So sieht die Frankfurter Buchmesse ab 2026 aus
Kürzere Wege, klarere Bereiche, mehr Treffpunkte: Die Frankfurter Buchmesse stellt ihre Hallen neu auf – mit Publikumsbereichen unten und Fachbereichen oben. Im Interview mit dem Börsenblatt erläutert Christian Ebert, Geschäftsleitung Marketing und Vertrieb, was Besucher*innen und Aussteller künftig erwartet.
Das neue Hallenkonzept hat für viel Aufregung und Unzufriedenheit gesorgt. Haben sich die Wogen jetzt geglättet?
Ein neues Hallenkonzept verändert Routinen, gewohnte Wege, bewährte Nachbarschaften – natürlich gibt es da Reaktionen. Die Verlage wollen Klarheit, und genau daran arbeiten wir jeden Tag. Wir merken: Für das Gesamtkonzept der Frankfurter Buchmesse 2026 erfahren wir viel Zuspruch. Bei einzelnen Ständen klären wir noch Details. Aber die Fragen dazu sind jetzt konkreter, die Gespräche sind konstruktiv. Ich bin überzeugt, dass wir 2026 eine erneuerte Messe haben, von der Aussteller, Fachbesucher*innen und das Privatpublikum profitieren.
War das Kommunikationskonzept schuld? Ein Kritikpunkt lautete, dass nur mit den großen Playern gesprochen worden sei.
Wir haben in den letzten Monaten mit vielen Kundengruppen gesprochen – persönlich und digital. Die Gespräche mit einigen großen Verlagen fanden früher und konkreter statt, weil ihre Platzierung als Ankerpunkte die Hallenlogik bestimmt. Seitdem diese Ankerpunkte feststehen, können wir mit den weiteren Ausstellern gezielt planen. So entsteht ein stimmiges Gesamtbild für 2026 – mit klarer Struktur für Fachbesucher*innen und Publikum.
Manchen geht der Umbau zu schnell, sie wünschen sich eine Verschiebung der Neuordnung des Hallenlayouts. Warum hält die FBM 2026 für den richtigen Zeitpunkt?
Wir haben früh entschieden, das Hallenlayout neu zu ordnen. Damit stärken wir die Fachmesse und bringen mehr Struktur in den Publikumsbereich. Zahlreiche Kundengespräche im Sommer haben uns darin bestärkt, dass 2026 der richtige Zeitpunkt ist. Die Verlage wollen ein klareres Layout, nachvollziehbare Wege und mehr Trennung von Publikums- und Fachbereichen. Das neue Konzept setzt genau hier an. So schaffen wir einen konzentrierten Handelsplatz. Und wir erleichtern Begegnungen zwischen Autor*innen und ihren Fans.
Für die New Adult-Halle 1.2 ist nach zwei Jahren schon wieder Schluss. Warum?
Die Halle 1.2 haben wir 2024 in unser Konzept aufgenommen, um mehr Raum für Verlage, Autor*innen und Leser*innen aus dem Bereich New Adult zu schaffen. Das neue Hallenkonzept holt jetzt dieses Thema und seine Fans näher an die anderen Ausstellungsbereiche heran: auf einer Messeebene rund um die Agora. Das stärkt die Sichtbarkeit aller Angebote unserer Publikumsverlage und macht das Messeerlebnis für unsere Besucher*innen runder. So nehmen wir das Positive aus Halle 1.2 mit – und integrieren es in ein größeres Gesamtkonzept.
In der Diskussion ist überwiegend die Verteilung der großen und kleinen Publikumsverlage auf die unteren Hallen. Ist die Belegung der oberen Ebenen problemlos?
Die oberen Ebenen sind auf Aussteller mit klarem B2B-Fokus und das Fachpublikum ausgerichtet: Rechtehandel, internationale Verlage und Dienstleister, Fachprogramme und Networking-Events. Dort greifen die Wege schneller. Durch das neue Konzept stärken wir die Fachmesse, indem wir sie von der Dynamik des Privatpublikums entkoppeln. Deshalb sind viele Kund*innen dem neuen Konzept zugewandt. Natürlich gibt es auch hier kritische Stimmen und einzelne Herausforderungen beim Standbau. Genau wie mit den Publikumsverlagen führen wir aktuell viele Gespräche und suchen nach individuell passenden Lösungen.
Die Teilnahme an der FBM geht ins Geld. Wird es 2026 noch einmal teurer?
