09. Oktober 2009 um 14:01 Uhr von Nina

Nina Klein

Nina Klein

Nina Klein

Unter Kühen aufgewachsen im Allgäu, seither überzeugte Großstädterin mit einer Liebe für Kühe & Bücher. In Konstanz und Wellesley Geschichte und Deutsche Literatur studiert, Arbeit als Journalistin für Print und Radio, u.a. bei der “Welt”. Nach mehreren Jahren in Polen – u.a. als Leiterin des Deutschen Buchinformationszentrums (BIZ) Warschau – seit Anfang 2008 in der Pressestelle der Frankfurter Buchmesse tätig.

18. Oktober 2009 um 20:35 Uhr von Nina

Die Attraktion von Geheimbünden

Das heiß ersehnte "Verlorene Symbol" ist da....

Das verlorene Symbol ist da...

Das wohl meistgeklaute Buch der Messe ist Dan Browns “Verlorenes Symbol”. Der Roman wird als “erfolgreichstes Buch der Geschichte” gefeiert - der Lübbe Verlag ging mit 1,2 Millionen Exemplaren Auflage an den Start, und am Sonntag nachmittag durfte dann endlich auch am Stand verkauft werden. Was fasziniert die Leute bloss so an dem Buch, frage ich mich - und gebe zu, dass ich es noch nicht gelesen habe. Das tun viele Kritiker (Bücher nicht lesen und doch darüber schreiben). Da es auf der Messe auch nicht ganz so einfach ist, mal schnell einen Roman zu lesen, habe ich mich entschlossen, Experten zu befragen.

Vom Lübbe Stand gehe ich um ein paar Ecken und stehe vor dem Stroemfeld Verlag.

KD Wolff heftet sich den Roten Stern an

KD Wolff heftet sich den Roten Stern an

Was steckt hinter der Faszination mit Geheimbünden? Mit Freimaurern? Mit der Weltverschwörung?  ”Die Massen haben oft einen ziemlichen Knall” sagt der Stroemfeld - Verleger KD Wolff auf die Frage, warum Millionen Dan Browns Buch kaufen. Das Geheimnis ziehe an, und Geheimnisse stehen im Mittelpunkt des Romans.  KD Wolff kennt sich aus mit Geheimnissen und Geheimnistuern - er hat gerade ein Buch zu den Illuminaten, einem besonderen Bund von Freimaurern des 18. Jahrhunderts, herausgegeben - Stephan Gregorys “Wissen und Geheimnis: Das Experiment des Illuminatenordens”. “Alle Geheimbünde faszinieren - das Geheimnis selbst zieht an” sagt Lektor Alexander Losse. Das Buch von Gregory handle von der Frage, wie man Menschen überwachen kann und wie man Wissen so verteilt und streut, dass ein perfektes Kontrollsystem entsteht. KD Wolff ergänzt: “Nach Außen trugen die Illuminaten die Aufklärung in die Welt, nach Innen herrschte die vollkommene Kontrolle, um die Mitglieder in Schach zu halten.”

KD Wolff und Alexander Losse mit Gregorys "Experiment des Illuminatenordens"

Um welches Geheimnis ging es den Illuminaten denn, will ich wissen? Um innere, spirituelle Vervollkommnung, sagt Losse. Ja, und wie hat man sich das konkret vorzustellen? Da muss Alexander Losse grinsen. “Naja, sagt er: Das alles war nur ein großer Bluff.” Die Obersten der Illuminaten seien sich dessen stets bewußt gewesen - und hätten das angebliche “Geheimnis” stets nur als Mittel eingesetzt, um mehr Kontrolle zu erlangen über ihre Mitglieder.

Der Bluff der Illuminaten hat Tausende überzeugt - und angeblich die französische Revolution ausgelöst (so munkelt man jedenfalls, ohne belegbare Beweise). Der Bluff von Dan Brown fasziniert Millionen.

