Direkt zum Inhalt

Noch 331 Tage

Planen Sie Ihren Messebesuch

#OnTheSamePage Buchempfehlungen/ Book Recommendations

I'M ON THE SAME PAGE - 2019
david schalko

Buchempfehlung von David Schalko

David Schalko ist ein in Wien lebender Autor von Lyrik, Romanen und Drehbüchern, die er als Regisseur auch verfilmt. Sein persönlicher Buchtipp ist "Der Fall" von Albert Camus.

David Schalko ist ein in Wien lebender Autor von Lyrik, Romanen und Drehbüchern, die er als Regisseur auch verfilmt. Sein persönlicher Buchtipp ist "Der Fall" von Albert Camus.

Wer keinen Charakter hat, muss sich wohl oder übel eine Methode zulegen. Dieser Satz ist mir auch nach zwei Jahrzehnten in Erinnerung geblieben. Es ist Camus´ Antwort auf Jenseits von Gut und Böse. Der Bußrichter Clamence erzählt seinen Fall, der nicht nur ein sozialer, sondern auch ein zu bewertender ist. Auf den ersten Blick: Ein guter Mensch. Auf den zweiten: Ein besserer, der seine Wohltaten nur vollbringt, um sich selbst zu erheben. Er zieht seinen Hut am liebsten vor einem Blinden, weil er ihn in Wahrheit für das Publikum zieht. Camus erzählt den Fall eines Übermenschen, der sein Einfühlungsvermögen für Selbstzwecke einsetzt, aber letztendlich kein Mitgefühl kennt. Eines Abends ignoriert er eine Selbstmörderin. Weil die Kosten/Nutzen Rechnung nicht stimmt. Als ihn später ein unsichtbares Lachen dafür verhöhnt, begreift er die niedrige Motivation seines Handelns und begeht Rufselbstmord, indem er sich freiwillig dem Spott aussetzt. Aber auch diese Katharsis erkennt er als Heuchelei. In Zeiten, in denen wir über Empathie, Narzissmus, Opfergesellschaft, Werteverfall und den kapitalistischen Übermenschen diskutieren, ist es bestimmt kein Fehler, diese Novelle wieder zur Hand zu nehmen.

Albert Camus: Der Fall. Aus dem Französischen von Guido G. Meister. Reinbek bei Hamburg 1997, 128 Seiten, 8,99 Euro, ISBN: 978–3–49922191–0

Dr Ruth Westheimer

Book recommendation by Dr Ruth Westheimer

Ruth Westheimer, better known as Dr. Ruth, is a German-born, Jewish immigrant to the United States who became a fixture in late-night television and a major pop culture figure as a sex therapist, media personality, and author. She recommends "Witness: Lessons from Elie Wiesel’s Classroom" from Ariel Burger.

Ruth Westheimer, better known as Dr. Ruth, is a German-born, Jewish immigrant to the United States who became a fixture in late-night television and a major pop culture figure as a sex therapist, media personality, and author. She recommends "Witness: Lessons from Elie Wiesel’s Classroom" from Ariel Burger.

Ariel Burger: Witness: Lessons from Elie Wiesel’s Classroom.

Elie Wiesel’s legacy as a moral leader of the world is well known. His fearlessness as a witness to the horrors of the Holocaust and his leadership in condemning current crimes against humanity make understanding his values and thought process an invaluable asset for the world.

Although many know him as a Nobel Peace Prize Laureate, Professor Wiesel had a long career as an educator as well, especially at Boston University and he would often say that he wanted to be remembered as a teacher. In Witness, Ariel Burger turns us all into Elie Wiesel’s students, as he shares his memories as Wiesel’s student, assistant and friend, in this beautiful memoir about the master teacher.

This important contribution to the literature of pedagogy, an effective tool in counteracting Holocaust denial, also fulfills the Talmud’s dictum that a lesson taught with humor is a lesson retained.

Readers will enjoy this book so much, they might not even realize how much they’re learning from it. Bravo.

Ruth Westheimer, better known as Dr. Ruth, is a German-born, Jewish immigrant to the United States who became a fixture in late-night television and a major pop culture figure as a sex therapist, media personality, and author. Ariel Burger: Witness: Lessons from Elie Wiesel’s Classroom.

Ariel Burger: Witness: Lessons from Elie Wiesel’s Classroom. Houghton Mifflin Harcourt, 288 pages, $26, ISBN: 978–1–328–80269–9

Laksmi Pamuntiak

Book recommendations by Laksmi Pamuntiak

Laksmi Pamuntjak is an Indonesian poet, essayist, and award-winning novelist. Her publications are internationally well-known. She also writes articles for the Guardian.

Laksmi Pamuntjak is an Indonesian poet, essayist, and award-winning novelist. Her publications are internationally well-known. She also writes articles for the Guardian.

Wachsmann, Nikolaus: KL


The definitive history of the Nazi concentration camps, whose highest achievement is its seamless welding of prodigious scholarship and a novelist’s attention to detail, human texture, character, and unvarnished humanity.

The Right to Have Rights

A slim book of essays recently published by Verso by four academics each trying, focusing on one word, to unpack the famous Hannah Arendt phrase, “The right to have rights.” It also looks at Arendt’s initial skepticism of the 1948 Universal Declaration of Human Rights, as she later enshrined in her 1951 masterpiece The Origins of Totalitarianism.

Uki Goni: The Real Odessa and Atwood, Margret: A Handmaid’s Tale

The former is a chilling study on the extent to which Argentina’s mass killing program — resulting in some 30,000 of its ‘disappeared’ — might have been influenced by the country’s harboring of numerous Nazi war criminals such as Adolf Eichmann and Joseph Mengele after the war. It also looks at the premise of the latter, a novel of great power: the heinous practice, inspired by the Lebensborn program, of keeping women alive as human incubators, murdering them after they gave birth and handing their babies to raise as their own. It also speaks to our times: that a society that separates children from their parents is a society that is already on the path of totalitarianism.

Gordimer, Nadine: July’s People

The story a white family forced out of their home by black rioters, who are taken in by their servant July and must now live as he lives, trusting him with their lives. Spare, unsentimental, written almost with cold candor, it looks at the nature of power reversal, the incompatibility between fear and true intimacy, and sex as a liberating form of self-exile.

Axel Honneth

Buchempfehlung von Axel Honneth

Axel Honneth ist Direktor des Instituts für Sozialforschung an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main, Professor für Sozialphilosophie an der Goethe-Universität Frankfurt und Jack C. Weinstein Professor of the Humanities an der Columbia University in New York. Er empfiehlt "Alle, außer mir" von Francesca Melandri.

