu Zhenyun im Rahmen der Veranstaltungsreihe “Deutschland und China - gemeinsam in Bewegung” in Dresden. Seine Erfahrung bei Lesungen - sei es in Japan, Polen, China oder Deutschland - sei: “Die Menschen lachen an den gleichen Stellen”. Die Messe sei ein Medium, das Menschen verbinde. Gelernt habe er außerdem in Deutschland, dass es nicht so einfach sei, auf einfache Fragen einfache Antworten zu bekommen. Als er einen Freund fragte, wie tief der Rhein sei, sagte dieser: Das hängt davon ab - ob Du mich morgens, mittags oder abends fragst.

Dass die Sicht auf Chinas Literatur und Kultur ebenfalls nicht einfach und eindimensional ist - sondern mindestens so vielfältig wie der Wasserstand des Rheins - hat der Auftritt in Frankfurt sicherlich gezeigt.

17. Oktober 2009 um 18:06 Uhr von Susanne

Internationaler Bildungskongress: Impulse für engagierte Lehrkräfte

“Wir sind sehr zufrieden”, sagt Karin Plötz, Gruppenleitung Bildung und Kooperationen bei der der Frankfurter Buchmesse. ”Der Kongress war ein Erfolg”. Zwei Tage lang haben sich rund 170 Lehrkräfte, Erzieher, Studierende und Bildungsverleger (und damit wieder mehr als im Jahr zuvor) mit dem Thema “Lernende Gesellschaft” beschäftigt.

Unter diesem Motto veranstaltete die Frankfurter Buchmesse gestern und heute gemeinsam mit der Robert-Bosch Stiftung, Lehrer-Online und Schulen ans Netz e. V.  im Rahmen des Schwerpunkts “Zukunft Bildung“ ihren nunmehr 4. Bildungskongress.

Gestern standen die Themen Wirtschaft und Bildung, Social Networking und Gewalt an Schulen auf dem Programm. Höhepunkt war die Podiumsdiskussion „Education in Flux“, in der es darum ging, wie sich die Ansprüche an und das Verständnis von Bildung verändern.

Heute wurden in verschiedenen Workshops neue Produkte, Ideen und Ansätze beim Lernen und Lehren diskutiert. In der Veranstaltung „Das Internet einmal anders” ging es etwa um grundlegende Techniken zur Beschaffung von Informationen aus dem Internet. Ein Trendthema. “Digitale Themen wurden grundsätzlich gut angekommen”, sagt Account-Managerin Katharina Ewald.

Die Organisator(inn)en hat besonders gefreut, dass sehr viele junge und engagierte Lehrkräfte den Kongress besucht haben. Also genau diejenigen, die an ihren Schulen mitentscheiden - und damit die Zukunft der Bildung hierzulande mitprägen.

Gelernt wird - wie jeder weiß - nicht nur an Schulen. Um den immer höher werdenden Ansprüchen gerecht zu werden, ist lebenslanges Lernen inzwischen zu einem der wichtigsten Themen unserer Zeit geworden. Kein Wunder, dass dann auch die Veranstaltung “Verlernen Sie das Lernen nicht” viele Interessierte anzog.

Zum Rahmen des Kongresses, der im kommenden Jahr seine Fortsetzung finden wird, wurden zudem die “Best European Schoolbook Awards 2009” verliehen. Ein Ziel des Preises ist es, herausragende Schulbücher und Lehrwerke bekannt(er) machen.

Der Award wird von der European Educational Publishers’ Group (EEPG), IARTEM (International Association for Research on Textbooks and Educational Media) und der Frankfurter Buchmesse vergeben.

17. Oktober 2009 um 16:54 Uhr von Ulrike

“Ich hab’ keine Angst vor Klischees!” - Jan Weiler geht lieber in den Baumarkt als ins Sanitätshaus

Jan Weiler auf dem blauen sofa

Jan Weiler auf dem blauen sofa

Wenn man zu einem Interview mit Jan Weiler, dem Autor des Bestsellers “Maria, ihm schmeckt’s nicht!” geht, erwartet man, dass das witzig und unterhaltsam wird. Manchmal stellt sich in solchen Situationen ja heraus, dass die Leute selbst überhaupt nicht so lustig wie ihre Bücher sind, aber bei Jan Weiler wurde genau das geboten, was ich mir vorgestellt hatte!

