das blaue sofa am Mittwoch

Die Aufzeichnungen der Interviews vom 14. Oktober 2009

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Matthias Politycki spricht über sein Buch "Jenseitsnovelle"
Nach Jahrzehnten starker Kurzsichtigkeit ist Heinrich Schepp unter die Sehenden geraten. Nun hofft er, auch den Frauen und ihrer „Unbegreiflichkeit“ auf den Grund zu kommen. Umso mehr, als er in seiner Stammkneipe eine Schönheit an der Bar beobachtet, die ihm „entsetzlich verwerflich und glückverheißend zugleich“ erscheint. Eine „jenseitige“ Liebesgeschichte-– und ein Albtraum zugleich. In seiner – auch – bedrückenden Novelle erzählt Matthias Politycki vom Glück und Unglück der Liebe, vom Selbstbetrug und Illusion. Und er erzählt, wie der Tod Gewissheiten zunichtemachen kann. Eine Reise in die Abgründe von Treue und Betrug, ernüchternd amüsant.

Matthias Politycki, geboren 1955 in Karlsruhe, absolvierte in Wien und München ein Studium der Neueren Deutschen Literatur. Heute lebt er in Hamburg und München als freier Schriftsteller und ist Mitglied der internationalen Schriftstellervereinigung P.E.N.. Politycki zählt zu den renommiertesten Vertretern deutscher Gegenwartsliteratur. Er hat Prosa, Essays und Lyrik veröffentlicht, darunter den „Weiberroman“ (1997) und den Schelmenroman „In 180 Tagen um die Welt“ (2007).

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Daniel Hope spricht über sein Buch "Wann darf ich klatschen?"
Klassische Musik mögen viele. Aber gerade dort, wo man sie in ihrer ganzen Schönheit „live“ und authentisch erleben kann, im Konzertsaal, fühlen sich manche fremd und unbehaglich. Das liegt nicht zuletzt an überkommenen Traditionen und Ritualen, die sich dem Laien nur schwer erschließen. Daniel Hope und Wolfgang Knauer laden mit ihrem "Wegweiser für Konzertgänger" ein zu einem Ausflug hinter die Kulissen des Konzertbetriebs und geben Antworten auf Rätsel des musikalischen Alltags: Wieso gibt der Dirigent zu Beginn nur dem Konzertmeister die Hand? Weshalb wird mal mit, mal ohne Noten gespielt? Wer hat bestimmt, dass man zwischen den Sätzen einer Sinfonie nicht klatschen darf? Und schließlich - was wird aus den Blumen, die am Ende überreicht werden? Dies sind nur einige der Fragen, auf die Hopes „Wegweiser für Konzertgänger“ Antworten gibt.

Daniel Hope wurde 1974 in Durban/Südafrika geboren und ist in London aufgewachsen. Er nahm u.a. bei Yehudi Menuhin, der zu den größten Geigenvirtuosen des 20. Jahrhunderts gehörte, Unterricht. Ausgezeichnet wurde Hope mit zahlreichen Preisen, darunter mehrfach mit dem Klassik-Echo. 2007 erschien sein erstes Buch, „Familienstücke“.

Wolfgang Knauer, Jahrgang 1942, hat über 40 Jahre als Redakteur und Moderator im Rundfunk gearbeitet und war zuletzt Chef des Kulturprogramms im NDR-Hörfunk. Er lebt jetzt als freier Autor in Hamburg. Zeitgleich zur Veröffentlichung des Buchs erscheint bei der Deutschen Grammophon Daniel Hopes neues Barock-Album.

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Ursula Priess spricht über ihr Buch "Sturz durch alle Spiegel. Eine Bestandsaufnahme"
Ein wahres, wahrhaftiges Tochter-Vater-Buch: Eine Frau und ein Mann haben den Sommer über miteinander telefoniert, nun treffen sie sich. In Venedig. Sie wissen fast nichts voneinander, aber schon bald stellt sich heraus, dass es in ihren Vorgeschichten fatale Überschneidungen gibt. Der Mann kannte Ingeborg Bachmann zu jener Zeit, als diese mit dem Vater der Frau, Max Frisch, zusammenlebte. Je länger die beiden durch Venedig schlendern, umso deutlicher wird ihr: Der Mann muss jenes nicht zu greifende Phantom gewesen sein, an dem ihr Vater in seiner Eifersucht schier zerbrochen war. Diese sehr persönliche „Bestandsaufnahme“ bietet ein eindrucksvolles Zeugnis vom Versuch der Tochter, die Beziehung zum Vater neu zu sichten.