Axel Honneth ist Direktor des Instituts für Sozialforschung an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main, Professor für Sozialphilosophie an der Goethe-Universität Frankfurt und Jack C. Weinstein Professor of the Humanities an der Columbia University in New York. Er empfiehlt "Alle, außer mir" von Francesca Melandri.

Francesca Melandri: Alle, außer mir.


Was es heißt, als Jugendlicher der elementarsten Menschenrechte zu entbehren und deswegen zur Flucht aus dem eigenen Heimatland gezwungen zu sein, lässt sich jetzt an dem wundervollen Roman Alle, außer mir von Francesca Melandri aufs lebendigste nachvollziehen. Eingebettet in eine komplexe Geschichte über das Fortwirken des italienischen Kolonialismus bis in die Gegenwart erzählt die Autorin von der Odyssee des Senya Bantiwalu, dem der Regierungsterror in Äthiopien keine andere Möglichkeit lässt, als sich alleine auf den gefährlichen und entwürdigenden Weg über die libyschen Flüchtlingslager und das Mittelmeer bis hin nach Rom zu machen, um hier verzweifelt unter Vorspiegelung einer anderen Identität nach Asyl zu suchen. Wer nach der Lektüre dieser erschütternden Beschreibung einer Flucht noch immer nicht der Überzeugung ist, die europäischen Staaten besäßen eine menschenrechtliche Pflicht zur Rettung jedes einzelnen auf dem Mittelmeer treibenden Flüchtlings, ob Kind, Jugendlicher, Mann, Frau oder Greis, dem mag es an dem Gran an Mitleids- und Solidaritätsempfinden mangeln, das uns als Menschen auszeichnet.

Francesca Melandri: Alle, außer mir. Aus dem Italienischen von Esther Hansen. Wagenbach 2018, 608 Seiten, € 26,00, ISBN: 978–3–8031–3296–

Sandra Richter

Buchempfehlung von Sandra Richter

Sandra Richter ist eine deutsche Germanistin, Literatur- und Politikwissenschaftlerin und ab Januar 2019 Direktorin des Deutschen Literaturarchivs Marbach. Sie liest "Masaniello" von Christian Weise.

Sandra Richter ist eine deutsche Germanistin, Literatur- und Politikwissenschaftlerin und ab Januar 2019 Direktorin des Deutschen Literaturarchivs Marbach. Sie liest "Masaniello" von Christian Weise.

Christian Weise: Masaniello

Auch in Europa brauchten Menschenrechte lange bis sie rechtens waren. In seinem Drama Masaniello (1683) fragt der Zittauer Autor und Schulrektor Christian Weise, was einem Volk in Not geschieht. Sein Text handelt von dem Fischer Masaniello, der in Neapel tatsächlich für zehn Tage eine Volksherrschaft errichtete. Der damals so genannte „Pövel“ protestiert im Drama gegen die durch steigende Abgaben verursachte Hungersnot, fordert sein Recht auf Leben und versucht, es den Adligen gleich zu tun: ihre Kleider anzuziehen, ihre Speisen zu genießen. Der „Pövel“ scheitert bei Weise an sich selbst, kann weder mit Verantwortung noch mit Opulenz umgehen. Ein Narr und ein Erzbischof kritisieren das entfesselte Volk ebenso wie den maßlosen Vizekönig. Sie senken die Abgabenlast und stellen die alte Ordnung wieder her, schon um eine erneute Revolte zu verhindern: Menschen galten noch lange nicht als gleich, und gleiche Rechte für alle waren undenkbar.

Christian Weise: Masaniello. Reclam 2012, 206 Seiten, 6,80 Euro, ISBN: 978–3–15–009327–6

Friedrich Fossmann

Buchempfehlung von Friedrich Forssmann

Friedrich Forssman ist ein deutscher Buchgestalter, Typograf, Gebrauchsgrafiker und Fachautor. Sein persönlicher Buchtipp ist "Erwachsenensprache. Über ihr Verschwinden aus Politik und Kultur" von Robert Pfaller.

Friedrich Forssman ist ein deutscher Buchgestalter, Typograf, Gebrauchsgrafiker und Fachautor. Sein persönlicher Buchtipp ist "Erwachsenensprache. Über ihr Verschwinden aus Politik und Kultur" von Robert Pfaller.

Robert Pfaller: Erwachsenensprache. Über ihr Verschwinden aus Politik und Kultur.


„Wenn jemand, den man nicht leiden kann, oder gar für eher blöd hält, dieselbe Meinung vertritt wie man selbst, ist das misslich”, so beginnt ein SZ-„Streiflicht”, und in dieser Lage befindet sich oft, wer sich gegen die gut gemeinten Spracheingriffe wendet, die unseren Alltag verdüstern. Die kritischen Stimmen von weit rechts weisen zuverlässig das dort notorische Theoriedefizit auf und sind mit Agenden kontaminiert, die mit der Sache nichts zu tun haben. Wie erfrischend, dass Robert Pfaller mit „Erwachsenensprache” eine Kritik von links an den Versuchen vorgelegt hat, ausgerechnet die Grammatik zum Austragungsort von Gerechtigkeit zu machen — auf Kosten des Menschenrechtes der Gleichheit: Identitätspolitische Sprachmarkierungen weist Pfaller als auf links gewendeten Neoliberalismus aus; das Ideal einer Gemeinschaft gleichberechtigter Bürger wird der (im eigentlichen Sinne diskriminierenden) Kenntlichmachung von Gruppen- und Einzelidentitäten geopfert, wie er überzeugend und kurzweilig darlegt.


Robert Pfaller: Erwachsenensprache. Über ihr Verschwinden aus Politik und Kultur. S. Fischer 2017, 256 Seiten, 14,99 Euro, ISBN: 978–3–596–29877–8

Daniel Beskos

Buchempfehlung von Daniel Beskos

Daniel Beskos ist Verleger und Mitbegründer des Hamburger mairisch Verlags und Erfinder des Indiebookdays. Er empfiehlt "Underground Railroad" von Colson Whitehead.

Daniel Beskos ist Verleger und Mitbegründer des Hamburger mairisch Verlags und Erfinder des Indiebookdays. Er empfiehlt "Underground Railroad" von Colson Whitehead.