Obwohl Weiler gerade ”Das Marcipane Kochbuch” veröffentlicht hat, gesteht er sofort, dass er gar nicht kochen könne. Er könne nur Milch aufschäumen und Karotten schnippeln. Das Kochbuch sei auch nicht der Beginn der totalen Ausschlachtung einer Figur oder eines Themas (”Ich will mit dem Marcipane-Thema jetzt kein “Diddl-Imperium” aufbauen!”) und eigentlich auch kein Produkt des allgemeinen Kochkults, sondern sei einfach aus den Rezepten entstanden, die in dem kleinen Restaurant ,das Weiler mit einem Freund betreibt, auf der Speisekarte stehen.

Natürlich kommt die Rede auch schnell auf Antonio, den “Star” seiner beiden Bücher über das Leben von und mit seinen italiensichen Schwiegereltern (”Maria, ihm schmeckt’s nicht!” und “Antonio im Wunderland”). Was denn sein Schwiegervater, das Vorbild für die Figur des Antonio, zum Erfolg von Weilers Büchern gesagt habe, fragt Moderatorin Miriam Böttger . “Er ist sehr stolz” erklärt Weiler, “- auf sich!” Zu Anfang habe er ihm darum immer stapelweise Freiexemplare der Bücher mitbringen müssen, damit er die an alle möglichen Leute verteilen konnte. Das habe sich dann aber immer recht schnell wieder normalisiert und sei nur jetzt zum Start des Kinofilms noch mal kurz aufgeflammt.

Eigentlich ist Weiler aber da, um seine im September erschienene Kolumnensammlung “Mein Leben als Mensch” vorzustellen. Jan Weilers Kolumnen handeln meist von den alltäglichsten Dingen, und damit ist auch gleich das Geheimnis ihres Erfolgs verraten. Denn die Leser finden sich in jeder seiner Kolumenen wieder. Ganz oft bekomme er Zuschriften, in denen die Leute ihm bestätigten, dass sie GENAU DAS, was er da beschreibt, selbst so erlebt haben, erzählt Weiler. Dass es ein Klischee sei, dass Männer Baumärkte lieben, störe ihn wenig, sagt Weiler. “Ich gehe selbst gerne in den Baumarkt, und dann schreibe ich das auch. Wenn ich das Klischee umgehen wollte und stattdessen sagen würde, ich gehe gerne ins Sanitätshaus, wär das einfach gelogen!”

Weiler erklärt, dass ein Kolumnist sich vor allem aus drei Quellen für seine Texte bediene: seine eigenen Erfahrungen, sein Umfeld, also Familie, Freunde, Bekannte und kleinen Zeitungsnachrichten. Der Nachteil dabei sei, dass man eigentlich rund um die Uhr arbeite, da man ständig beobachte und überlege, wie man diese oder jene Begebenheit verarbeiten könne. Das würde manchmal auch ein bisschen nervig für die Mitmenschen werden, gibt Weiler zu, z.B. für seine Frau, wenn die mit ihm schimpfe und immer Angst haben müsse, dass das dann in der nächsten Kolumne verarbeitet werde. Seine elfjährige Tochter habe ihn neulich schon beiseite genommen, und ihm eindringlich erklärt, dass sie gewisse Themen über sich auf keinen Fall in der nächsten Kolumne lesen wolle. Dass sie schlecht in Latein sei, könne er ruhig sagen, aber dass sie in Vincent verliebt sei, dürfe er auf gar keinen Fall schreiben, berichtet Jan Weiler freimütig dem Publikum!

So nah kämen seine fiktiven Figuren den realen Vorbildern aber sowieso nie, sagt Weiler abschließend. Ein bisschen Privatsphäre wolle man ja schließlich auch noch haben, und so würde er zum Beispiel auch nie über seinen Hund schreiben - das wäre ihm viel zu intim!