Ursula Priess, Tochter von Max Frisch, geboren 1943 in Zürich, hat Literaturwissenschaft studiert. Als Heilpädagogin arbeitete sie in Schweden, Schottland, Süd- und Norddeutschland. Priess ist Mutter von vier Kindern und reiste in Europa, Indien, Pakistan und der Türkei, wo sie sich längere Zeit niederließ. Heute lebt und arbeitet sie in Norddeutschland und in Berlin. Von ihr sind verschiedene Texte in Anthologien erschienen. Zuletzt (als Herausgeberin): Istanbul, in der Reihe Europa erleben, 2008.

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Gabriele Krone-Schmalz spricht über ihr Buch "Privatsache"
Gabriele Krone-Schmalz steht im Fokus der Öffentlichkeit, seit sie 1987 als erste Frau den Korrespondentenposten der ARD in Moskau antrat. Woher nahm sie den Mut, in der Zeit des Kalten Krieges aus Russland zu berichten? Was trieb sie an? Erstmals gewährt die auch durch ihre markante Frisur präsente Journalistin nun Einblick in ihr Privatleben. Sie berichtet von ihrem frühen Kampf für die demokratischen Ideale, von zermürbenden Gewissensentscheidungen, geheimen Glücksmomenten und prägenden Erlebnissen ihrer Kindheit. Mit Blick auf ihren 60. Geburtstag am 8. November 2009 ermöglicht Gabriele Krone-Schmalz mit diesem Buch Erkenntnisse über eine besondere Karriere.

Dr. Gabriele Krone-Schmalz, geboren am 8. November 1949, studierte Osteuropäische Geschichte, Politische Wissenschaften und Slawistik. Nach ihrem Einstieg beim WDR 1976 war sie ab 1982 Redakteurin bei „Monitor“, dann von 1987 bis 1991 Korrespondentin im ARD-Studio Moskau. Seit 1992 ist sie als freie Journalistin tätig und moderierte bis 1998 den ARD-Kulturweltspiegel. Seit 2000 arbeitet sie an der Verständigung zwischen den Gesellschaften Deutschlands und Russlands - als Mitglied des Lenkungsausschusses im „Petersburger Dialog“. Für ihr Engagement erhielt sie das Bundesverdienstkreuz erster Klasse und die Puschkinmedaille. Die Journalistin wurde mit einigen weiteren Preisen ausgezeichnet, darunter zweifach mit dem Grimme-Preis.

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Ulrich Raulff spricht über sein Buch "Kreis ohne Meister"
Ulrich Raulff erzählt die Geschichte eines Kreises von Intellektuellen, zugleich ist es die Geschichte eines Niedergangs und auch Portrait einer geistigen Epoche. Raulff legt in seinem Buch die posthume Biographie des deutschen Lyrikers Stefan Georges (1868-1933) frei. Er erzählt die Geschichte einer einzigartigen Verbindung illustrer Charaktere, die allmählich zerfällt. Man bildet Allianzen, pflegt Feindschaften, ringt um Deutungshoheit und Treue; und entfaltet vom Schreckensjahr 1933 bis ins Jahr „68“ gewissermaßen en passant eine außergewöhnliche Wirkungsgeschichte. Raulffs „Kreis ohne Meister“ ist eine Mischung aus kulturwissenschaftlicher Studie und anspruchsvoller Unterhaltung.

Ulrich Raulff ist Direktor des Deutschen Literaturarchivs Marbach am Neckar. Zuvor war er u. a. Feuilletonchef der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" sowie Leitender Redakteur der "Süddeutschen Zeitung". Er hat Bücher über Marc Bloch und Aby Warburg geschrieben. Für seine Arbeiten erhielt er den Anna Krüger-Preis für wissenschaftliche Prosa und den Hans Reimer-Preis der Aby Warburg-Stiftung.