Colson Whitehead: Underground Railroad

Ich möchte an dieser Stelle gerne den Roman Underground Railroad von Colson Whitehead empfehlen, erschienen im Hanser Verlag. Eine eindrücklichere, beklemmendere Schilderung von dem, was geschieht, wenn eine Menschengruppe glaubt, über eine andere verfügen zu können, habe ich selten gelesen. Die Beschreibung der Verhältnisse und der Repressalien, die die Sklaven in den USA noch bis ins 19. Jahrhundert erleben mussten, sind wirklich schwer vorstellbar — umso erschreckender die Feststellung, dass es Menschen in anderen Teilen der Welt bis heute ähnlich ergeht. Ein Buch, dass einen wirklich aufrüttelt und zugleich bestärkt für den Kampf für Menschenrechte überall.

Colson Whitehead: Underground Railroad. Hanser Verlag 2017, 352 Seiten, 24,00 Euro, ISBN: 978–3–446–25774–0

Ulrike Guérot

Buchempfehlung von Ulrike Guérot

Ulrike Guérot ist Professorin für Europapolitik und Demokratieforschung an der Donau-Universität Krems und Gründerin des European Democracy Lab (EDL) in Berlin. Sie forscht über die Zukunft des europäischen Integrationsprozesses. Sie liest "Waltenberg" von Hédi Kaddour.

Ulrike Guérot ist Professorin für Europapolitik und Demokratieforschung an der Donau-Universität Krems und Gründerin des European Democracy Lab (EDL) in Berlin. Sie forscht über die Zukunft des europäischen Integrationsprozesses. Sie liest "Waltenberg" von Hédi Kaddour.

Hédi Kaddour: Waltenberg.

Hédi Kaddour‘s großartiger Panorma-Roman über das 20. Jahrhundert ist zwar schon mehr als zehn Jahre alt, entfaltet aber inmitten der andauernden Krise Europas und des aufflackernden Populismus und Nationalismus gerade seine volle Wirkung. Sprachlich atemlos geschrieben, wandert er durch das 20. Jahrhundert von Verdun zur deutschen Wiedervereinigung und lässt nichts aus: I. und II. Weltkrieg, spanischer Bürgerkrieg, Holocaust, Stalinismus, französischer Kolonialismus im damaligen Cochinchina, amerikanischer Imperialismus. Man begegnet John Maynard Keynes ebenso wie Aristide Briand, André Malraux oder Helmut Kohl. Der über vier Protagonisten meisterhaft verknüpfte Roman verbindet knapp 100 Jahre europäische Geschichte von 1914 bis 1989 in einer Art, die deutlich macht, dass Europa als Wiege der Erklärung der Menschenrechte auch im 20. Jahrhundert versagt hat, seinen eigenen universalistischen Ansprüchen gerecht zu werden und leuchtet die große Erzählung des europäischen Friedensprozesses bis an den Rand ihrer Brüchigkeit aus.

Hédi Kaddour: Waltenberg. Aus dem Französischen von Grete Ostwald. Eichborn 2009, 742 Seiten, € 29,95, ISBN: 978 3 821 8579 09

Namita Gokhale

Book recommendation by Namita Gokhale

Namita Gokhale is a writer, publisher, and founder and co-director of the Jaipur Literature Festival, India, and Mountain Echoes, the Bhutan Literature Festival, and she is director of Yatra Books, a publishing house specialised in translation. She recommends "The Hour Past Midnight" by Salma.

Namita Gokhale is a writer, publisher, and founder and co-director of the Jaipur Literature Festival, India, and Mountain Echoes, the Bhutan Literature Festival, and she is director of Yatra Books, a publishing house specialised in translation. She recommends "The Hour Past Midnight" by Salma.

Salma: The Hour Past Midnight

Salma’s moving and provocative novel The Hour Past Midnight is the English translation of Irandaam Jaamathin Kadai from the original Tamil. It examines the lives of a group of closeted Muslim women in Tamil Nadu, India, telling us the stories of small rebellions and almost invisible subversions that add up to acts of courage and assertion.
 
 To quote Supriya Nair, “It is not only her characters that bring about change by breaking silence — the very act of narrative draws attention to, and empowers, Salma and the cloistered world of women in Southern India she writes about.”
 
 Salma understands well the dynamics of power, within families, within society, and her life as a writer has been a way to establish power, for herself and others like her. She has also been politically active in State politics, but it is as a writer that she has scripted change and demonstrated the capacity for transformative action though the power of narrative. 
 
 “It was a huge issue for the community of the small village where I started writing,” she says. “Ah, an unmarried Muslim girl has had her name published!” — “That was enough for people to ridicule or insult me. I knew from the very beginning that what I thought and wrote about would go against the grain of popular thinking, with social critiques and assessment that will have to bear certain consequence.”
 
 When asked, “What does power mean to you?” she replied “For me, the first shade in which the word ‘power’ colours itself is in terms of the power yielded over women. It functions in the name of love, family, society, religion, and more, in different sources and in different forms. But I am not blind to the other possibilities and manifestations of it. I am surprised at the changes in my own life, as a writer as well as a politician. Women’s participation in politics accords them a certain power with which it is possible to do things, bring about changes.” 
 
 Salma is not writing about Muslim women, or Tamil women, alone. Her writing is at many levels transcendent, reaching out to the very core of the human situation. And that indeed is the power of great writing and the impact it makes on the world.

Salma: The Hour Past Midnight. Translated by Lakshmi Holmstrom, Zubaan Books 2016, 480 pages, $19.00, ISBN: 978 81 89884 66 6

Srecko Horvat

Book recommendation by Srećko Horvat

Srećko Horvat, philosopher from Croatia, originally born in Yugoslavia in 1983, published more than ten books translated into more than fifteen languages. His writing has appeared in international newspapers and magazines. In 2015, Horvat, together with former Greek finance minister Yanis Varoufakis, launched the Pan-European political movement called Democracy in Europe Movement 2025 (DiEM25).

Srećko Horvat, philosopher from Croatia, originally born in Yugoslavia in 1983, published more than ten books translated into more than fifteen languages. His writing has appeared in international newspapers and magazines. In 2015, Horvat, together with former Greek finance minister Yanis Varoufakis, launched the Pan-European political movement called Democracy in Europe Movement 2025 (DiEM25).

Stefan Zweig: The World of Yesterday — Memories of a European

If there is one single book that contains numerous important lessons for our own short 21st century, when democracy and peace seem to belong, once again, to the world of yesterday, then it is without any doubt Stefan Zweig’s autobiography under the same title (Die Welt von Gestern). However, even today, with the rise of new forms of fascism or authoritarian and xenophobic regimes across Europe — and the world — this “world of yesterday” could soon become our “world of tomorrow”.

