
Teilnehmer am wOrtwechsel-Experiment: Marcel Beyer, Jörg Magenau (Moderation), Rolf Lappert
Ich möchte die Veranstaltung, die mich heute mit dem Titel “Nachlese wOrtwechsel - Deutsch-Chinesische Literaturbegegnung” ins Forum Dialog gelockt hat, gerne umbenennen. Und zwar etwas sperriger in: “Begegnung deutschsprachiger Menschen, die Schriftsteller sind, mit China.”
Aufgebrochen waren Marcel Bayer und Rolf Lappert und einige weitere Autoren im Mai 2009 auf Einladung unter anderem des Literarischen Colloquiums Berlin, um als „sie selbst” - als deutschsprachige Gegenwartsautoren also - auf Tournee durch Chinas Universitäten zu gehen und dort Kulturtransfer zu leisten. Wovon sie heute aber auf der Buchmesse anschaulich berichteten, war vor allem der Impressionentransfer, den sie selbst in diesen zwei rasanten Wochen geleistet haben:
Wie viel verdienst du denn als Autor? +++ Sie erfuhren von der Faszination, die der Schriftstellerberuf auf die Chinesen ausübt. Unvorstellbar für die meisten, von dieser Tätigkeit leben zu können.
Konfliktpotenzial gesucht +++ Marcel Beyer: „Der eine ist dem anderen erstmal so fremd, dass einem gar nicht einfällt, worin der Konflikt überhaupt liegen könnte.”
Keine Lernroboter +++ Rolf Lappert beobachtete: Obwohl Chinas Bildungssystem von Pauken und Prüfungen dominiert wird, sind die chinesischen Germanistikstudenten, von denen die meisten Germanistikstudentinnen sind, sehr wohl in der Lage, lustig und unbeschwert einen deutschen Abend zu Ehren des Gastdozenten zu gestalten und dabei ausführlich zu kichern - unter dem wohlwollenden Blick ihrer Professoren.
Menuett der Chefsekretärinnen +++ Universitätsausbildung in China ist nicht gleich Universitätsausbildung anderswo: Hier werden Chefsekretärinnen nämlich mancherorts in westlichen Standardtänzen ausgebildet. Auch an Universitäten, die zu erreichen man erst einmal eineinhalb Stunden durch Reisfelder fahren muss (so geschehen um Nanjing).
Die Vorteile des Fremdseins +++ Sich bewegen in einem Umfeld, in dem keine Kommunikation und Orientierung durch Sprache möglich ist - Marcel Bayer kultivierte und genoss sein Fremdsein so richtig. Erst recht, weil er die allgegenwärtigen „Wellness für alle”-Slogans der Regierung hübsch finden konnte.
Mehr zum Experiment und dazu, inwiefern es gelungen ist: http://www.wortwechsel-china.info/