Intensiver Austausch bei der Verlegerfortbildung in Abu Dhabi

Während der Workshops, in den Pausen und im Anschluss beim gemeinsamen Abendessen: Bei der Fortbildung für arabische Verleger in Abu Dhabi wurde eigentlich rund um die Uhr lebhaft diskutiert - mit ein Grund, warum sowohl Teilnehmer als auch Referenten das Training als vollen Erfolg bewerteten.

Interview mit der Referentin Gabriele Rubner, Verlag Kunst+Reise, Bad Homburg

Direkt zum Interview mit Gabriele Rubner

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Im März dieses Jahres gründete Safaa Asmy einen Verlag für Kinderbücher in Dubai.

"Anderen Verlegern aus der arabischen Welt zu begegnen, das war sehr, sehr wichtig für mich", sagt Safaa Asmy. Die studierte Zahnärztin wechselte im März ihren Beruf und gründete in Dubai den Verlag Wahet El Hekayat, der Kinderbücher herausgibt. "Normalerweise treffen wir uns immer nur sehr flüchtig auf den verschiedenen Buchmessen und haben keine Zeit zum Reden. Während der Fortbildung hatten wir die Möglichkeit, Erfahrungen über unsere Region und den arabischen Markt auszutauschen - was extrem nützlich für mich ist."

Safaa Asmy ist eine von insgesamt 13 Verlegern aus Ägypten, Algerien, Jordanien, Kuwait, Saudi Arabien, Libanon, Syrien und den Vereinigten Arabischen Emiraten, die an der Fortbildung in Abu Dhabi teilgenommen haben. Organisiert wurde das Training gemeinsam von der Frankfurter Buchmesse und KITAB, dem Joint Venture der Frankfurter Buchmesse und der Kulturbehörde Abu Dhabis, der Abu Dhabi Authority for Culture and Heritage (ADACH). Durchführende Partner sind KITAB und das Goethe-Institut Gulf Region. Das Projekt wird finanziell gefördert vom deutschen Auswärtigen Amt und der ADACH.

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Monika Krauss Geschäftsführerin von KITAB.

Internationale Verlagsexperten vermitteln ihr Fachwissen

"Ziel der Fortbildung ist es, langfristig und nachhaltig professionelle Strukturen in der Region zu etablieren", erklärt Monika Krauss, Geschäftsführerin von KITAB, das auch die Abu Dhabi International Book Fair ADIBF ausrichtet, die jedes Jahr im März stattfindet. "Die arabischen Verleger werden leichter den Anschluss an die internationalen Märkte schaffen, wenn sich ihre Branche den weltweiten Standards angeglichen hat und sie auf gleichem Niveau agieren können."

Das Konzept der Fortbildungen wurde von der Akademie des Deutschen Buchhandels entwickelt und ist ganz auf die Bedürfnisse der Verleger im arabischen Raum zugeschnitten. Die Referenten der Akademie vermitteln gemeinsam mit internationalen Verlagsexperten ihr Wissen in Vorträgen, Fallbeispielen und mit praktischen Übungen. Insgesamt finden im Zeitraum Juni bis Dezember 2009 vier Sessions in Abu Dhabi statt, von denen zwei für Mitarbeiter des mittleren Management ausgelegt und zwei an die Unternehmensführung gerichtet sind.

"Der wichtigste Teil des Trainings war für mich der Vortrag zum Thema Kunden - das Charakterisieren des Kunden, damit wir wissen, wen wir überhaupt ansprechen", bemerkt Safaa Asmy. "Sehr spannend war auch das Ableiten der Zielgruppen aus der Definition verschiedener Gesellschaftsgruppen sowie die Produktplanung einschließlich der Entwicklung des Preises."

Verlegerfortbildung Abu Dhabi 2009 Arbeitssituation

Welche Vertriebswege gibt es in der arabischen Welt? Mohammed Awf, Dr. Safaa Asmy und Abdulla Al Husani (v.l.) diskutieren.