In “Die Welt von Gestern”, maybe one of the best autobiographies ever written, Stefan Zweig didn’t only cover the biggest historical events of the first part of the 20th century, he described in detail how it was possible that the world could easily sink into a global war with devastating consequences for millions of people.

Just a few days before the eruption of the First World War, he discovered something strange. It was summer 1914, which was “sommerlicher” than any summer before, says Zweig, and he describes the atmosphere. He was having a holiday in Baden, near Vienna, a small romantic city that was once Beethoven’s favourite Sommeraufenthalt. Yet, while the Austrian middle-class was enjoying the cloudless sky, the Bosnian Serb student Gavrilo Princip would shoot Franz Ferdinand in Sarajevo and the First World War would break out.

What Zweig described so well in June 1914 repeated itself at the end of the war again. The best depiction of this ‘carefreeness’ wasn’t developed in Zweig’s autobiography, but in an article which appeared under the title ‘A Carefree Life’ in The New Free Press in 1918. It is a story about a visit to the Sorglosen (care-free people) in the Alps of St. Moritz, who live a luxurious life with fresh air, polo and dance. At the same time, ‘Europe falls into rubble. The gypsy band fiddles away. Ten thousand people die every day. Dinner is over and the masked ball begins. Widows sit shivering in all the chambers of the world. A bare-shouldered marquise steps forward, a masked Chinese opposite. Masks and more masks pour in. And truly, they are real — not a human face amongst them. The mirror sconces are lit. The dance commences; sweet, soft rhythms, while elsewhere ships sink into the deep and trenches are stormed’.

After the First World War, Zweig was convinced such atrocities could never happen again. But the same pattern of ‘carefreeness’ would repeat itself again. Just before the Second World War, Zweig noticed: ‘My house in Salzburg lay so close to the border that with the naked eye I could view the Berchtesgaden mountain on which Adolf Hitler’s house stood, an uninviting and very disturbing neighbourhood. This proximity to the German border, however, gave me an opportunity to judge the threat to the Austrian situation better than my friends in Vienna. In that city the café observers and even men in the Government regarded National Socialism as something that was happening “over there” and that could in no way affect Austria.”

Today when nazi violence is occuring (not only) in Chemnitz and Western European governments — including Germany, Italy and Austria — are forming a new “Axis” (under this very name), we should read “Die Welt von Gestern”, not only in order to learn about our own disappearing world — but to think and act in order to create a different world of tomorrow.

Stefan Zweig: The World of Yesterday — Memories of a European. Translated by Anthea Bell. Pushkin Press 2011, 480 pages, £12.99, ISBN: 978 190 6548 674

Olga Martynova

Buchempfehlung von Olga Martynova

Olga Martynova schreibt Lyrik (auf Russisch) und Essays und Prosa (auf Deutsch). Sie lebt in Frankfurt am Main. Sie war mit dem im Juli 2018 verstorbenen Autor Oleg Jurjew verheiratet.Olga Martynova schreibt Lyrik (auf Russisch) und Essays und Prosa (auf Deutsch). Sie lebt in Frankfurt am Main. Sie war mit dem im Juli 2018 verstorbenen Autor Oleg Jurjew verheiratet

Olga Martynova schreibt Lyrik (auf Russisch) und Essays und Prosa (auf Deutsch). Sie lebt in Frankfurt am Main. Sie war mit dem im Juli 2018 verstorbenen Autor Oleg Jurjew verheiratet.Olga Martynova schreibt Lyrik (auf Russisch) und Essays und Prosa (auf Deutsch). Sie lebt in Frankfurt am Main. Sie war mit dem im Juli 2018 verstorbenen Autor Oleg Jurjew verheiratet

Olga Martynova: „Ich möchte dringend auf das von den Vereinten Nationen erst vor kurzem, während ihrer 71. Generalversammlung erklärte Menschenrecht auf Frieden verweisen und mit den Worten des am 5. Juli 2018 verstorbenen Oleg Jurjew ein Buch über die Schrecken des Krieges empfehlen:

Jacques Callot: Die großen Schrecken des Krieges.


„Man muß bedenken, daß der Dreißigjährige Krieg in der europäischen Geschichte der erste Totalkrieg, der erste Krieg aller gegen alle war, der Weltkrieg Nr. 0 sozusagen. Der Pilot. Vor dem Hintergrund aller utopischen Erwartungen, die noch vor fünf Jahren allgegenwärtig gewesen waren, wirkte die totale Grausamkeit besonders grausam, denn der Krieg schien unendlich zu sein und geschah überall, ohne klare Fronten.

Europäer von heute, nimm dir eine große starke Lupe und betrachte langsam die Seiten dieses Buchs. Und erinnere dich an das Ende der Geschichte, das seit 1992 den Westen einige Zeit euphorisierte … Die Geschichte hat jedoch kein Ende und kann es nicht haben, daran erinnern uns diese Callot-Bilder, seine Les grandes misères de la guerre.“ Oleg Jurjew

Jacques Callot: Die großen Schrecken des Krieges. 18 Radierungen. Herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Bernd Schuchter. Limbus Verlag 2016, 66 Seiten, € 20,00, ISBN 978–3–99039–094–8.

Wladimier Kaminer

Buchempfehlung von Wladimir Kaminer

Wladimir Kaminer ist privat ein Russe und beruflich ein deutscher Schriftsteller, der die meiste Zeit mit Lesungen und Vorträgen verbringt. Er empfiehlt "Der Archipel Gulag" von Alexander Solschenizy.

Wladimir Kaminer ist privat ein Russe und beruflich ein deutscher Schriftsteller, der die meiste Zeit mit Lesungen und Vorträgen verbringt. Er empfiehlt "Der Archipel Gulag" von Alexander Solschenizy.

Alexander Solschenizyn: Der Archipel Gulag.

Von allen Büchern über die Unabdingbarkeit der Menschenrechte war für mich das Buch von Alexander Solschenizyn „Der Archipel Gulag“ am eindrücklichsten.

In diesem Buch beschreibt der Autor anhand unzähliger Zeugenberichte, Briefe und Dokumente, was einem großen Land widerfahren kann, das aus Begeisterung, Leichtsinn oder Naivität alle Werkzeuge der Kontrolle über die eigenen Staatsorgane verliert und sich einer Ideologie unterwirft, die ihm fortschrittlich und alternativlos erscheint. Jedes Persönlichkeitsrecht wurde unter der stalinistischen Diktatur der Willkür des Staates geopfert:

Die Idee, dass der Mensch allein wertlos, nur ein Mittel zum Zweck sei, sollte eine Abkürzung ins Paradies, in die helle kommunistische Zukunft garantieren.