17. Oktober 2009 um 14:50 Uhr von Susanne

Portfolio-Walk auf hohem Niveau

Fast wie auf dem Laufsteg

Fast wie auf dem Laufsteg

Sie haben Namen wie ”Abfuhr”, ”Kokon”, “Heterotopien”, “Nachtleben” oder ”Irdelen” und liegen auf einem langen weißen Tisch aus.

Hinter dem Tisch stehen Nachwuchs-Fotografen - zumeist Studierende und Absolventen entsprechender Studiengänge deutscher Universitäten. Davor flanieren diejenigen vorbei, die sich für die Portfolios, die sich hinter diesen Namen verbergen, interessieren. Aus welchen Gründen auch immer.

Einer der Fotografen auf dem Portfolio-Walk ist Robert Schlotter. Er hat seine Diplomarbeit mitgebracht - eine sehr künstlerische Schwarzweiß-Serie - und hofft auf “ein paar Kontakte in Richtung Buch”.

Die Fotodesignerin Hanna Witte, ein paar Schritte weiter, hat schon ein einige Visitenkarten von Interessierten sammeln können, bei denen sie sich nochmal melden darf. Präsentiert hat sie schon öfter, aber “so organisiert habe ich es noch nicht gemacht”.

Der vom neuen Zentrum Bild (Halle 4.1.) organisierte Nachwuchs-Fotografentag am heutigen Samstag kommt offenbar an. Insgesamt 28, von Hochschul-Professoren empfohlene, junge Fotografen präsentieren ihre Mappen in dem Portfolio-Walk, den Ute Noll (On Photography & Illustration) konzipiert hat.

Kontakte machen steht bei ihnen selbstverständlich im Vordergrund. Britta Isenrath von der HdK Bremen findet es jedoch auch interessant, sich die Portfolios der anderen anzusehen. “Das Niveau ist sehr hoch”, sagt sie anerkennend.

Hier geht’s zum gesamten Programm des Zentrums Bild.

17. Oktober 2009 um 14:22 Uhr von Susanne

Håkan Nesser: Ein charmanter Plauderer entzückt seine Leserschaft

Hakan Nesser auf dem Blauen Sofa

Håkan Nesser auf dem Blauen Sofa

Die Frage, wieviele Männer in Schweden ein paralleles Leben führen wie Herr Roos, ließ Håkan Nesser diskret unbeantwortet. Mehr noch: Er gab sie an sein Publikum weiter: “How many of you have a secret cottage in a wood?”.

Es gingen nicht wirklich viele Hände hoch. Dafür gab es einige Lacher. Was immer sie zu bedeuten hatten. Herr Roos jedenfalls, die ältliche Hauptfigur in Nessers neuem Roman “Das zweite Leben des Herrn Roos”, hat plötzlich die Chance bekommen, ein anderer zu werden - ohne dass es seine Gattin merkt, für die er eh nur noch “eher ein Möbelstück als ein lebendiger Mensch” ist. 

Aber man ahnt es schon. Ein solches Parallel-Leben, in dem zudem noch eine 40 Jahre jüngere Drogenabhängige eine entscheidende Rolle spielt - “no, no it’s not a Lolita-Story, they are just friends” - , kann nicht gut ausgehen. Auch nicht im Roman, weshalb aus dem ”Mainstream-Roman” irgendwann ein Krimi geworden sei.

Nesser ist ein guter Plauderer, der sich auf charmante Art darüber bewusst ist, dass das hier (auch) eine Werbeveranstaltung für seinen Roman ist. Und er weiß auch, dass er sich leisten kann, über den deutschen Schwedenkrimi-Hype zu spötteln. “Wenn Sie ein rotes Holzhaus auf dem Cover sehen, kaufen Sie das Buch, weil Sie denken: ‘Ah, das ist ein Schwedenkrimi’”.

Inspektor Barbarotti, der durch Herrn Roos seinen zweiten Fall zu klären hat, hat sich übrigens plötzlich in das Schriftstellerleben von Nesser geschlichen, als dieser gerade eine Schreibblockade hatte.

