Buchhandel/ Buchläden

26. Juni 2009 um 14:59 Uhr von Edward

Ein chinesisches Festmahl

mmmmhhh! Chinesisches Essen ist so vielfältig (und verwirrend) wie die chinesische Verlagsszene

Da sich während meines Chinabesuchs von morgens um acht bis Mitternacht ein Meeting ans andere reihte, blieb leider kaum Zeit zum Bloggen. Daher zunächst ein kurzer, stichwortartiger Überblick, Details werden nachgeliefert.

Mein Eindruck von der chinesischen Verlagsszene ist ein bisschen so, als würde man an einem chinesischen Bankett teilnehmen: Es ist ein bisschen fremd, ein bisschen vertraut und alles sieht so appetitlich aus, dass man nicht weiß, wo man anfangen soll. Pro Jahr werden in China rund 225.000 Bücher veröffentlicht – etwa genauso viele wie in den USA, wenn man die Titel mitzählt, die im Eigenverlag erscheinen – und es gibt rund 6.000 Verlage. Hier ein paar Informationen:

Verlage: Es gibt unabhängige und staatliche, jeder mit einem eigenen Programm. Die staatseigenen Unternehmen geben den Rahmen vor, die unabhängigen versuchen, an den Rändern eine Nische zu finden, in der sie arbeiten können. Die staatlichen Verlage beherrschen den Bildungsmarkt, der in einem Land wie China riesige Ausmaße hat. Den unabhängigen bringen vor allem Popkultur-Titel Erfolg, mit denen sie die jüngeren Leser beliefern. Einer der Verlage, mit dem wir sprachen, Zito Publishing, bringt sehr erfolgreiche illustrierte Reiseführer zu verschiedenen Regionen Chinas heraus – nicht etwa für Ausländer, sondern für Chinesen. (Chinesische Touristen stellen die am schnellsten wachsende Gruppe von Reisenden auf dem gesamten Planeten dar.)

Buchhandlungen: Staatseigene Buchläden tendieren zu einer gewissen Gleichförmigkeit (was keine Überraschung ist) und verfügen über ein ganz ordentliches Angebot. Die drei unabhängigen Buchhandlungen, die wir besuchten, O2Sun, The Bookworm (eine englischsprachige Minikette) und eine in der Nähe der Universität von Peking, betrachten sich selbst durchweg als Individualisten, die als gesellschaftliche Treffpunkte für Leser und Buchliebhaber fungieren. Sie stellen wahre Independent-Läden dar, nicht anders als die in den USA oder Europa. Die staatlichen Läden haben eine Atmosphäre, wie man sie auch in einer schäbigen Universitätsbuchhandlung in den USA finden könnte.

Autoren: Tja, das ist schon etwas schwieriger, denn ohne Chinesisch lesen zu können, kann ich die Qualität der Werke nicht angemessen beurteilen. Allgemein betrachtet, gibt es eine große Kluft zwischen den Generationen: Auf der einen Seite stehen diejenigen, die in den 80er- und 90er-Jahren geboren wurden und nur die Zeiten der Wirtschaftsreform erlebt haben – die sogenannte „Bailing Ho“-Generation. Auf der anderen Seite stehen die früher Geborenen, die sich an die Geschehnisse von 1989 erinnern und zum Teil sogar daran beteiligt waren. Die ältere Generation wirft den Jüngeren vor, sie würden sich nicht um politische Belange kümmern oder sich sogar davon distanzieren. Die jüngere Generation sagt dazu so gut wie gar nichts und produziert stattdessen Millionen über Millionen von Schriftzeichen in Form neuer Romane – die oftmals ins Internet gestellt werden. (Eine Online-Firma sagte uns, dass auf ihrer Website zur Selbstveröffentlichung von E-Books täglich 8.000 „Romane“ eingingen.)

24. Juni 2009 um 01:21 Uhr von Nina

Profitabel: Belletristik im Netz

Peggy Yuyu, CEO von Dandang, der chinesischen Version von Amazon

Peggy Yuyu, CEO von Dandang, der chinesischen Version von Amazon

 

Mit rund 340 Millionen Internetnutzern steht China weltweit an erster Stelle, 680 Mobiltelefonbesitzer sind auch nicht schlecht, und 32 Millionen Blogger kann man sich nur so vorstellen, dass die halbe Bundesrepublik im schreibfähigen Alter  bloggt und die andere Hälfte (hoffentlich) liest.  Das E-Meeting am dritten Tage der Reise war ein Augenöffner. Im Gehua Creative Center, einem massiven Neubau von unterkühlter Eleganz, stellten sich chinesische  Internetfirmen vor.  Dandang, und Youku kennen auch wir im Westen – ersteres wäre in etwa eine kleinere, rein nationale Variante von Amazon, zweiteres ein chinesisches Youtube mit weniger user-generated content, dafür mehr Profi-Videos (und dem großen Unterschied, wie Youku CEO Viktor Koo betont: Youku ist steht mit 250 Werbekunden kurz vor dem break-even, außerdem setzt die Video-Sharing Site  nur auf  ”sauberen Mainstream” – neben der Zensur spiele hier auch die Sorge um das Wohl des Werbekunden eine Rolle, so Koo)

 Shanda Literature Limited dagegen hingegen dürfte bei so manchen Verlegern und Verbandsleuten in Deutschland (und dem Rest der Welt) für Aufatmen sorgen: von wegen paid content ist tot – es lebe der paid content! Ausgerechnet mit Belletristik macht der junge CEO Xiaoqiang Hou Geld im Netz. Täglich stellen Autoren 8.000 Romane auf die Website ein, insgesamt stehen dort schon 400.000. Die Besten werden von einem Redaktionsteam und aufgrund von Leserempfehlungen ermittelt und von Shanda unter Vertrag genommen. Shanda sichert sich alle Nebenrechte inklusive digitaler Rechte (online, Games, Audio, mobile content, Film etc.), der Autor bekommt meist 50 Prozent am Gewinn.