Stattdessen verwandelte sich das große Land in ein Arbeitslager. Dort landete beinahe das gesamte Volk, dort litten und starben Millionen, ob sie Kommunisten oder Antikommunisten waren, spielte keine Rolle. Das Fazit von Solschenizyns Buch ist für mich: Man darf die Menschenrechte weder zu Gunsten einer Ideologie noch aus Angst, das Boot wäre zu voll, abkürzen, sonst stolpert der Staat irgendwann über die Leichen seiner Bürger und säuft ab.

Alexander Solschenizyn: Der Archipel Gulag. Aus dem Russischen von Anna Peturnig und Ernst Walter. S. Fischer 2008, 544 Seiten, € 16,00, ISBN: 978–3–596–18423–1

Arnon Grunberg

Book recommendation by Arnon Grunberg

Arnon Grunberg is a Dutch writer of novels, essays, and columns, as well as a journalist. He lives in New York. He recommends "Waiting for the Barbarians — A Novel" by J.M. Coetzee.

Arnon Grunberg is a Dutch writer of novels, essays, and columns, as well as a journalist. He lives in New York. He recommends "Waiting for the Barbarians — A Novel" by J.M. Coetzee.

J.M. Coetzee: Elizabeth Costello.


“That is my thesis today: that certain things are not good to read or to write. To put the point another way: I take seriously the claim that the artist risks a great deal by venturing into forbidden places: risks, specifically, himself; risks, perhaps, all. I take this claim seriously because I take seriously the forbiddenness of forbidden places.” J.M. Coetzee writes in the chapter The Problem of Evil in his book Elizabeth Costello (2003).

It’s impossible to take evil seriously, for an artist or any other citizen, without taking seriously the forbiddenness of forbidden places. Perhaps the word “evil” is too religious, too mythical, too attractive for that matter and at the same time too often misused by politicians and demagogues and for that reason too common, almost pedestrian. But we can agree that there are forbidden places, that taboos exist, often for good reasons.

According to Coetzee, if we want to venture into forbidden places in order to better understand the dark side of humanity, and to expand our knowledge and understanding of our own dark side, we have to take certain risks.

His point (or perhaps I should say Elizabeth Costello’s) is not that we should avoid certain themes altogether, that we should indulge in myopia in order to feel more at home in this world. Rather, the question is: how can one write about and depict human goriness without glorifying it, without making it pleasantly titillating?

Coetzee’s novel “Waiting for the barbarians” (1980) may provide an answer to this question. It’s a novel about the state, the Empire, (‘Empire dooms itself to live in history and plot against history’), its servants, its victims, torture, its means and its ends, and love that has become almost indistinguishable from acts of protection and abuse.

In this novel, Coetzee shows that you don’t have to write out all the gore in order to make the reader see it. “They came to my cell to show me the meaning of humanity, and in the space of an hour they showed me a great deal.”

“Waiting for the barbarians” is a slim novel which will take you only a couple of hours to read. When you have finished reading it, you will know much more about the meaning of humanity.

J.M. Coetzee: Waiting for the Barbarians — A Novel. Penguin Books, 192 pages, $17.00, ISBN: 978–0–143–11692–9

Ismael Serageldin

Book recommendation by Ismail Serageldin

Ismail Serageldin, Founding Director Emeritus of the Library of Alexandria, has published over 100 books and monographs on a variety of topics, including biotechnology, rural development, sustainability, and the value of science to society. He serves as Chair and Member of a number of advisory committees for academic, research, scientific and international institutions.

Ismail Serageldin, Founding Director Emeritus of the Library of Alexandria, has published over 100 books and monographs on a variety of topics, including biotechnology, rural development, sustainability, and the value of science to society. He serves as Chair and Member of a number of advisory committees for academic, research, scientific and international institutions.

Jean Anouilh: Antigone.

When asked to write a short review and recommendation for a book that would be part of the campaign to celebrate the 70th anniversary of the Universal Declaration of Human Rights, I was delighted to accept, and I chose Jean Anouilh’s Antigone.

Drawing on the famous ancient Greek play of Sophocles, Anouilh gives us a more complex characterization. Antigone, princess of the realm, stands up to her uncle Creon, who has taken power after a severe conflict and who decreed that the body of her brother should not be buried (which in ancient Greece meant that he could not join the gods in the hereafter). The play is therefore about the individual standing up against the power of the state in defiance of an unjust edict.

But where the Creon of old is a just a tyrant, demanding absolute obedience and promoting order and discipline, the Creon of Anouilh is a realist, who confronts the problems of the state, and makes compromises because that is the only thing that can save the state. He indicates that he does what he does because it is his duty, not because he wants to. To save the city he does not have the luxury to reflect if innocent people are getting killed. His reasoning is seductive. But Antigone then challenges the slippery slope on which his eloquent exhortation takes us, by saying “No”! No to compromise, for once you will say “yes” you will pay for that yes, and you will continue to pay… She says No and is willing to die for it.

That confrontation between Creon and Antigone, where he defends his need to shoot at the mob, a “nameless mass of people”, in order to grab the wheel and to “redress the ship of state against the storm” is one of the most powerful texts I have read or seen performed on the stage.

That logic of compromise on principle for expediency, for the “higher interests of the state” is one of the most insidious themes of modern times, and indeed when compromises start, we do not know where they will end. We need to be reminded that human rights are about every single human being, and the condemnation of a single innocent person, the abridgement of the rights of a single individual is a breach against each and every one of us. Human rights are indivisible. They are not given by the state, but belong to the individual by virtue of being a human being. There can be no compromises. An important reminder as we celebrate the 70th anniversary of the Universal Declaration of Human Rights. Please take the time to re-read Anouilh’s Antigone.

Jean Anouilh: Antigone. Translated by Barbara Bray, edited by Ted Freeman, Bloomsbury 2009, 144 pages, $12.95, ISBN: 978 04 13695 406

Helena Janeczek

Buchempfehlung von Helena Janeczek

Helena Janeczek ist eine italienische Schriftstellerin deutsch-polnischer Herkunft und Trägerin des prestigeträchtigen italienischen Literaturpreises Premio Strega 2018. Sie empfiehlt "Alle, außer mir" von Francesca Melandri.