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Jean Ziegler spricht über sein Buch "Der Hass auf den Westen"
Jean Ziegler diagnostiziert in seinem neuen Werk den wachsenden Hass der Armen und Entrechteten auf die westliche Kultur. Der Nährboden für den „Hass auf den Westen“ sind, so der Autor, gegenseitiges Unverständnis sowie das Bewusstsein Jahrhunderte langer Verachtung und Unterdrückung – mit weit reichenden Folgen für die globale Friedenspolitik. Hierfür wurde der scharfzüngige Globalisierungskritiker Ende 2008 mit dem Literaturpreis für Menschenrechte ausgezeichnet.

Jean Ziegler, geboren 1934 im schweizerischen Thun, ist Mitglied des UN-Menschenrechtsrates und einer der international bekanntesten Globalisierungskritiker. Er wird als einer der letzten „zornigen Linken“ bezeichnet, der unermüdlich Elend, Unterdrückung, Menschenverachtung und die Arroganz der Reichen als Resultat eines global agierenden Kapitalismus und einer „mörderischen Weltordnung“ anprangert.

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Günter Wallraff spricht über sein Buch "Aus der schönen neuen Welt"
Kaum jemand hat mehr Missstände aufgedeckt als er. Millionen haben seine Bücher gelesen. Junge Journalisten nehmen sich an ihm ein Vorbild, wenn sie in Rollen schlüpfen, um die dunklen Seiten der Realität aufzudecken - eine Vorgehensweise, die im Schwedischen „wallraffa“ genannt wird. Auch in seinem aktuellen Buch ist er wieder auf geheimer Mission und schlüpft dafür „undercover“ in verschiedene Rollen. So erlaubt er Einblicke, zeigt, wie es ist, in deutschen Callcentern zu arbeiten. Auch schreckte Wallraff nicht davor zurück, die Erfahrung zu machen, in einem Obdachlosenheim zu leben und die kältesten Tage des Winters 2008/2009 auf der Straße zu verbringen. Sein Fazit: In einem reichen Land leben heute immer mehr Menschen „ganz unten“, und das droht die Gesellschaft zu zerreißen.

Der Journalist und Schriftsteller Günter Wallraff, 1942 als Sohn eines Fabrikarbeiters in Burscheid bei Köln geboren, wurde vor allem durch seine verdeckten Recherchen bekannt, mit denen er die Methoden der Bild-Zeitung oder die Ausbeutung von Billig-Arbeitskräften aufdeckte. Zu seinen wichtigsten Büchern gehören: "Wir brauchen Dich. Als Arbeiter in deutschen Industriebetrieben" (1966), "Der Aufmacher. Der Mann, der bei Bild Hans Esser war" (1977) und "Ganz unten" (1985), in dem er den menschenverachtenden Handel mit Leiharbeitern thematisiert.

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Friedrich Christian Delius spricht über sein Buch "Die Frau, für die ich den Computer erfand"
Einst als junger Mann hat Konrad Zuse den ersten Computer der Welt gebaut. Beflügelt von seiner platonischen Fernliebe zu Ada Lovelace, der Tochter Lord Byrons, hat er am heimischen Wohnzimmertisch mit handgesägten Einzelteilen wahre Wunder vollbracht. Inzwischen ein alter Herr, spricht Zuse - während er den Festakt zu seinem vierzehnten Ehrendoktorhut schwänzt - mit einem jungen Journalisten, in einer Vollmondnacht im Juli 1994. Friedrich Christian Delius erzählt in diesem raffinierten Roman, wie alles anfing mit der „Computerei“: vom Beginn des digitalen Zeitalters in einer kleinen Wohnung in Berlin-Kreuzberg bis in die Gegenwart. Die Erfindung des Computers - und die Erfindung einer unmöglichen Liebe.

