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Dr. Jing Bartz studierte Literatur, Pädagogik und Wirtschaft in Peking, Kiel und Leipzig. Seit Herbst 2003 ist sie die Leiterin des Buchinformationszentrums (BIZ) Peking der Frankfurter Buchmesse.

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Li Jingze, geboren 1964 in Tianjin, studierte chinesische Literatur an der Universität in Peking. Er ist stellvertretender Chefredakteur der chinesischen Literaturzeitschrift Renmin Wenxue (Volksliteratur) und gilt als einer der einflussreichsten chinesischen Kritiker und Entdecker chinesischer Newcomerautoren.

Frankfurter Buchmesse
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Spot on: Chinesische Literatur im Fokus

Vor dem Hintergrund des Ehrengastauftritts Chinas 2009 beginnen Verlage, sich zunehmend für chinesische Literatur zu interessieren. Einblicke in den Markt geben eine Reihe von Initiativen - und unser Interview mit dem chinesischen Literaturkritiker Li Jingze.

Chinas Kultur fasziniert die westliche Welt seit jeher. Die chinesische Literatur nahm in der Rezeption allerdings bisher nur eine untergeordnete Stellung ein. Der Ehrengastauftritt Chinas auf der Frankfurter Buchmesse 2009 soll vor allem den Lizenzhandel unterstützen. Das Chinesische Amt für Presse und Publikationswesen Chinas (General Administration of Press & Publication, GAPP) hat aktuell einen Übersetzerfonds eingerichtet, mit dem die Übertragung chinesischer Titel aus den Bereichen Belletristik und Sachbuch ins Deutsche, aber auch in andere Sprachen, gefördert werden soll. Zentrale Anlaufstelle für Interessenten ist das Buchinformationszentrum (BIZ) Peking.

Eine Orientierung, wer und was auf dem mit 91.000 Neuerscheinungen pro Jahr relativ großen chinesischen Buchmarkt Topthema ist, verrät Li Jingze, einer der bekanntesten Literaturkritiker Chinas, unserer Kollegin Dr. Jing Bartz, der Leiterin des BIZ Peking, im Interview:

Dr. Jing Bartz: Vor allem die "junge Generation" chinesischer Schriftsteller ist für die deutschsprachigen Verlage von Interesse. Wie erklären Sie sich das?

Li Jingze: Ich denke, viele deutsche Leser würden gerne über die chinesische Literatur mehr über China erfahren. Von jungen Autoren erhoffen sie sich eine direktere und offenere Darstellung dessen, was aktuell in China passiert. Für diese Aufgabe sind die jüngeren Schriftsteller in der Tat besser geeignet als die älteren, weil sie sensibler und phantasievoller sind und weil der Drang und auch der Mut zur Selbstdarstellung bei ihnen größer sind.

Was zeichnet die Jungautoren eigentlich aus?

Angesichts des dramatischen gesellschaftlichen Wandels, mit dem wir konfrontiert sind, und mit dessen Tempo wir in unserem eigenen Erleben kaum Schritt halten können, fühlt sich jeder in seiner Identität bedroht und sucht umso dringlicher nach Beweisen dafür, dass er inmitten der allgemeinen Unberechenbarkeit immer noch Herr seines Lebens ist - und sei es auch nur als Teil einer dominanten Gruppe. Entsprechend glauben die jungen Autoren, dass sie die Trendführer sind und sie ihre Werke dank neuer Medien schneller als andere produzieren und verbreiten können. Mit der Behauptung, sie seien mit ihren Erfahrungen mehr als jeder andere am Puls der Zeit reißen sie den Diskurs an sich und fühlen sich den Älteren überlegen. Aber wahrscheinlich ist das nur eine geduldete Illusion. Wie in anderen Ländern sind auch in China immer noch die Älteren an der Macht.

Dr. Jing Bartz: Die chinesische Literatur ist für westliche Leser oft schwer zugänglich - wie sind hier Ihre Erfahrungen?

Es besteht zugegebenermaßen eine große Differenz zwischen der chinesischen und der westlichen Kultur. Möglicherweise sind auch die komplexen historischen Veränderungen, die China in den letzten hundert Jahren erlebt hat für den westlichen Leser als einen Außenstehenden nicht leicht nachzuvollziehen. Das macht es schwer für die chinesische Literatur, international rezipiert und anerkannt zu werden. Umgekehrt besteht für mich nicht der geringste Zweifel daran, dass die deutsche Literatur mehreren Generationen von chinesischen Lesern vertraut ist. Ich selbst bin z.B. mit Kafka, Hesse, Böll und Grass vertraut. Einer meiner Lieblingsschriftsteller aus Deutschland ist Dietrich Bonhoeffer. Ich bin fest davon überzeugt, dass, wenn wir uns im festen Willen, den anderen zu verstehen erst einmal auf eine fremde Literatur einlassen, wir sowohl die kulturelle Kluft als auch die Fremdheit der anderen Erfahrungswelt überwinden können.

In der chinesischen Literatur spielt das Thema "Landleben" eine große Rolle. Bisweilen wird sogar behauptet, 80 Prozent der chinesischen Literatur sei "Bauernliteratur". Laut Statistik nimmt die Urbanisierung in China allerdings ständig zu. Gibt es denn schon eine "Stadtliteratur"?

Metropolen sind in China etwas Neues - Landflucht und Urbanisierung, all das hat erst Anfang der 90er Jahre begonnen. Gleiches gilt für die literarische Gestaltung des Stadtlebens. Das war ein völlig neues Thema, bei dem die Schriftsteller bei null anfangen mussten. Viele Autoren griffen notgedrungen auf die Erinnerung an das Shanghai der 30er Jahre zurück. Dank der jüngeren Schriftstellergeneration bilden Bücher mit städtischen Themen inzwischen zumindest quantitativ gesehen den Mainstream. Schriftsteller wie Wang Anyi, Bi Feiyu, Zhu Wen, Li Er und Li Feng haben dazu wichtige Beiträge geleistet. Bei den in den 70er und 80er Jahren geborenen Schriftstellergenerationen haben die meisten Werke mit der Stadt zu tun.

Können Sie uns zum Schluss vielleicht noch drei zeitgenössische Schriftsteller nennen, die Sie besonders schätzen?

Mo Yan, Zhang Chengzhi und Wang Anyi. An jüngeren Schriftstellern sehe ich bei Xu Zechen, Lu Min und Tian Er großes Potential.

Renommierte deutschsprachige Übersetzer aus dem Chinesischen haben für die Frankfurter Buchmesse eine Auswahl aus ihrer Sicht für den deutschen Markt geeigneter chinesischer Titel erstellt. Die ganz persönlichen Empfehlungen inklusive Probeübersetzungen sind bei der Frankfurter Buchmesse zu bestellen.

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