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Das Blaue Sofa
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Die Blaue Stunde: Sexismus. Gender. Culture Cancelling - Was macht das mit der Literatur?

15.10.2020

Ijoma Mangold: Der innere Stammtisch. Ein politisches Tagebuch - Rowohlt
Ijoma Mangold führt ein politisches Tagebuch und beschreibt darin die Ereignisse unserer Gegenwart sowie seine ständig wechselnden Reaktionen darauf: auf Greta, auf Boris Johnson, von dem er sich allzu gern hat täuschen lassen; auf den Mietendeckel, das Desaster von Thüringen - und auf das Corona-Virus. Die alte Eindeutigkeit ist aus der Politik verschwunden. Sie wurde ersetzt durch Reflexe und Schnappatmung, durch Wut und Widersprüchlichkeit. Doch gerade dieses Unreflektierte, die Affekte, der Stammtisch, ist das, was das Politische im Tiefsten ausmacht. Wie wir zu Meinungen kommen, wie wir es uns gemütlich einrichten mit ihnen und wie wir sie im besten Fall auch mal wieder loswerden - darum geht es in diesem Buch der Selbstbeobachtung. Der Text ist eine Zeitdiagnostik, eine Darstellung des politischen Gegenwartstheaters durch einen aufmerksamen Insider und gleichzeitig eine politische Anthropologie.

Ilona Hartmann: Land in Sicht - Blumenbar
Jana hat ihren Vater nie kennengelernt. Alles, was sie über ihn weiß, ist, dass er als Kapitän auf der MS Mozart arbeitet, einem eher wenig glamourösen Kreuzfahrtschiff für Touristen. Also bucht sie sich kurzerhand eine Woche dort ein. Ob sie sich ihm zu erkennen geben wird, weiß sie noch nicht. Mit knapp hundert Gästen im Seniorenalter und der trinkfesten Bordbesatzung beginnt die Fahrt von Passau nach Wien. Mit großer Sensibilität erzählt Ilona Hartmann die Geschichte einer jungen Frau auf der Suche nach den eigenen Wurzeln. Ein Roman voller Situationskomik und skurriler Begegnungen, aber auch der Beginn einer zärtlichen, tief emotionalen Annäherung zwischen Vater und Tochter, die gerade erst lernen, was es heißt, einander Familie zu sein.

Susan Arndt: Sexismus. Geschichte einer Unterdrückung - C.H.Beck
Zwar ist Sexismus spätestens seit #Aufschrei und #MeToo wieder in aller Munde. Doch meist wird bloß hitzig aneinander vorbei diskutiert. Susan Arndt legt mit ihrem umfassenden Buch die Grundlage für eine fundierte und kritische Debatte jenseits von Verharmlosung und Ziellosigkeit. Nicht wenige übersehen alltäglichen Sexismus oder leugnen ihn; andere wiederum gelten als zu moralisch oder politisch hyperaktiv. Und viele ziehen es inzwischen vor, sich gar nicht mehr zu äußern. Es gibt aber keine neutrale Position gegenüber Sexismus. Denn Sexismus ist ein umfassendes Denk- und Herrschaftssystem, das sich in die DNA unserer Gesellschaft eingeschrieben hat. Susan Arndt identifiziert als seinen Kern das Postulat der binären Zweigeschlechtlichkeit. Es ermöglicht patriarchalische Herrschaft und legt die Grundlagen für die Diskriminierung von Frauen* sowie von homosexuellen, inter*sexuellen und trans*geschlechtlichen Personen. Doch auch Männer* werden vom Sexismus als Individuen normiert und können gebrochen werden. Das Buch zeigt die systemischen Zusammenhänge von Sexismus als Herrschafts- und Machtsystem auf, beschreibt seine Geschichte(n) sowie auch, wie er sich heute äußert. Denn nur, wenn verstanden wird, was Sexismus eigentlich ist, kann er erkannt, verlernt und strukturell nachhaltig unterwandert werden - und koste es auch, Gewohntes oder gar Privilegien, Macht und Herrschaft aufzugeben.