Friedrich Christian Delius, geboren 1943 in Rom, ist in Hessen aufgewachsen. Er lebt heute in Berlin und Rom. Zu seinen bekanntesten Erzählungen und Romanen gehören: „Die Birnen von Ribbeck“ (1991), „Der Sonntag, an dem ich Weltmeister wurde“ (1994), „Der Spaziergang von Rostock nach Syrakus“ (1995), „Die Flatterzunge“ (1999), „Mein Jahr als Mörder“ (2004) und „Bildnis der Mutter als junge Frau“ (2006). F. C. Delius erhielt zahlreiche Preise - zuletzt, 2007, den Schubart-Literaturpreis, den Deutschen Kritikerpreis sowie den Joseph-Breitbach-Preis.

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Erwin Wurm spricht über Erwin Wurm
„Humor ist eine Waffe“ - das hat Erwin Wurm einmal gesagt und er versteht sich ganz besonders darauf, diese Waffe friedlich, aber sehr gezielt einzusetzen. Einer breiten Öffentlichkeit wurde Wurm durch seine „One minute sculptures“ sowie durch seine „Fat sculptures“ bekannt. In den letzten Jahren hat er vermehrt Videofilme gedreht, die in seinem neusten Buch erstmalig publiziert und analysiert werden.

Der Plastiker und Objektkünstler Erwin Wurm, geboren 1954 in Österreich, steht ganz in der Tradition der Surrealisten. „Er begeistert und irritiert mit Aktionen voller Komik und Hintersinn“, so steht es in der Zeitung.

Zu seinen bekanntesten Arbeiten zählen "The Artist who swallowed the world" und "The Artist who swallowed the world when it was still a disk". In der Popkultur ist Wurm ein fester Bestandteil – denn die "One Minute Sculptures" inspirierten auch die Rockband "Red Hot Chili Peppers" zum Video ihres Liedes "Can't stop".

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Ma Jian spricht über sein Buch "Peking-Koma/Red Dust"
Peking-Koma: Juni 1989. Auf dem Platz des Himmlischen Friedens versammeln sich tausende Studenten, um für mehr politische Freiheit zu kämpfen. Unter ihnen der Ex-Biologiestudent Dai Wei. Plötzlich fallen Schüsse. Dann herrscht Stille. Als Dai Wei wieder zu sich kommt, liegt er, von der Kugel eines Soldaten schwer verletzt, im Wachkoma. Medizinische Behandlung wird dem politisch Unzuverlässigen verweigert; seine Mutter pflegt ihn aufopferungsvoll, ohne zu merken, dass er bei Bewusstsein ist. Zehn Jahre liegt er so, wird stummer Zeuge der Verwandlung Chinas in einen modernen, zusehends kapitalistischeren Staat. Selten wurde die jüngste Geschichte Chinas so ungeschminkt beschrieben.

Red Dust : Als Ma Jian 30 wurde, acht Jahre nach Maos Tod, beschloss er, die engen Grenzen Beijings hinter sich zu lassen. Es gab nichts mehr, was ihn hielt: Seine Freundin betrog ihn; er fühlte sich als Künstler überwacht; seine Inspiration zu Schreiben oder Malen war am Ende.

Ma Jians Reise, per Zug und per Anhalter, hat ganze drei Jahre gedauert und ihn, häufig unter Lebensgefahr, bis in die einsamen Hochtäler Tibets, in die Kultstätten des Buddhismus, in Salzwüsten und in Dörfer gebracht, dort, wo die Zeit zwischen Mittelalter und Kommunismus stehen geblieben ist. Red Dust ist ein Reisebuch, das nur jemand schreiben konnte, der sowohl Insider als auch Outsider im eigenen Land ist.

Ma Jian wurde 1953 in Qingdao, China, geboren. Nachdem er als Fotojournalist für ein staatliches Magazin gearbeitet hatte, unternahm er eine dreijährige Reise durch China und sammelte seine Eindrücke. Für den Reisebericht „Red Dust: Drei Jahre unterwegs durch China“, erhielt er den Thomas Cook Travel Book Award. 1987 zog er von Peking nach Hongkong, um der Staatszensur zu entgehen. Heute lebt er im Londoner Exil.

