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„Lass uns nicht mehr von Jugendmedien reden!“

Hendrik Hellige

© Frank Krings

Alle reden von Influencer*innen und der „Generation Greta.“ Zeit für ein Interview mit unserem Kollegen Hendrik Hellige. Er entwickelt mit seinem Team ein neues Areal für junge Zielgruppen auf der Frankfurter Buchmesse.

 

Du willst zusätzlich zu Frankfurt Kids - unserem Areal für Kindermedien - jetzt mit Frankfurt New Generation auch die Generation zwischen 13 und 25 Jahren ansprechen. Warum?

Die Revolution ist schon lange vorüber und die Jugendlichen agieren in ihrer eigenen Gesellschaft: Über die letzten 10 Jahre hat sich die Mediennutzung von Teenagern und jungen Erwachsenen radikal verändert. Dank Smartphones und Social Media können sie gleichzeitig konsumieren und produzieren. Prosumenten statt Medien-Konsumenten – das macht den Erfolg von Plattformen wie YouTube, Instagram, Twitch und TikTok in dieser Zielgruppe aus. Nichts ist falscher als das Klischee des „Smombies“ – also des passiv konsumierenden „Smartphone-Zombies“. Natürlich haben Teenager immer schon ihre Umwelt mitgestaltet, das ist ja der Kern des Erwachsenwerdens. Aber die Sichtbarkeit ihrer Kreativität und der Grad ihrer Vernetzung haben heute völlig andere Dimensionen. Siehe das Phänomen der extrem produktiven Influencer*innen mit ihren riesigen Netzwerken. Dazu kommt das gestiegene Interesse an Themen wie dem Klimawandel, Body Positivity, Ernährung, Mental Health und nachhaltiges Konsumverhalten. Dieser Generation wollen wir mit Frankfurt New Generation auf der Frankfurter Buchmesse einen eigenen Raum geben.

 

Wie siehst du die Verbindung zwischen dieser jungen Generation und der Publishing Branche?

Da reicht ein Blick auf Wattpad: Auf dieser E-Book-Plattform laden User*innen sowohl eigene Fan Fiction zu ihren Lieblingsgeschichten und Charakteren als auch komplett eigene Erzählungen hoch. Sie produzieren und konsumieren die Geschichten, die sie bewegen. Das sind die neuen Akteure der Content-Industrie. Deswegen lass uns bitte nicht mehr von „Jugendmedien“ reden, wenn es um Fan Fiction auf Wattpad, Rezensionen von BookTubern, Twitch-Lesungen oder Book-Challenges auf Instagram geht. Das sind keine Inhalte, die von Erwachsenen für Jugendliche gemacht werden - sondern von der Jugend selbst. Diese neugewonnene Deutungshoheit über ihre eigene Altersgruppe ist eine Herausforderung für die gesamte Branche – auch für uns. Bücher von YouTuber*innen in Belletristik-Verlagen, Kinder-Rezensent*innen sowie Marketing-Kooperationen mit Influencer*innen sind erste Schritte der Verlage. Wir selbst haben 2019 mit unserem Schreibwettbewerb Frankfurt Young Stories inklusive anschließender Anthologie-Veröffentlichung ein Angebot an diese Generation gemacht. 2020 werden wir es mit Frankfurt New Generation ausbauen. Es wird kontroverse Panels und Workshops z.B. mit Bookstagrammer*innen geben, wo auch Brancheninsider noch etwas lernen können.

 

Lass uns zum Schluss über Literatur reden. Wie verändert sich Literatur für Young Adults?

In den letzten 15 Jahren waren die Bestseller für junge Erwachsene meistens Genre-Literatur: Paranormal Romance, Urban Fantasy usw. Aber die neue Generation will auch über ihre eigenen Themen lesen, die sie in unserer Gesellschaft umtreiben: Klimawandel, Feminismus, Rassismus, Influencer-Karrieren, Erfahrungen aus der LGBQT-Community – und das am liebsten von betroffenen Autor*innen aus der eigenen Peer Group. Die Neuerscheinungen in letzter Zeit geben diese Entwicklung deutlich wieder. Und dementsprechend entwickeln wir auch unsere Angebote für die Frankfurt New Generation weiter. Und wir wollen deren Aktiven eine eigene Plattform bieten. Denn diese jungen Leute sind die Zukunft – nicht nur - der Buchbranche.

 

Hendrik, ich danke Dir für das Gespräch!

(Das Interview führte Frank Krings, PR Manager der Frankfurter Buchmesse)

 

Hendrik Hellige, Business Development Children Books & Visual Culture ist auch auf LinkedIn vertreten.