Xiaoqiang Hou, CEO von Shanda Literature Limited

Xiaoqiang Hou, der CEO von Shanda Literature Ltd.

Der Umsatz kommt mit dem gewinnbringenden Verkauf von Rechten – Hollywood habe angeblich schon mehrmals angerufen, und Interesse an den saftigen Geschichten der Shanda-Autoren angemeldet. Außerdem zahlen die Leser: die erste Hälfte des Buches ist online kostenlos zu haben  - ist die Lust des Lesers dann geweckt, werden 3 RMB pro 1.000 Zeichen fällig.  Bislang stehen 1.400 Autoren unter Vertrag, einige davon verdienen bis zu 1 Mio. RMB (rund 100 000 Euro) pro Werk. Die erfolgreichsten Titel der Internetliteratur finden wieder den Weg zurück ins gute alte Buch und werden von Shanda gedruckt. Der Boom an Internetliteratur in China dürfte einmalig sein und kam 2008 erstmals massiv auf.

Eine eigener E-Reader à la Kindle ist auch in Arbeit und soll pünktlich zur Frankfurter Buchmesse fertig sein. Erst vor kurzem ist sich Shanda mit Penguin einig geworden – hunderte von englischsprachigen Titeln werden über die Shanda-Website ab jetzt ihre chinesischen Leser finden. Übrigens: in Frankfurt will Shanda auch nach deutschen Kooperationspartnern suchen…

23. Juni 2009 um 18:04 Uhr von Veronika

Atemberaubende Zahlen

Nicht nur „China Daily“ ist jeden Tag voll von Diskussionen über den „Green Dam“, mit dem ab 1. Juli das Internet geschützt werden soll vor unguten Seiten – Tester haben aber herausgefunden, dass die Software auch völlig unkritische Seiten abfängt und blockiert.

Bei den Rednern unseres E-Meetings im Beijing Art Center ist davon noch nicht die Rede: Es gibt hoch spannende Einblicke in die chinesische Internet-Community-Szene und deren Anbieter. Tencent feierte letztes Jahr seinen 10. Geburtstag und

Caitlyn Chen, Editor-in-chief bei Tencent

Caitlyn Chen, Editor-in-chief bei Tencent

stellt insbesondere QQ.com vor, deren erstes Produkt – das inzwischen bekannteste Social Network. Die Internetplattformen sind zu den größten in China herangewachsen – mit 934 Millionen registrierten Nutzern, von denen 41 Millionen aktiv sind. Die Zahlen muten auch bei den anderen Rednern atemberaubend an …
Mehr davon später … von dieser oder anderer Seite.

22. Juni 2009 um 23:46 Uhr von Edward

Viel Freude in der O2Sun-Buchhandlung

O2Sun Bookstore

O2Sun Bookstore

Auch wenn die Buchhandelskette „O2Sun“ es nicht auf eine Liste der sieben größten Buchhandlungen Chinas schaffen würde – und in China kommt es definitiv auf die Größe an – eindrucksvoll ist sie allemal. Die Kette verfügt über 30 Buchläden, die auf vier Städte im ganzen Land verteilt sind. Die Filiale, die wir besuchten, wurde 2003 eröffnet und befindet sich im Hauptgeschäftsviertel Pekings, nicht weit vom berühmt-berüchtigten CCTV-Tower des Architekten Rem Koolhaas.

Trotz ihrer bescheidenen Ausmaße – schätzungsweise rund 180 Quadratmeter über zwei Stockwerke – ist die Buchhandlung durchaus beeindruckend. Im Obergeschoss gibt es ein kleines Café mit Blick auf die Straße, das auch in Europa nicht fehl am Platz wirken würde. Die klaren Linien und die Beschilderung ließen mich an eine Mini-Filiale der japanischen Kinokuniya-Kette denken.

Der Manager, der uns herumführte, gab an, dass pro Tag etwa 2.000 Menschen in den Laden kämen, davon fünf Prozent Ausländer. Er wurde nicht müde zu betonen, dass die Geschäftsphilosophie in erster Linie darauf abziele, die „Freude am Lesen“ zu vermitteln – und tatsächlich standen an diesem Sonntagnachmittag, an dem wir die Buchhandlung besuchten, eine Menge Leute, allem Anschein nach überwiegend Frauen, vor den Bücherregalen und lasen.

Wie zu erwarten war, sind unter den Topsellern vor allem Wirtschaftstitel zu finden, die auch in der Auslage sehr stark vertreten waren. Literatur schneidet bei den Verkaufszahlen eher mäßig ab, obwohl sich Stephenie Meyers „Bis(s) zum Morgengrauen“ offenbar gut verkauft, ebenso wie „Was zu tun ist“ von Thomas L. Friedmann. Beide Bücher zählen zu den zehn meistverkauften Titeln der Buchhandlung.

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