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Übersicht

Gestern, heute, morgen: Die Frankfurter Buchmesse im 21. Jahrhundert

Bewegte sich die Frankfurter Buchmesse in den 90er Jahren noch im Spannungsfeld zwischen wirtschaftlichem und kulturpolitischem Großereignis, bewältigt sie den Spagat zwischen Ökonomie und kulturpolitischer Verantwortung heute virtuos:

Wirtschaftlich stehen der Rechte- und Lizenzhandel und die Erschließung neuer Märkte im Vordergrund. Mit dem Comic-Zentrum (2000), dem Forum Film & TV (2003), der Einführung der PresseMesse (2005) oder dem Nonbook-Bereich (2006) wurden jährlich neue Segmente in das Portfolio der Messe aufgenommen, die der Branche neue Möglichkeiten eröffnen.

Die in den 80ern einsetzende Digitalisierung ist mehr denn je Thema Nummer eins: Die Skepsis gegenüber dem einstigen "Schreckgespenst" weicht immer mehr wirtschaftlichen Interessen, das Phänomen Digitalisierung wird zunehmend als Chance begriffen. Auch auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse werden die neuesten Entwicklungen wieder einen Schwerpunkt ausmachen. Doch nicht nur die Digitalisierung treibt die Branche um. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Globalisierung wird auch die Erschließung neuer Märkte wichtiger. Partnerschaften und Joint Ventures in Südafrika (Cape Town Book Fair) oder den Vereinigten Arabischen Emiraten (Abu Dhabi International Book Fair) schloss die Frankfurter Buchmesse 2006 und 2007 auch vor diesem entwicklungspolitisch bedeutsamen Hintergrund. Ziel der Initiativen ist es, die Branchen vor Ort bei der Professionalisierung und der Öffnung ihrer Märkte zu unterstützen. Auch das German Book Office New Delhi, das Anfang 2008 eröffnet wurde, verfolgt dieses Ziel.

Die bereits seit den 60ern politisch relevante Rolle der Messe hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen: Die Messe versteht sich als unabhängige Plattform für den liberalen Gedankenaustausch. Mit der Wahl des Ehrengastes gibt die Frankfurter Buchmesse auch umstrittenen Ländern und Nationen sowie deren Autoren und literarischen Strömungen ein Präsentationsforum. Sie rückt damit immer wieder auch brisante Themen in die Öffentlichkeit und regt den internationalen Diskurs an. Schon jetzt erwartet das internationale Publikum gespannt das Programm der Türkei, Ehrengast 2008. Außerdem baute die Frankfurter Buchmesse mit der 2006 gestarteten Bildungsoffensive "Zukunft Bildung" ihr bildungspolitisches Engagement weiter aus. Aktivitäten zur Leseförderung und zur Bekämpfung von Analphabetismus sowie das Thema Lebenslanges Lernen stehen ganzjährig und natürlich auf der Messe selbst auf dem Programm.

Ein Blick auf die Geschichte der Frankfurter Buchmesse zeigt, dass sie nach sechs Jahrzehnten fest auf ihren evolutionär gewachsenen Säulen Wirtschaft, Kultur und Politik steht. Die Frankfurter Buchmesse ist mehr denn je der größte internationale Handelsplatz der Buchbranche weltweit, stellt sich dabei aber stets auch ihrer kulturellen und politischen Verantwortung: Die Frankfurter Buchmesse ist mehr als eine Messe, sie ist eine Institution.

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