Helena Janeczek ist eine italienische Schriftstellerin deutsch-polnischer Herkunft und Trägerin des prestigeträchtigen italienischen Literaturpreises Premio Strega 2018. Sie empfiehlt "Alle, außer mir" von Francesca Melandri.

Francesca Melandri: Alle, außer mir.

Ein Roman, der seit Monaten auf der Bestsellerliste ist, braucht wohl keine weitere Empfehlung. Francesca Melandris Alle, außer mir (Wagenbach) zeigt aber wie das Erbe der Menschenrechte erzählerisch vermittelt werden kann. In einer römischen, mittelständischen Familie taucht eines Tags ein wörtlich “schwarzes Schaf” auf: der uneheliche Sohn des alten Attilio Profeti, der, an der faschistischen Besetzung Äthiopiens beteiligt, sich damals wohlmöglich an einem “Verbrechen gegen die Menschlichkeit” mitschuldig gemacht hat. Doch um nach Europa zu gelangen, musste der junge Äthiopier die brutalsten Misshandlungen überleben, die heute vor allem in Libyen an der Tagesordnung sind. Wenn es sich um Menschen handelt, die aus Afrika flüchten, sind Menschenrechten noch immer nicht Priorität — was diese literarische Geschichtswanderung so brisant macht.

Francesca Melandri: Alle, außer mir. Aus dem Italienischen von Esther Hansen. 608 Seiten, 26,00 Euro, ISBN: 978–3–8031–3296–3

Denis Scheck

Buchempfehlung von Denis Scheck

Denis Scheck ist ein deutscher Literaturkritiker, Übersetzer und Journalist in Hörfunk und Fernsehen. Er empfiehlt Ngũgĩ wa Thiong’o: Herr der Krähen.

Denis Scheck ist ein deutscher Literaturkritiker, Übersetzer und Journalist in Hörfunk und Fernsehen. Er empfiehlt Ngũgĩ wa Thiong’o: Herr der Krähen.

Ngũgĩ wa Thiong’o: Herr der Krähen

Ihr Arschkriecher. Ihr Speichellecker. Ihr Sesselpupser. Ihr Duckmäuser. Ihr Mitläufer. Ihr Liebediener. Ihr Heuchler. Ihr Rückgratlosen. Ihr Karrieristen. Ihr Schmeichler. Ihr Opportunisten. Ihr Korrupten. Ihr, die Ihr vorn mit den Menschenrechten wedelt und hinten die Hand aufhaltet. Ihr, die ihr eure Haut, euer Hirn und euer Herz täglich zu Markte tragt. Ihr, die euch nicht billig genug verkaufen könnt. Ihr, die für jeden die Schenkel spreizt, der genug hinblättert: dies ist euer Buch! In diesem Bestiarium der Schleimer seid ihr in eurer ganzen Vielfalt beschrieben. Es heißt „Herr der Krähen“, der Roman spielt in einem fiktiven Land in Afrika, und geschrieben hat ihn der 1938 geborene Kenianer Ngũgĩ wa Thiong’o, der heute aus guten Gründen in den USA lebt.

Ngũgĩ wa Thiong’o: „Herr der Krähen“, Aus dem Englischen von Thomas Brückner, Fischer, 944 S., 13,99 €, ISBN: 978–3596191727

Regula Venske

Buchempfehlung von Regula Venske

Regula Venske ist Präsidentin des PEN-Zentrums Deutschland, Mitglied im Präsidium von PEN International, freie Schriftstellerin und Moderatorin. Sie liest "Zivilisierte Verachtung: Eine Anleitung zur Verteidigung unserer Freiheit!" von Carlo Strenger.

Regula Venske ist Präsidentin des PEN-Zentrums Deutschland, Mitglied im Präsidium von PEN International, freie Schriftstellerin und Moderatorin. Sie liest "Zivilisierte Verachtung: Eine Anleitung zur Verteidigung unserer Freiheit!" von Carlo Strenger.

Carlo Strenger: Zivilisierte Verachtung: Eine Anleitung zur Verteidigung unserer Freiheit.

„Wenn andere Kulturen nicht kritisiert werden dürfen, kann man die eigene nicht verteidigen“: In seinem sehr lesenswerten Essay Zivilisierte Verachtung geht der Schweizer-israelische Philosoph und Existenzialpsychologe Carlo Strenger mit den Denkverboten der ‚Political Correctness‘ ins Gericht und stellt das Toleranzprinzip der Aufklärung wieder auf die Füße. Denn das fordert die Menschenrechte und Freiheiten des Individuums gegenüber dem Staat, nicht aber, dass alle religiösen, weltanschaulichen und kulturellen Ansichten und Praktiken generell toleriert werden müssten. Im Gegenteil! Carlo Strenger empfiehlt ‚Zivilisierte Verachtung‘ als eine disziplinierte Haltung, nicht gegenüber Menschen, wohl aber gegenüber undemokratischen Meinungen und irrationalen Glaubensdogmen. Bald 30 Jahre nach der Fatwa gegen Salman Rushdie und in Zeiten, in denen sich rechte Hetzer als Verteidiger des Abendlandes wähnen, lege ich diese ‚Anleitung zur Verteidigung unserer Freiheit‘ jedem und jeder ans Herz!

Carlo Strenger: Zivilisierte Verachtung: Eine Anleitung zur Verteidigung unserer Freiheit. Suhrkamp Verlag 2017, 104 Seiten, € 10,00, ISBN: 978–3–518–07441–1

Sudhir Kakar

Book recommendation by Sudhir Kakar

Sudhir Kakar is a psychoanalyst, novelist and author in the fields of cultural and religious psychology. He lives in Goa, India. He recommends "Selected Stories" by Saadat Hasan Manto.

Sudhir Kakar is a psychoanalyst, novelist and author in the fields of cultural and religious psychology. He lives in Goa, India. He recommends "Selected Stories" by Saadat Hasan Manto.

Saadat Hasan Manto: Selected Stories.

The murderous violence that accompanied the partition of the Indian subcontinent in 1947 into two states of India and Pakistan after the ending of the British colonial rule, has been the most traumatic event in the subcontinent’s recent history. The Partition is estimated to have displaced over 14 million people as refugees from one of the two newly-created countries to the other, and a loss of lives in excess of a million, not to speak of brutal rapes and abductions of thousands of women belonging to one religious community by the men of the other.