Der “begnadete Krimiautor”, wie ihn die deutsche Presse schon enthusiastisch betitelte, erzählt, dass er dann ins Gespräch gekommen sei mit Barbarotti. Sie scheinen sich gut verstanden zu haben. Denn B. wurde seine neue Hauptfigur. Die jedoch eine Bedingung stellte: Sie wollte nicht nur in einem Buch vorkommen.

Jetzt wird es es insgesamt fünf Barbarotti-Krimis geben. Der Inspektor dürfte damit zufrieden sein und Nessers Leserschaft vermutlich auch.

17. Oktober 2009 um 10:12 Uhr von Susanne

Mein größter Buchmessenwunsch

na ja es ist nicht nur einer, sondern es sind zwei Wünsche. Zum Einen würde ich mich gerne von einem Ort zum anderen beamen können, wie einst die bezaubernde Jeannie - statt von Halle 6 zu Halle 3 zu Halle 5 zu Halle 4 laufen zu müssen.

Zum Anderen fände ich es toll, wenn ich tatsächlich mehrere wäre. Dann würde eine Susanne Fachverlagsstände besuchen, die zweite Susanne würde sich nach Neuem in der spirituellen Literatur umsehen (damit ich noch gelassener werde), die dritte würde sich Promis an die Fersen heften, die vierte würde den ganzen Tag zu Lesungen gehen.

Und der vierten, fünften und sechsten würde auch noch was einfallen. Denn das Angebot ist so riesig, dass ich als ich leider nur einen Bruchteil wirklich wahrnehmen kann.

Aber jetzt ruft mein Terminplan, der heute u.a. eine Begegnung mit Håkan Nesser bereithält, auf die ich mich schon freue. Für alle Krimisfans: um 12 Uhr sitzt er auf dem Blauen Sofa und diesmal ich werde so früh hingehen, dass ich ganz dicht dran bin.

16. Oktober 2009 um 20:02 Uhr von Nina

Grass & Sommer: Geballte Energie trommelt und textet

Günter Grass und Baby Sommer

Günter Grass und Baby Sommer

Es war einmal ein Blechtrommler, der hieß Oskar, und sie nahmen ihm seinen Spielzeughändler… Es war einmal ein Spielzeughändler, der hieß Markus und nahm mit sich alles Spielzeug aus dieser Welt”…

 

Rund Fünf Meter vor mir auf der Bühne stößt der Free-Jazzer Baby “Günter” Sommer in ein Horn, wirbelt auf Trommeln, schlägt an Holzblöcken, rührt an ein großes goldenes hängendes Becken.

Neben ihm auf der Bühne spricht Günter Grass die berühmten Sätze aus der “Blechtrommel”. Vor 50 Jahren hatte Grass den Roman veröffentlicht und damit ein Stück Literaturgeschichte geschrieben. Nicht nur in Deutschland, weltweit: Helen und Kurt Wolff waren es, die mit ihrem Verlag Pantheon Books die “Blechtrommel” in die USA brachten - und von dort aus begann die Weltreise des Romans in über 52 Sprachen.

Baby Sommer

Baby Sommer

Zum Geburtstag der “Blechtrommel” - und zum 82. Geburtstag von Günter Grass - haben sich die beiden Rhythmus-Künstler zusammengefunden auf der Bühne, hier im großen Kino der Buchmesse. Die beiden strahlen geballte Energie aus. “Die schwarze Köchin ist da, sie ist da, sie ist da”. Bei diesen Worten - und Trommelschlägen - läuft es mir kalt den Rücken herunter. Die Performance der Beiden ist unwirklich, traumhaft, bewegend. Ein Blitzlichtgewitter umgibt die Künstler - fast die ganze Zeit drängen sich Fotografen und Kameras um sie.

Bereits Mitte der Achtziger Jahre hatten Grass und “Baby Sommer” unter dem Titel “Es war einmal ein Land” eine musikalische Lesung des Romans aufgenommen. Sie scheinen in einem ganz eigenen Rhythmus zu schwingen, und es ist ein Glücksfall, dass sie sich - der sächsische Trommler und der Danziger Autor - getroffen haben und seitdem immer wieder zusammen arbeiten. Und für mich war es ein Glücksfall, dass ich an diesem Buchmesse-Freitag mit dabei sein konnte.

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