Fortsetzung dringend erwünscht

Der Wunsch der arabischen Verleger nach einem intensiveren Austausch mit ihren deutschen und internationalen Kollegen, der während des Ehrengastauftritts der arabischen Welt auf der Frankfurter Buchmesse 2004 laut wurde, gab den Anstoß zur Planung des umfassenden Fortbildungsprogramms. 2008 wurde das Training erstmals in Kairo gemeinsam mit dem dortigen Goethe-Institut und der Akademie des Deutschen Buchhandels durchgeführt. In diesem Jahr ging es in Abu Dhabi weiter - und eine Fortsetzung im kommenden Jahr ist dringend erwünscht. "Es war sehr interessant und hilfreich, einen Gesamtüberblick über die Verlagsindustrie sowie deren Image zu bekommen und so zu verstehen, wie der internationale Markt funktioniert", sagt Safaa Asmy. "Was ich mir nun noch wünschen würde, ist ein Training für Autoren. Denn hier in der arabischen Welt gibt es keinerlei Kurse für Autoren oder Schriftsteller."

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Seit 25 Jahren in der Verlagsbranche tätig: Gabriele Rubner vom Verlag Kunst+Reise aus Bad Homburg.

Interview Gabriele Rubner, Verlag Kunst+Reise, Bad Homburg

Gabriele Rubner war als Referentin für die Themen Marketing und Distribution bei der Fortbildung in Abu Dhabi. Sie ist seit mittlerweile 25 Jahren in der Verlagsbranche tätig. Nach einer Ausbildung zur Verlagskauffrau begann sie ihre Karriere 1989 als Vertriebsassistentin beim Eichborn Verlag. Es folgten Stationen als Vertriebs- und Marketingleiterin bei den Verlagen Schöffling & Co., Metropolitan, Carl Ueberreuter sowie bei Campus. Von 2004 bis 2007 war sie Geschäftsführerin des Deutschen Fundraising Verbandes in Frankfurt am Main. Seit 2008 ist sie Verlegerin des Verlages Kunst+Reise, Bad Homburg. Ein Interview.

Frankfurter Buchmesse: Sie waren als Expertin für die Themenbereiche Marketing und Distribution zu der Verlegerfortbildung nach Abu Dhabi eingeladen. Welchen Eindruck haben Sie vom arabischen Buchmarkt? Mit welchen Problemen haben Verlage in der arabischen Welt zu kämpfen?

Gabriele Rubner: Die Probleme, mit denen arabische Verleger konfrontiert sind, versetzen deutsche Verleger wahrscheinlich in Erstaunen. Sie bestehen zum Beispiel darin, dass es kein Distributionssystem gibt, so wie wir es von Deutschland kennen. Es gibt auch keine Logistik, keine Barsortimente, kein Rechnungswesen - die Verleger haben sehr große Schwierigkeiten, an ihr Geld zu kommen. Korruption, Zensur, auch das sind alltägliche Probleme - alles Dinge, die wir uns in Deutschland kaum vorstellen können.

Auch ist es für arabische Verleger sehr schwierig, Zugang zum Markt zu erhalten, sofern sie nicht an einen großen Distributor angeschlossen sind, der alle Verkaufsaktivitäten für den Verlag handhabt. Doch was für mich wirklich das erstaunlichste ist: Das ganze Jahr über gibt es in vielen arabischen Städten, wie beispielsweise in Sharjah oder Riad, große Buchmessen, die zum Teil zehn bis zwölf Tage dauern und als Verkaufsmessen für das breite Publikum ausgelegt sind. Diese Messen, das sind die Hauptmarktplätze für Bücher in der arabischen Welt, hier wird der größte Umsatz erzielt. In Deutschland haben Buchmessen ein völlig anderes Konzept. Hier stehen der Handel mit Lizenzen und das Anbahnen von Geschäften ganz klar im Vordergrund.

Sie selbst sind seit 25 Jahren in der Buchbranche tätig und haben in verschiedenen großen deutschen Verlagen gearbeitet. Welche professionellen Erfahrungen sind Ihrer Ansicht nach die wichtigsten, die Sie auch Ihren arabischen Kollegen unbedingt vermitteln wollten?

Wenn man sich wie ich intensiv mit dem Thema Marketing und Vertrieb beschäftigt, ist es unerlässlich, in Zielgruppen zu denken, und das wollte ich gerne vermitteln. Doch für die Teilnehmer des Workshops war genau das ein völlig neuer Ansatz. Der Begriff "Zielgruppe", wie wir ihn definieren, war unbekannt und wurde intensiv diskutiert. Auch die ganzen Tools, mit denen wir in Deutschland arbeiten, sind hier nicht selbstverständlich: Eine ISBN gibt es zwar, aber ein Verzeichnis lieferbarer Bücher existiert beispielsweise nicht. Dabei ist hier der Bedarf groß zu wissen, was überhaupt publiziert wird und wo man das nachschlagen kann.