No one has conveyed the experience of these gruesome events in ordinary lives of Hindus and Muslims better than Sadat Hasan Manto, the Urdu writer who died in 1955 at the early age of 43. The book I recommend is the English translation of some of his best short stories, including ‘Thanda Gosht’ (‘Cold Meat’), ‘KhoI Do’ (Open It)J ‘1919 Ki Baat’ (‘It happened in 1919’), ‘TobaTek Singh’ and ‘Titwal Ka Kutta’ (‘The Dog of Titwal’). Like the dead-pan satire of his best known story Toba Tek Singh, set in the lunatic asylum of Lahore where the authorities have remembered that the lunatic inmates must also be separated according to their religion and repatriated to the countries of their co-religionists, Manto’s stories are replete with irony. His artistry in rendering the obliteration of all human values during the Partition violence reminds us of the truth of Tolstoy’s observation that the function of art is to make that understood which in the form of argument would be incomprehensible. Manto’s stories, ironic meditations on darkness, on the darkness within human beings, have the paradoxical effect of enabling the reader’s eye to begin to see in the dark. In lighting up a collective trauma of such vast proportions, Manto shows that darkness can become a prelude to light, hopelessness a prelude to awareness, depression a prelude to renewal.

Saadat Hasan Manto: Selected Stories. Translated by Aatish Taseer. Vintage/Random House India, 2008, ISBN: 81–84001–44–4.

Barbara Kalender und Jörg Schröder

Buchempfehlung von Barbara Kalender und Jörg Schröder

Barbara Kalender und Jörg Schröder verlegen, gestalten und schreiben Bücher und bloggen aus Berlin. Sie empfehlen das Buch von Annett Gröschner: Berolinas zornige Töchter — 50 Jahre Berliner Frauenbewegung, herausgegeben vom FFBIZ.

Barbara Kalender und Jörg Schröder verlegen, gestalten und schreiben Bücher und bloggen aus Berlin. Sie empfehlen das Buch von Annett Gröschner: Berolinas zornige Töchter — 50 Jahre Berliner Frauenbewegung, herausgegeben vom FFBIZ.

Wir empfehlen für Ihre Kampagne das Buch von Annett Gröschner: Berolinas zornige Töchter — 50 Jahre Berliner Frauenbewegung, herausgegeben vom FFBIZ.

Es ist eine der kenntnisreichsten und bestrecherchierten Veröffentlichungen zum Thema. Besonders interessant ist die Gegenüberstellung des Feminismus West-Berlin und Ost-Berlin. Das hat es bisher nicht gegeben. Und der Bildteil ist ebenso selten.

Annett Gröschner: Berolinas zornige Töchter — 50 Jahre Berliner Frauenbewegung, Berlin 2018, 343 Seiten, 10,00 Euro, ISBN: 978–3–98195611–5

Elisabeth Niggemann

Buchempfehlung von Elisabeth Niggemann

Elisabeth Niggemann ist Generaldirektorin der Deutschen Nationalbibliothek mit den Standorten Leipzig und Frankfurt am Main. Sie liest "Transit" von Anna Seghers.

Elisabeth Niggemann ist Generaldirektorin der Deutschen Nationalbibliothek mit den Standorten Leipzig und Frankfurt am Main. Sie liest "Transit" von Anna Seghers.

Anna Seghers: Transit


Anna Seghers beschreibt in ihrem Roman Transit Menschen im französischen Exil, die während der Zeit des nationalsozialistischen Terrorregimes bedroht und verfolgt wurden, ihre Staatsangehörigkeit verloren, die erleben mussten, dass ihre Familie und ihre Freunde ermordet oder in Konzentrationslager verschleppt wurden. Sie selbst entkamen zwar, erleben dann aber im Exil, wie die Situation ihnen schleichend ihre Identität raubt. Nicht nur die gleichnamige Verfilmung von Christian Petzold aus diesem Jahr zeigt, wie aktuell das Thema heute ist. Auch das Deutsche Exilarchiv 1933–1945 der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt belegt mit seiner Dauerausstellung „Exil. Erfahrung und Zeugnis“ die Aktualität früherer Exil-Erfahrungen und engagiert sich damit für die Einhaltung der Menschenrechte.

Anna Seghers: Transit. Aufbau Verlag 2018, 309 Seiten, 12,00 Euro, ISBN: 9783746635019

Andreas Rötzer

Andreas Rötzer

Andreas Rötzer ist seit 2004 Verleger von Matthes & Seitz Berlin. Sein persönlicher Buchtipp ist "Vermächtnis einer Jugend" von Vera Brittain.

Andreas Rötzer ist seit 2004 Verleger von Matthes & Seitz Berlin. Sein persönlicher Buchtipp ist "Vermächtnis einer Jugend" von Vera Brittain.

Vera Brittain: Vermächtnis einer Jugend

Als junge Studentin verliert Vera Brittain ihren Bruder und ihren Geliebten in den Schlammwüsten des Ersten Weltkriegs. Sie begibt sich selbst an die Front und erlebt als Krankenschwester unvorstellbares Leid. Einem Leben ohne Krieg gilt fortan das ganzes Tun dieser entschiedenen Pazifistin und Frauenrechtlerin; zeitlebens setzte sie sich dafür ein, dass es nie wieder eine Generation gäbe, der durch einen Krieg alles genommen würde, denn auch ein Leben in Frieden ist ein Menschenrecht. »Vermächtnis einer Jugend« ist das eindrückliche Zeugnis dieses Kampfes für den Frieden und präzise autobiografische Schilderungen der Erfahrungen von Frauen im Krieg, ihres Einsatzes, ihrer Hoffnungen, Ängste und ihrer Trauer. Brittain rückt die konkreten Schrecken und Folgen für das eigene Leben so nahe wie kaum ein anderes literarisches Zeugnis. »Man sagt mir, dass mein Buch die Menschen zum Weinen bringt. Es wäre mir lieber, es brächte sie zum Nachdenken.«

Vera Brittain: Vermächtnis einer Jugend. Aus dem Englischen von Ebba D. Drolshagen. 528 Seiten, Berlin 2018, 30,00 Euro, ISBN: 978–3–95757–611–8

Bettina Stangneth

Buchempfehlung von Bettina Stangneth

Bettina Stangneth ist unabhängige Philosophin, Historikerin, sie arbeitet von Hamburg aus an einer Theorie der Lüge. Sie liest Michael Köhler: Recht und Gerechtigkeit — Grundzüge einer Rechtsphilosophie der verwirklichten Freiheit.

Bettina Stangneth ist unabhängige Philosophin, Historikerin, sie arbeitet von Hamburg aus an einer Theorie der Lüge. Sie liest Michael Köhler: Recht und Gerechtigkeit — Grundzüge einer Rechtsphilosophie der verwirklichten Freiheit.

