“Georgien ist spannend, charaktervoll und niemals gleichgültig”

Interview mit Simone Bühler, Leiterin des Ehrengast-Programms bei der Frankfurter Buchmesse.

News - Georgien

Simone Bühler ist Leiterin des Ehrengast-Programms bei der Frankfurter Buchmesse (10.-14. Oktober 2018). Im Interview stellt sie die Highlights des Ehrengastauftritts Georgiens auf der diesjährigen Buchmesse vor und verrät ihre persönlichen literarischen Highlights.

Simone Bühler

Simone Bühler

Simone Bühler ist Leiterin des Ehrengast-Programms bei der Frankfurter Buchmesse (10.-14. Oktober 2018).

Simone Bühler ist Leiterin des Ehrengast-Programms bei der Frankfurter Buchmesse (10.-14. Oktober 2018).

 

Georgien ist in diesem Jahr Ehrengast der Frankfurter Buchmesse. Welche Highlights erwarten die Besucher?

Georgien ist ein besonderes Gastland — es bringt nicht nur 70 Autoren, zahlreiche Neuerscheinungen und ein spannendes Programm mit, sondern es kommt gleich mit einem eigenen Alphabet nach Frankfurt. Die kunstvoll geschwungenen Buchstaben, die 33 ‚Characters‘ des georgischen Alphabets, begleiten den gesamten Auftritt.

Herz des Auftritts ist der Ehrengast-Pavillon (Forum, Ebene 1) — hier kann man das Motto „Georgia — Made by Characters“ in einer eigens für den Auftritt gestalteten Rauminstallation und die besonderen ‚Charaktere‘ der georgischen Autoren erleben.

Im Gastland-Pavillon findet man auch die internationale Buchausstellung ‚Books on Georgia‘ — 200 Verlage aus 38 Ländern zeigen ihre aktuellen Titel georgischer Literatur in Übersetzung sowie Bücher über Georgien. Zum Ausklingen des Buchmesse-Tags lädt das Gastland zur Happy Hour mit georgischem Wein und Musik ein, täglich ab 17.00 Uhr.

Außerdem wird Georgien noch fast überall auf der Messe zu finden sein: Neben dem georgischen Nationalstand in Halle 5.0, eigenen Präsenzen in der Gourmet Gallery, in den Bereichen Kinder- und Jugendmedien sowie Bildung und Wissenschaft und auf der Agora, mit Veranstaltungen auf mehr als zehn verschiedenen Bühnen.

Ein besonderes Highlight ist die „Museumsinsel“ im THE ARTS+Areal (Halle 4.1). Erstmalig präsentieren hier die Frankfurter Kulturinstitutionen ihr vielfältiges Kulturprogramm zum Ehrengast Georgien, darunter eine Kopie des im Senckenberg Naturmuseum ausgestellten Dmanisi-Schädels, aber auch Aufnahmen aus den Ausstellungen und kleine eigens für die Museumsinsel entstandene Film-Features.

Wie kann man Georgien über die Messe hinaus in der Stadt erleben?

Die Initiative der Museumsinsel zeigt schon, dass Georgien wie auf der Buchmesse auch in der Stadt in den kommenden Monaten enorm präsent sein wird: Ganze 16 Ausstellungen umfasst das georgische Kulturprogramm und eröffnet dem Publikum einen einzigartigen Zugang zu Georgien und seiner reichen Kunst- und Kulturszene und Zeitgeschehen. Neben Ausstellungen in den Bereichen Architektur und Fotografie gibt es georgische Filmklassiker und vieles andere zu sehen. Besonderes Highlight für Freunde der elektronischen Musik sind die in der internationalen Clubszene hoch angesagten DJs von Bassiani.

Nur noch 2,5 Wochen bis zur Frankfurter Buchmesse: Mit welchen Büchern vom Ehrengast sollte man sich die Wartezeit verkürzen?

Sicherlich mit den Büchern unserer beiden Eröffnungsredner Aka Morchiladze , z.B. Reise nach Karabach (Weidle, 2018, übersetzt von Iunona Guruli) und Der Filmvorführer (Weidle, 2018, übersetzt von Iunona Guruli), die beide in diesem Jahr erstmals übersetzt wurden, und Nino Haratischwili, deren neuer Roman Die Katze und der General (Frankfurter Verlagsanstalt, 2018) sogar schon auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises steht. Außerdem Davit Gabunias Romandebut Farben der Nacht (Rowohlt Berlin, 2018, übersetzt von Rachel Gratzfeld), in dem aktuelle Konfliktthemen der georgischen Gesellschaft behandelt werden. Persönliches Highlight aus den Neuerscheinungen: Das georgische Nationalepos Der Recke im Tigerfell ist großartig nacherzählt von Tilman Spreckelsen mit einzigartigen Illustrationen von Kat Menschik, erschienen unter dem Titel Der Held im Pardelfell (Galiani-Berlin, 2018).

Du warst selbst im Frühjahr in Georgien und hast viel mit Georgiern zusammengearbeitet. Was ist das für ein Land? Wie „tickt“ Geor

Georgien ist spannend, es gibt viele Einflüsse aus unterschiedlichsten Kulturen, die dort wiedererkennbar sind — zugleich ist es sehr eigen, charaktervoll und bewegend und niemals gleichgültig. Aktuell erlebt das Land viele gesellschaftliche Veränderungen und eine neue an Europa orientierte Generation ist im Aufbruch. Georgien hat viel zu erzählen. Das gefällt mir besonders gut. Allerdings ist das bisher noch ein Insidertipp — aber ich bin mir sicher, dass sich das mit dem Gastlandauftritt in Frankfurt ändern wird!

Vielen Dank für das Gespräch!

Frankfurt, 19. September 2018
Das Interview führte Julia Biermann, Volontärin Marketing & Kommunikation bei der Frankfurter Buchmesse.