Aber vielleicht sollte ich das Buch doch erstmal lesen…

18. Oktober 2009 um 19:36 Uhr von Nina

Ablöse China/ Argentinien: Die GastRolle wird übergeben

Die EhrengastRolle

Die GastRolle hat einen hölzernen Kern - der die Buchmesse symbolisiert. Um den Kern herum legen sich jedes Jahr neue Ringe an - jeder Ring trägt einen Text des kommenden Ehrengasts. Dieses mal wurden Texte der Argentinier José Hernández und Jorge Luis Borges in schmalen Lettern auf das Plexiglas gedruckt.Die GastRolle ist so etwas wie ein Staffelstab, der von Jahr zu Jahr weitergegeben wird - von Ehrengast zu Ehrengast. Als heute um 15.30 Uhr im Forum China an Argentinien übergab, war zu spüren, wie emotional dieser Moment ist.
Juergen Boos sagte bei der Übergabe “Literatur muss die Gesellschaft zeigen, auch wenn es weh tut”. In den letzten Monaten, besonders aber an den letzten fünf Messetagen, seien wir “im Laufschritt durch Peking gelaufen und hätten die Menschen hinter den Büchern entdeckt”. Chinas Literatur - die oft brutalen Realismus aufweist - hat sich internationalen Lesern ein Stück weit mehr erschlossen.

Staffelübergabe 2009

Der Direktor des chinesischen Organisationskomitees Zhang Fuhai fasste nochmals zusammen, was der Frankfurter Auftritt bedeutete: “China hat eine vielfältige, bunte und vollkommen zufriedenstellende Messe hinter sich”. Dann dankte er den Deutschen dafür, dass sie China so warmherzig empfangen hatten. Magdalena Faillace, die Direktorin des argentinischen Organisationskomitees sagte: “Wir haben uns lange auf diesen Moment vorbereitet. Ich hoffe, wir werden dieser Rolle gerecht - es ist eine große Verantwortung und eine große Ehre”.

Der chinesische Schriftsteller Wang Meng und der argentinische Autor Osvaldo Beyer hatten zuvor kurze Ausschnitte ihrer Werke gelesen - jeweils in der Originalsprache.

17. Oktober 2009 um 19:31 Uhr von Nina

Bilanz des Ehrengasts China

Abschluss-Pressekonferenz des Ehrengasts China

Abschluss-Pressekonferenz des Ehrengasts China

Damit habe Chinas Auftritt in Frankfurt viel erreicht - 2004 etwa waren die deutsch-chinesischen Literaturbeziehungen noch eine Einbahnstraße: Damals wurden 660 deutsche Lizenzen nach China vergeben, aber aus China nach Deutschland nur eine. Für das Staatsamt für Presse und Publikation (GAPP) war das damals ein Schock. Nicht zuletzt aus diesem Grund wurde die Entscheidung für Frankfurt getroffen - und seitdem strengen sich chinesische Verlage noch mehr an, Bücher zu publizieren, die international erfolgreich sein können. “Der Handel mit Lizenzrechten wird noch steigen” prophezeit Zhang Fuhai - der Frankfurter Auftritt Chinas habe den Boden dafür bereitet.

Dann fasste Zhang Fuhai zusammen: Mit rund 400 Veranstaltungen insgesamt und 150 angereisten Autoren sei der Auftritt für China sehr erfolgreich gewesen. Die Lesereisen und Veranstaltungen hatten ja schon im März in Leipzig begonnen. Das Wichtigste sei aber etwas anderes: “Seitdem wir Frankfurter Boden betreten haben, wünschen wir uns eines: in den Dialog mit den Medien zu treten.” Während das deutsche Publikum und die Leser China neugierig und unvoreingenommen begegnet seien, hätten die deutschen Medien manchmal Fehlinformationen verbreitet - “der Ehrengast sollte fair behandelt werden”, kommentierte dies Frank Wöllstein von der PR-Agentur WBCO. Zhang Fuhai fügte hinzu: “Es sind ja noch zwei Messetage - Zeit genug, noch mehr miteinander ins Gespräch zu kommen.”

