
Cosplayerin auf der Agora
Die Überschrift sagt’s ja schon: Ich habe keine Ahnung von Cosplay, kenne KEINEN EINZIGEN Manga, aus dem die Figuren stammen, nach denen sich die Cosplayer verkleiden, und gehöre wohl auch eher zur Elterngeneration der Cosplayer, was hoffentlich eine gute (und auch meine einzige) Entschuldigung für diese Bildungslücke ist! Den folgenden Eintrag kann ich insofern auch ehrlicherweise nur der “Elterngeneration” empfehlen, denn der wahre Cosplay-Profi dürfte sich wahrscheinlich schlapp lachen oder zu Tode langweilen!
Ich bin also ziemlich unwissend, aber durchaus neugierig zum großen Finale der 3. Deutschen Cosplaymeisterschaften ins Congress Center der Messe gegangen. Klar, so ganz fremd war mir das alles nicht mehr, denn man sieht die Elfen, Trolle, Vampire und anderen Figuren, die ich nicht mal benennen kann, ja schon während der beiden Besuchertage auf dem ganzen Messegelände. Neu war für mich allerdings, wieviel Zubehör man sich schon fertig kaufen kann: Stofföhrchen aus Fellimitation, riesige anklebbare Trollohren aus Gummi, Kontaktlinsen mit allen nur denkbaren Pupillenformen, Kunsthaar in allen Farben des Regenbogens und natürlich falsche Zähne, schmieriges und weniger schmieriges Blutimitat, Hautkleber, Schminke und Mittel, mit denen man das Zeug irgendwann auch wieder abbekommt.
Im großen Saal, in dem die Preisverleihung stattfand, war jedenfalls eine riesen Stimmung, und ich kam mir etwas deplatziert vor, in meinem Buchmesse-Aufzug mit Bluse und Blazer! Die eigentliche “Show” bestand aus der Vorstellung der Teilnehmer, die mit ihren Kostümen in die Endauswahl gekommen waren. Jeder von ihnen durfte sich, bzw. die Figur, die er darstellte in ca. 2-3 Minuten in einer kleinen Darbietung, wahlweise mit Musik und/oder Filmeinspielung sowie mitgebrachten Requisiten (Schwerter, Dolche, goldene Äpfel, Schatztruhen …) vorstellen. Dabei waren nicht nur die extrem aufwändigen Kostüme beeindruckend, sondern auch die wirklich anspruchsvollen Kampfszenen, Gesangsstücke oder Tänze, die manche Teilnehmer einstudiert hatten.
Richtig stolz war ich, als ich dann feststellte, dass ich DOCH zwei der vorgestellten Figuren kannte: Es traten nämlich “Bernd das Brot” aus dem ZDF-Kinderkanal auf und Captain James Sparrow aus “Fluch der Karibik”. Und hätt’ ich’s nicht gewusst, hätte ich nicht gemerkt, dass das da unten auf der Bühne NICHT Johnny Depp ist. Das Gekreische in der Halle hätte bei dem echten Piraten-Darsteller aber kaum größer sein können!
Wer letztlich die Meisterschaften gewonnen hat, war für mich eigentlich gar nicht mehr so wichtig, denn ich fand alles toll. Ich wage gar nicht, mit vorzustellen, wieviel Zeit, Energie, Sorgfalt und Hingabe die Cosplayer in die Gestaltung ihrer Kostüme investieren. Manche waren sogar mit blinkenden Lampen und Glitzerleuchten ausgestattet, andere waren so groß und schwer, dass sie durch keine Bühnentür mehr passten und der Spieler sich kaum noch damit bewegen konnte, und alle waren so perfekt, dass sie wirklich aus einer fremden, fantastischen Welt zu stammen schienen.
Der Vollständigkeit halber sei’s hier aber trotzdem noch gesagt, wer in diesem Jahr die schönsten Kostüme anhatte und die beste Performance gezeigt hat:
Bei den Herren hat Andrei Soloview als Sasuke aus der Serie “Naruto” gewonnen. Er war derjenige mit der wirklich großartigen Kampfszene, die mir auch am besten gefallen hat. Bei den Damen konnte Daniela Barmetner als Sakura aus der Serie “Tsubasa - Reservoir Chronicle” mit einem wunderschönen Kostüm und einem ausdrucksvollen Tanz überzeugen. Herzlichen Glückwunsch!!