Michael Köhler: Recht und Gerechtigkeit — Grundzüge einer Rechtsphilosophie der verwirklichten Freiheit.

Vielleicht gab es nie einen größeren Irrtum als die Hoffnung, dass Vernünftiges unverrückbar und beständig ist, nur weil es zufällig einmal in die Welt kam. Learning by doing reicht nicht. Ohne systematisch einheitliche Begriffe geht Recht allzu schnell in überschwänglichem Moralisieren oder berechnendem Pessimismus unter. «Recht und Gerechtigkeit», das Meisterwerk des Hamburger Rechtsphilosophen Michael Köhler, lehrt wie kein anderes Buch die Herleitung des Menschenrechts als Form allgemeiner Freiheit. Und klare Begriffe allein ermöglichen prinzipiengeleitetes Handeln über Generationen hinweg. Das Recht, heißt es bei Immanuel Kant, ist das einzige Heilige, das in der Welt ist. Das Menschenrecht ist der einfachste, also der schwerste Gedanke, den Menschen sich zu realisieren vornehmen können. Da sollte niemand schon vor 900 Buchseiten zurückschrecken.

Michael Köhler: Recht und Gerechtigkeit — Grundzüge einer Rechtsphilosophie der verwirklichten Freiheit. Tübingen 2017, 915 Seiten, 139,00 Euro, ISBN: 978–3–16–154982–3

Vincent Klink

Buchempfehlung von Vincent Klink

Vincent Klink ist ein Küchenmeister, Autor, Herausgeber und Verleger von kulinarischer Literatur und er kocht im Fernsehen. Er liest Éric Vuillard: Die Tagesordnung.

Vincent Klink ist ein Küchenmeister, Autor, Herausgeber und Verleger von kulinarischer Literatur und er kocht im Fernsehen. Er liest Éric Vuillard: Die Tagesordnung.

Buchempfehlung von Vincent Klink

Am 20. Februar 1933 trafen sich auf Einladung des Reichstagspräsidenten Hermann Göring die Bosse der deutschen Industrie. Man einigte sich auf viele Millionen Reichsmark an Wahlhilfe für die Nazis. Dafür erntete die Großindustrie das Versprechen, dass Gewerkschaften und die Rechte der Arbeiter nahezu abgeschafft werden sollten. In jedem Satz des Buches wird unsere heutige Situation spürbar, dass nämlich 2018 und seit vielen Jahren schon, nicht mehr der Staat, und somit die Bürger, die Richtlinien für Banken und Wirtschaft festlegen, sondern das Großkapital die Politik an der Gurgel hat und die Regeln bestimmt.

Sieht man am Horizont eine Schurkerei heraufziehen und schaut hinter diese, so stößt man immer auf Geld, das jemandem weggenommen wird und von dem jemand anderer profitiert. Der sogenannte Anschluss Österreichs wird in Vuillards Buch beschrieben und es ging nicht um die Heimat Hitlers, sondern um die reichen Erzvorkommen Österreichs und das Kapital der Juden. Man kann über Rassenwahn nachdenken, aber letztlich ging es auch ums Geld. In Berlin zählte man beispielsweise 36 000 jüdische Wohnungen. Diese Immobilien, sowie das Inventar, gingen samt und sonders in den Besitz fahnentreuer Arier über. In Frankfurt wurden gleichfalls innerhalb kürzester Zeit 7 500 Wohnungen, Stühle, Schränke, Kochtöpfe und Kunst kassiert. Der Holocaust war der größte Raubmord aller Zeiten.

Nun scheint es, dass sich die Geschichte wiederholt. Es fängt wieder ziemlich harmlos an, mit Egomanen, wie Trump, Erdogan, Jaroslaw Kaczyński. Es gibt viele Leute, die an solche Leute glauben, und es ist für die eigene Standortbestimmung wichtig ein Buch zu lesen wie die „Tagesordnung“ von Éric Vuillard.

Éric Vuillard: Die Tagesordnung. Aus dem Französischen von Nicola Denis. Berlin 2018, 128 Seiten, 18,00 Euro, ISBN: 978–3–95757–576–0

Shantel

Buchempfehlung von Shantel

stefan hantel aka shantel ist Musiker, Musikproduzent und DJ, er gehört zu den international populärsten Vertretern des Balkan-Pop. Er empfiehlt "Die Gedächtnislosen — Erinnerungen einer Europäerin" von Géraldine Schwarz.

stefan hantel aka shantel ist Musiker, Musikproduzent und DJ, er gehört zu den international populärsten Vertretern des Balkan-Pop. Er empfiehlt "Die Gedächtnislosen — Erinnerungen einer Europäerin" von Géraldine Schwarz.

Géraldine Schwarz: Die Gedächtnislosen — Erinnerungen einer Europäerin


die politische landschaft europas macht gerade dramatische veränderungen durch. fast überall sind rechtspopulistische bewegungen im vormarsch.

der offene, grenzenlose und kosmopolitsche spirit europas ist bedroht. rückfälle in dumpfen nationalismus, rassismus und die schleichende aushöhlung demokratischer prozesse hängen auch sehr stark mit einem verloren gegangenen geschichtbewusstsein zusammen. je mehr die staaten europas ihre geschichte und ihre mitverantwortung für die verbrechen des nationalsozialismus ausgeblendet haben, umso anfälliger sind sie für die neuen formen des rechtspopulismus.

die deutsch-französische autorin géraldine schwarz dokumentiert und rekonstruiert schonungslos ihre eigene familiengeschichte, die von individueller verantwortung in einer diktatur handelt, von der schuld der sogenannten mitläufer, die bis weit nach dem ende des zweiten weltkriegs ihre mitverantwortung an den naziverbrechen leugneten. géraldine schwarz bettet ihre familiengeschichte stets in historische zusammenhänge ein und stellt reiches quellenmaterial zur verfügung. die Erinnerungen einer Europäerin sind ein spannendes und dramatisches plädoyer für eine lebendige geschichtsaufarbeitung. nur ein kritischer geist ist in der lage, die gefahren, denen europa derzeit ausgesetzt ist, frühzeitig zu erkennen. ein starkes statement gegen geschichtsrevisionismus und nationalismus.

Géraldine Schwarz: Die Gedächtnislosen — Erinnerungen einer Europäerin. Aus dem Französischen von Christian Ruzicska. Secession Verlag 2018, 445 Seiten, 28,00 Euro, ISBN: 978–3906910307