Auch unser deutsches Logistiksystem und Fragen nach den Aspekten einer professionell organisierten Auslieferung waren für die Teilnehmer von großem Interesse. Und da es im arabischen Buchmarkt keine Buchpreisbindung gibt, ist auch Wissensvermittlung auf diesem Gebiet wichtig. Wie macht man Preismarketing? Wie setzt man einen Buchpreis fest? Dazu gab es intensive Diskussionen.

Lassen sich Ihre Erfahrungen aus dem deutschen Buchmarkt denn überhaupt auf die arabische Buchbranche übertragen?

Natürlich kann man den arabischen Kollegen das deutsche Fachwissen nicht einfach überstülpen. Ich glaube, was wir als Fachreferenten aus Deutschland und anderen nicht-arabischen Ländern hier leisten können, ist, Anregungen und Ideen zu geben. Der wichtigste Aspekt des Trainings war meines Erachtens jedoch die Tatsache, dass die Teilnehmer miteinander ins Gespräch gekommen sind und in der Gruppenarbeit gemeinsam Lösungen für ihre Probleme entwickelt haben. Denn Networking gibt es in der arabischen Buchbranche so gut wie gar nicht. Jeder arbeitet für sich selbst und fürchtet die Konkurrenz. Insofern war dieses Training allein schon deshalb eine gute Sache, weil die Verleger überhaupt zusammen gekommen sind, sich ausgetauscht und Kontakte geknüpft haben. Ich könnte mir vorstellen, dass diese Kontakte auch über das Training hinaus bestehen bleiben - und das ist fast wichtiger, als Fachwissen zu vermitteln.

Wofür haben sich die Teilnehmer am meisten interessiert? Welche Fragen wurden Ihnen gestellt?

Wie komme ich an neue Kunden? Welche neuen Distributionskanäle kann ich mir erschließen? Meinem Eindruck nach waren das die Fragen, die den Teilnehmern am wichtigsten waren.

Ein kleiner Blick in die Zukunft: Welches Potential bietet der arabische Buchmarkt Ihrer Ansicht nach?

Ein Problem ist, dass dem Buch in der arabischen Welt bisher kein besonders großer Wert beigemessen wird, wie das beispielsweise in Deutschland der Fall ist. Die Teilnehmer waren sich darin einig, dass daran gearbeitet werden muss. Hier müsste eine übergeordnete Institution, wie bei uns in Deutschland der Börsenverein, dafür Sorge tragen, dass das Produkt Buch einen größeren Stellenwert in der Gesellschaft erhält. Leseförderung ist ein großes Thema. Es ist auch wichtig, dass eine gute Ausbildung stattfindet und Mitarbeiter entsprechend geschult werden. Der Bedarf an Aus- und Fortbildung ist sehr groß in der arabischen Welt, und die Verleger selbst sind stark daran interessiert. Sie wollen sich weiterentwickeln, sie wollen ihre Bücher auch ins Ausland verkaufen und sind am Handel mit internationalen Lizenzen interessiert.

Ich glaube, dass der arabische Markt großes Potential und eine interessante Zukunft hat. Es ist viel Geld vorhanden und in den Emiraten wird beispielsweise der gesamte Bildungsbereich von staatlicher Seite enorm gefördert. Der Buchmarkt ist nicht gesättigt, wie bei uns - hier kann man, trotz aller grundsätzlichen Probleme, noch viel bewegen. Allein zu sehen, was sich in den vergangenen Jahren in Abu Dhabi alles getan und wie sich die Märkte in anderen Bereichen hier entwickelt haben, das beeindruckt mich enorm.

Welche Ihrer Erfahrungen mit der arabischen Buchbranche hat Sie selbst am meisten überrascht?

Am meisten überrascht hat mich, wie unglaublich tatkräftig die Verlegerinnen sind. Die Frauen hier bewegen was! Als Frau aus der westlichen Welt erwartet man das nicht, wenn man an arabische Länder denkt. Aber es ist wirklich so. Beim Training war beispielsweise eine Frau dabei, die eigentlich Zahnärztin ist und jetzt Kinderbücher verlegt - und zwar erfolgreich. Diese Frauenpower hier zu erleben, das hat mich sehr beeindruckt.


 
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