Reges Lizenzgeschäft: Fachbesucherstimmen zum Ehrengast China 2009
Der Ehrengastauftritt Chinas löste in den deutschen Medien lebhafte Diskussionen aus. Wie empfanden Fachbesucher und Verleger aus aller Welt die Präsenz Chinas auf der Buchmesse? Wir haben uns umgehört …
Rund 230 Verlagshäuser aus China präsentierten auf der Frankfurter Buchmesse 7.600 Bücher und Printprodukte und waren interessiert an fremdsprachigen Lizenzen. Zum Ende der Messe verkündete Zhang Fuhai vom Organisationskomitee des Ehrengasts China die stolze Zahl von 2.019 Verträgen, die während der Messe angebahnt worden seien. Welche Erfahrungen haben deutsche und britische Rechtemanager mit ihren chinesischen Geschäftspartnern gemacht - und vice versa? Wir haben nachgefragt.
Marcus Fischer, Vorstand Himmer AG, Augsburg, und Managing Director der Himmer-Winco Ltd., Hongkong
Marcus Fischer
"Wegen des diesjährigen Ehrengastauftritts Chinas hatten wir auf der Buchmesse erfreulich hohe Aufmerksamkeit für eine hochrangig besetzte chinesisch / deutsche Vertragsunterzeichnung. Im Auftrag des Konfuzius-Instituts und Commercial Press wird Langenscheidt im kommenden Jahr das erste chinesisch - deutsche Bildwörterbuch in Deutschland herausgeben. Nach unserer Einschätzung wird das Interesse an China und am Erlernen der chinesischen Sprachen auch durch das Engagement der Buchmesse noch zunehmen."
Bernd Tretow, Bereichsleiter Publishing, Bank-Verlag Medien GmbH, Köln
Bernd Tretow
"Die Buchmesse war für uns eine gute Möglichkeit, den bereits vor einiger Zeit begonnenen Dialog mit einzelnen chinesischen Verlagen zu vertiefen, wobei leider nicht alle für uns relevanten Verlage vor Ort waren. Aber manchmal ist weniger bekanntlich mehr, insbesondere wenn man dann noch so ein nettes Erlebnis hat wie der Messespaziergang mit zwei ausschließlich chinesisch sprechenden Kollegen, bei dem wir uns trotzdem verstanden - eine höchst aufschlussreiche und auch ein wenig amüsante Erfahrung, die aber nicht wortlos war."
Charlotte Larat, Inhaberin von Rights & Audio, Heidelberg
Charlotte Larat
"Ich habe u.a. am "Chinese Matchmaking" teilgenommen und mich gefreut, Frau Dr. Bartz, die Leiterin des Deutschen Buchinformationszentrums (BIZ) Peking persönlich kennenzulernen. Darüber hinaus konnte ich dort für die Verlage, die ich vertrete, drei interessante Lizenzgespräche mit chinesischen Verlegern führen. Mein Eindruck: Ein guter Anfang! Dank an die Organisatorinnen!"
Lisa Liping Zhang, Director Overseas Department, Shanda Literature Ltd., Peking
Lisa Liping Zhang
"Eines Tages kam ein deutscher Herr an unseren Stand in Halle 4.1. Er hatte keinen Termin, und so wartete er geduldig eine ganze Weile, bis ich endlich einen freien Moment hatte und mit ihm sprechen konnte.Sein Name war Peter Kamper. Er erzählte mir, dass sein Roman in Deutschland im November 2009 erscheinen würde. Der Roman handelt vom Krieg der Geheimdienste während des Zweiten Weltkriegs. Herr Kamper hatte einen Zeitungsausschnitt in der Hand, in dem über Shanda Literature berichtet wurde. Er meinte, das Geschäftsmodell von Shanda habe ihn sehr angesprochen und daher würde er gerne erfahren, ob es möglich sei, die chinesischen Fassungen seiner Werke auf unserer Website veröffentlicht werden könnten. Er sagte, er könne das Vorwort und die ersten fünf Kapitel ins Chinesische übersetzen lassen. Wenn das chinesische Publikum darauf gut anspräche, könnte der Rest des Romans folgen. Während er sprach, stand mein CEO gerade ganz in der Nähe und hörte das Gespräch mit. Er sagt: "Das Geheimdienstthema ist in China eine ganz große Sache. Wir können gleich nach der Buchmesse mit dem Projekt beginnen und werden Ihren Titel intensiv promoten."
Wären Sie dabei gewesen, Sie wären angesichts des Gesichtsausdruckes von Peter Kamper sicherlich genauso berührt gewesen wie ich. Er war so glücklich, dass sein ganzes Gesicht strahlte und seine Augen blitzten. Ich glaube, er hatte nicht erwartet, dass so etwas so schnell und einfach gehen könnte. Ich bin sicher, dass dies erst der Anfang des kulturellen Austauschs zwischen Shanda und deutschen Autoren ist."
Yang Di, Shanghai Book Traders, Shanghai
Yang Di
"Die Frankfurter Buchmesse 2009 war aufgrund des Ehrengastauftritts von China ein wirklich großartiges Get-together für chinesische Verlage und Buchhändler. Nie zuvor waren chinesische Titel für das internationale Publikum von so großem Interesse. Ich konnte feststellen, dass unsere Promotionvideos zu chinesischen Büchern viele deutsche Messebesucher faszinierten. Und es gab eine große Nachfrage nach chinesischen Stadtplänen! Ich lernte einen jungen deutschen Studenten kennen, der fließend Chinesisch sprach und zu meiner großen Überraschung sehr viel über antike chinesische Geschichte wusste. Ich bin überzeugt davon, dass der Kommunikation zwischen unterschiedlichen Kulturen eine essenzielle Bedeutung zukommt."
Ben Archer, CEO A1Overstock (modernes Antiquariat) Netcong, New Jersey, USA
Ben Archer
"Da unser Schwerpunkt auf dem US-Markt liegt, haben wir einige Jahre lang nicht in Frankfurt ausgestellt. 2009 hatte ich das Gefühl, es wäre Zeit, wiederzukommen – zumindest, um sich ein Bild von der aktuellen Lage zu machen und zu sehen, wer als Aussteller oder Besucher an der Messe teilnimmt. Und ich war sehr angenehm überrascht, sowohl von dem immensen Publikumsinteresse als auch dem großen Potenzial für die kommenden Jahre, das ich erkennen konnte. Tatsächlich haben wir uns überlegt, im nächsten Jahr mit einem deutlich größeren Stand dabei zu sein. Wir arbeiten gerade einen Plan aus, um über die genaue Größe entscheiden zu können. Zu meinen persönlichen Highlights gehörte die große Anzahl chinesischer Besucher, Buchhändler und Verleger, die auf der Messe vertreten waren. Für uns ist China ein ausgesprochen wichtiger Markt, und diesbezüglich sind wir auf Unterstützung angewiesen. Kurz vor Messebeginn hatten wir gerade eine Agentin in Peking angeheuert - und dank des Ehrengastprogramms konnten wir ihr gleich eine große Anzahl von Kontakten vermitteln."