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Frank Schätzing spricht über sein Buch "Limit"
Mit dem Thriller „Limit“ stößt Frank Schätzing in höhere Sphären vor. Mai 2025: Die Energieversorgung der Erde scheint gesichert, seit die USA auf dem Mond das Element Helium-3 fördern. Bahnbrechende Technologien eines Konzerngiganten haben die Raumfahrt revolutioniert und in einem erbitterten Kopf-an-Kopf-Rennen versuchen Amerikaner und Chinesen nun, auf dem Trabanten ihren Besitz abzustecken. Der Detektiv Owen Jericho soll die untergetauchte Dissidentin Yoyo ausfindig machen. Was nach Routine klingt, ist tatsächlich der Auftakt zu einer alptraumhaften Jagd von China über Äquatorialguinea und Berlin bis nach London und Venedig.

Frank Schätzing, geboren 1957 in Köln, studierte Kommunikationswissenschaften, war Creative Director in internationalen Agenturen-Networks und ist Mitbegründer der Kölner Werbeagentur Intevi. Anfang der Neunziger begann er, Novellen und Satiren zu schreiben und veröffentlichte 1995 den historischen Roman „Tod und Teufel“. 2004 erschien sein Roman „Der Schwarm“. Das Buch hat seit Erscheinen über 920.000 Exemplare im Hardcover verkauft und wurde in 17 Sprachen übersetzt. Frank Schätzing lebt und arbeitet in Köln.

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Mahmud Doulatabadi spricht über sein Buch "Der Colonel"
Eine pechschwarze Regennacht in einer iranischen Kleinstadt. Ein altes Haus. Der Colonel hängt seinen Gedanken nach. Erinnerungen stürmen auf ihn ein. An seine Jahre als hochdekorierter Offizier der Schah-Armee. An seine Kinder, die ihren eigenen Weg gingen, sich den Revolutionsgardisten angeschlossen haben, in den Krieg zogen und starben. Es herrscht Krieg. Und im Haus sind Geheimnisse verborgen: Ein Sohn versteckt sich im Keller, gepeinigt von den Albträumen seiner Erinnerungen. Da klopft es an die Tür. Der Colonel wird abgeführt, zur Staatsanwaltschaft. Mahmud Doulatabadi, der bedeutendste Schriftsteller des Iran, hat mit „Der Colonel“ ein Mahnmal für die Opfer der Tragödie im Iran der letzten 60 Jahre geschaffen - ein Gegenstück zu Picassos „Guernica“.

Mahmud Doulatabadi wurde 1940 in Dowlatabad in Persien geboren. Als Doulatabadi 13 Jahre alt war, ging er nach Teheran und schlug sich mit allen möglichen Arbeiten durchs Leben. Mittlerweile hat er sich einen Namen geschaffen, der aus dem persischen Kulturkreis nicht mehr wegzudenken ist. "Kelidar", ein Roman von über 3000 Seiten, hat sich im Iran bislang an die 100.000 Mal verkauft - ein einzigartiges Phänomen in der iranischen Verlagslandschaft.

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Dieter Wellershoff spricht über sein Buch "Der Himmel ist kein Ort"
Der neue Roman von Dieter Wellershoff beginnt wie ein Krimi und entwickelt sich zu einem figurenreichen Gesellschaftsdrama. Hauptfigur ist ein junger Landpfarrer, der eines Nachts zu einem Unfallort gerufen wird. Ein Auto ist von der Straße abgekommen und in einen See gestürzt. Der Fahrer hat sich gerettet, seine Frau und sein Sohn werden leblos geborgen. Wie das geschehen konnte, ist unklar. Schon bald nimmt das angebliche Unglück unheimliche Züge an. Der Pfarrer hält trotzdem an der Unschuldsvermutung fest und bringt fast alle Gemeindemitglieder gegen sich auf.

Dieter Wellershoff, am 3. November 1925 in Neuss geboren, schreibt Romane, Erzählungen, Essays, Filmdrehbücher und Hörspiele. Er hielt außerdem Vorlesungen an in- und ausländischen Universitäten, zuletzt in Frankfurt am Main. 1988 wurde seine Arbeit mit dem Heinrich-Böll-Preis ausgezeichnet. Inzwischen lebt er in Köln.

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