Ein chinesisches Festmahl

Da sich während meines Chinabesuchs von morgens um acht bis Mitternacht ein Meeting ans andere reihte, blieb leider kaum Zeit zum Bloggen. Daher zunächst ein kurzer, stichwortartiger Überblick, Details werden nachgeliefert.
Mein Eindruck von der chinesischen Verlagsszene ist ein bisschen so, als würde man an einem chinesischen Bankett teilnehmen: Es ist ein bisschen fremd, ein bisschen vertraut und alles sieht so appetitlich aus, dass man nicht weiß, wo man anfangen soll. Pro Jahr werden in China rund 225.000 Bücher veröffentlicht – etwa genauso viele wie in den USA, wenn man die Titel mitzählt, die im Eigenverlag erscheinen – und es gibt rund 6.000 Verlage. Hier ein paar Informationen:
Verlage: Es gibt unabhängige und staatliche, jeder mit einem eigenen Programm. Die staatseigenen Unternehmen geben den Rahmen vor, die unabhängigen versuchen, an den Rändern eine Nische zu finden, in der sie arbeiten können. Die staatlichen Verlage beherrschen den Bildungsmarkt, der in einem Land wie China riesige Ausmaße hat. Den unabhängigen bringen vor allem Popkultur-Titel Erfolg, mit denen sie die jüngeren Leser beliefern. Einer der Verlage, mit dem wir sprachen, Zito Publishing, bringt sehr erfolgreiche illustrierte Reiseführer zu verschiedenen Regionen Chinas heraus – nicht etwa für Ausländer, sondern für Chinesen. (Chinesische Touristen stellen die am schnellsten wachsende Gruppe von Reisenden auf dem gesamten Planeten dar.)
Buchhandlungen: Staatseigene Buchläden tendieren zu einer gewissen Gleichförmigkeit (was keine Überraschung ist) und verfügen über ein ganz ordentliches Angebot. Die drei unabhängigen Buchhandlungen, die wir besuchten, O2Sun, The Bookworm (eine englischsprachige Minikette) und eine in der Nähe der Universität von Peking, betrachten sich selbst durchweg als Individualisten, die als gesellschaftliche Treffpunkte für Leser und Buchliebhaber fungieren. Sie stellen wahre Independent-Läden dar, nicht anders als die in den USA oder Europa. Die staatlichen Läden haben eine Atmosphäre, wie man sie auch in einer schäbigen Universitätsbuchhandlung in den USA finden könnte.
Autoren: Tja, das ist schon etwas schwieriger, denn ohne Chinesisch lesen zu können, kann ich die Qualität der Werke nicht angemessen beurteilen. Allgemein betrachtet, gibt es eine große Kluft zwischen den Generationen: Auf der einen Seite stehen diejenigen, die in den 80er- und 90er-Jahren geboren wurden und nur die Zeiten der Wirtschaftsreform erlebt haben – die sogenannte „Bailing Ho“-Generation. Auf der anderen Seite stehen die früher Geborenen, die sich an die Geschehnisse von 1989 erinnern und zum Teil sogar daran beteiligt waren. Die ältere Generation wirft den Jüngeren vor, sie würden sich nicht um politische Belange kümmern oder sich sogar davon distanzieren. Die jüngere Generation sagt dazu so gut wie gar nichts und produziert stattdessen Millionen über Millionen von Schriftzeichen in Form neuer Romane – die oftmals ins Internet gestellt werden. (Eine Online-Firma sagte uns, dass auf ihrer Website zur Selbstveröffentlichung von E-Books täglich 8.000 „Romane“ eingingen.)





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