Liu Zhenyun - Autor des Großstadtromans “Taschendiebe” - zog persönliche Bilanz des Ehrengast-Auftritts China

Liu Zhenyun

Liu Zhenyun

Der Autor Liu Zhenyun - dessen Roman “Taschendiebe” soeben ins Deutsche übersetzt wurde - zog ebenfalls Bilanz. Seit zwei Monaten lebt Liu Zhenyun im Rahmen der Veranstaltungsreihe “Deutschland und China - gemeinsam in Bewegung” in Dresden. Seine Erfahrung bei Lesungen - sei es in Japan, Polen, China oder Deutschland - sei: “Die Menschen lachen an den gleichen Stellen”. Die Messe sei ein Medium, das Menschen verbinde. Gelernt habe er außerdem in Deutschland, dass es nicht so einfach sei, auf einfache Fragen einfache Antworten zu bekommen. Als er einen Freund fragte, wie tief der Rhein sei, sagte dieser: Das hängt davon ab - ob Du mich morgens, mittags oder abends fragst.

Dass die Sicht auf Chinas Literatur und Kultur ebenfalls nicht einfach und eindimensional ist - sondern mindestens so vielfältig wie der Wasserstand des Rheins - hat der Auftritt in Frankfurt sicherlich gezeigt.

16. Oktober 2009 um 20:02 Uhr von Nina

Grass & Sommer: Geballte Energie trommelt und textet

Günter Grass und Baby Sommer

Günter Grass und Baby Sommer

Es war einmal ein Blechtrommler, der hieß Oskar, und sie nahmen ihm seinen Spielzeughändler… Es war einmal ein Spielzeughändler, der hieß Markus und nahm mit sich alles Spielzeug aus dieser Welt”…

 

Rund Fünf Meter vor mir auf der Bühne stößt der Free-Jazzer Baby “Günter” Sommer in ein Horn, wirbelt auf Trommeln, schlägt an Holzblöcken, rührt an ein großes goldenes hängendes Becken.

Neben ihm auf der Bühne spricht Günter Grass die berühmten Sätze aus der “Blechtrommel”. Vor 50 Jahren hatte Grass den Roman veröffentlicht und damit ein Stück Literaturgeschichte geschrieben. Nicht nur in Deutschland, weltweit: Helen und Kurt Wolff waren es, die mit ihrem Verlag Pantheon Books die “Blechtrommel” in die USA brachten - und von dort aus begann die Weltreise des Romans in über 52 Sprachen.

Baby Sommer

Baby Sommer

Zum Geburtstag der “Blechtrommel” - und zum 82. Geburtstag von Günter Grass - haben sich die beiden Rhythmus-Künstler zusammengefunden auf der Bühne, hier im großen Kino der Buchmesse. Die beiden strahlen geballte Energie aus. “Die schwarze Köchin ist da, sie ist da, sie ist da”. Bei diesen Worten - und Trommelschlägen - läuft es mir kalt den Rücken herunter. Die Performance der Beiden ist unwirklich, traumhaft, bewegend. Ein Blitzlichtgewitter umgibt die Künstler - fast die ganze Zeit drängen sich Fotografen und Kameras um sie.

Bereits Mitte der Achtziger Jahre hatten Grass und “Baby Sommer” unter dem Titel “Es war einmal ein Land” eine musikalische Lesung des Romans aufgenommen. Sie scheinen in einem ganz eigenen Rhythmus zu schwingen, und es ist ein Glücksfall, dass sie sich - der sächsische Trommler und der Danziger Autor - getroffen haben und seitdem immer wieder zusammen arbeiten. Und für mich war es ein Glücksfall, dass ich an diesem Buchmesse-Freitag mit dabei sein konnte.

13. Oktober 2009 um 15:42 Uhr von Nina

Eröffnung der Buchmesse

13. Oktober 2009 um 13:49 Uhr von Nina

Podcast: 13.Oktober 2009

Frankfurter Buchmesse Podcast #1

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