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"Ich glaube, dass es einer erfolgreichen Literaturverfilmung gelingt, auf ihre eigene Art und Weise etwas auszudrücken, was nur das Medium Film erreichen kann – basierend auf der Romanvorlage."

Gleich zwei der zehn Bücher, die beim Pitching-Event "Books at Berlinale" einem Publikum von Filmproduzent*innen vorgestellt wurden, kamen dieses Jahr aus Kanada, dem Ehrengastland der Frankfurter Buchmesse 2021.  "The Confetti Flight Path" (La Trajectoire Des Confettis) von Marie-Ève Thuot ist ein multigenerationaler Roman, dessen Charaktere in sozialen Normen gefangen sind und alle langsam die Grenzen des Anstands für sich ausloten. Wir haben mit ihr über die Möglichkeit gesprochen, dass ihr Buch verfilmt werden könnte. 

Marie-Ève Thuot

© Isabelle Lafontaine

Wie fühlt es sich an, dass Ihr Buch für eine Literaturverfilmung gepitcht wird?

Milan Kundera, einer meiner Lieblingsschriftsteller, sagt, dass ein guter Roman etwas ausdrückt, dass nur in dieser Form vermittelt werden kann. Demzufolge ist für ihn eine erfolgreiche Adaption eines Romans, sei es als Theaterstück oder anderweitig, unmöglich. So interessant diese Idee auch ist, glaube ich eher, dass es einer erfolgreichen Literaturverfilmung gelingt, auf ihre eigene Art und Weise etwas auszudrücken, was nur das Medium Film erreichen kann – basierend auf der Romanvorlage. Ich schaue mir gern einen Film an, der etwas aus meinem Buch herauskristallisiert, was ich selbst nicht direkt darin gesehen habe.

Wie stellen Sie sich Ihr Buch als Film vor? Haben Sie zum Bespiel eine Wunschbesetzung oder eine*n Traumregisseur*in?

Für mich ist die vielstimmige Struktur des Narrativs der wichtigste Aspekt meines Romans, demensprechend würde ich mir die Verfilmung als Ensemblefilm vorstellen, in dem mehrere Schauspieler*innen gleich viel Screen time bekommen. Was die ideale Besetzung angeht, ist das eine ziemlich schwierige Frage, weil ich mich bewusst zurückgehalten habe, physische Beschreibungen der Charaktere in meinem Roman vorzunehmen.

Waren Filme wichtig für die Entwicklung Ihres Schreibens und Geschichtenerzählen?

Ich würde nicht sagen, dass bestimmte Filme mein Schreiben direkt beeinflusst haben. Dennoch, wenn ich so zurückblicke, gibt es offensichtlich Themen, Ästhetik(en) und Schnitt-Stile in Filmen, die mich beeindrucken und die mein Verständnis von Kunst beeinflusst haben. Filme, die Themen wie sexuelle Identität und Tabus offen und mutig angehen (Pedro Almodovar, Rainer Werner Fassbinder, Xavier Dolan), bunte Ensemblefilme (Robert Altman, Quentin Tarantino), Erkundungen des female gaze (Sofia Coppola, Andrea Arnold), und, allgemeiner gesprochen, Filme von Paul Thomas Anderson, Claire Denis, David Lynch etc. hatten alle einen Einfluss auf die Bildung meiner künstlerischen Sensibilität.

Sollte Ihr Buch tatsächlich verfilmt werden, wären Sie gern Teil an diesem Prozess beteiligt?

Ich habe keine Erfahrungen im Filmgeschäft, aber soweit ich weiß, sind Drehbuchschreiben und Romanschreiben zwei unterschiedliche Herausforderungen. Ich denke, das hängt alles vom kreativen Prozess ab, für den sich die Personen, die Regie führen und/oder das Drehbuch geschrieben haben, entscheiden; die einen ziehen es vor, eine Romanvorlage mit ihrer eigenen Interpretation der Thematik zu tränken, während andere anstreben, ihre Verfilmung möglichst nah an der Vorlage zu formen. Wie dem auch sei, es wäre mir natürlich eine Ehre, mit eine*r Künstler*in zusammenzuarbeiten, der*die Interesse an meiner Arbeit zeigt, sei es in einer beratenden Funktion oder sogar in einer Ko-Autor*innen-Partnerschaft.

Danke für das Gespräch!

Das Interview führte Pia Springsklee, Volontärin Kommunikation bei der Frankfurter Buchmesse