Wir wissen, wie genau die Branche auf Kosten schaut. Leider haben wir auf Reise-, Logistik- und Übernachtungskosten keinen Einfluss. Dafür sind unsere Preise für 2026 transparent und bereits kommuniziert. Es gibt keine versteckten Aufschläge. Gleichzeitig bieten wir Lösungen für mehr Budget-Effizienz an: frühere Platzierungszusagen, klarere Ausstattungsoptionen, modularere Pakete. Entscheidend ist, dass die Frankfurter Buchmesse den Mehrwert bietet, der sie auszeichnet: als Handelsplattform, als Publikumsmagnet und als kulturelles Großevent mit medialer Reichweite.
Die kleinen Verlage ächzen unter den Kosten. Die kleinste Einheit, vier Quadratmeter, kostet 1496 Euro, mit Frühbucherrabatt und ohne Ausstattung. Wäre zum Wohle der Vielfalt nicht auch eine höhere Subvention denkbar?
Kleine Verlage sind ein wichtiger Teil der Buchmesse. Denn Vielfalt entsteht nicht von allein – sie braucht Räume, die zugänglich sind. Wir fördern das bereits mit vergünstigten Paketen, etwa für Erst- oder Zweitaussteller. Auch in dem für Kleinflächen vergünstigten Quadratmeterpreis steckt der Solidargedanke. Seit vielen Jahren praktizieren wir das schon so.
Aber noch mehr Subventionen hätten Folgen: Sie müssten an anderer Stelle gegenfinanziert werden. Deshalb arbeiten wir lieber an intelligenten Modellen: etwa an Gemeinschaftsflächen, effizienteren Standbau-Optionen oder Programminseln, die ebenfalls Sichtbarkeit schaffen. So sichern wir Vielfalt nicht allein über Subventionen, sondern über smarte Strukturen.
Standumbauten sind ein großer Kostenfaktor. Wie kann die FBM helfen, diese Kosten möglichst gering zu halten?
Standumbauten sind für viele Aussteller ein wichtiger Kostenpunkt. Unser Ziel ist, bestehende Standkonzepte optimal in die neue Hallenumgebung zu übertragen. Wo das nicht eins zu eins möglich ist, unterstützen unsere Architekt*innen und Berater*innen bei Lösungen, die zum Budget passen: etwa über angepasste Maße oder modulare Standbausysteme.
Können die Messebauer jetzt loslegen?
Sobald die Platzierung verbindlich bestätigt ist, können die Messebauer wie gewohnt loslegen.
Gibt es Planungssicherheit? Wie lange wird das neue Hallenkonzept Bestand haben?
Die Neuordnung schafft die räumlichen Voraussetzungen für eine langfristige Entwicklung der Frankfurter Buchmesse: als weltweit führende Fachmesse und als attraktives Publikumsevent. Selbstverständlich planen wir hier mit einem mehrjährigen Horizont. Diese Stabilität und Planungssicherheit möchten wir unseren Kunden bieten. Gleichzeitig bleibt das Konzept offen für Weiterentwicklungen. Strategisch denken und dabei beweglich bleiben – das ist unser Ansatz.
Die Ankermieter in den unteren Ebenen wurden platziert. Gibt es für die anderen Verlage noch Verhandlungsspielraum? Bis wann müssen alle Verlage platziert sein?
Die größten Stände und Ausstellungsbereiche müssen bei der Planung frühzeitig gesetzt werden – sie geben den Rahmen vor. Zugleich wollen wir für mittlere und kleinere Aussteller ausreichend Spielraum lassen. 2026 findet die Messe eine Woche früher statt. Damit alle rechtzeitig planen können, wollen wir die Platzierung bis Anfang Mai abschließen. Je früher uns konkrete Wünsche vorliegen, desto besser können wir sie noch berücksichtigen.
Welche Möglichkeiten bietet das neue Hallenlayout für die inhaltliche Weiterentwicklung der Frankfurter Buchmesse?
Das neue Hallenlayout schafft Raum für eine klarere Ansprache der Zielgruppen. Im Bereich Publishing Partners können wir internationale Partner, Verbände und Organisationen sichtbarer bündeln. Für Professionals entstehen mehr Networking-Bereiche, Arbeitszentren und eine passende Infrastruktur. Für das Publikum erweitern wir die Angebote: mehr Bühnen, Ruhezonen, Fotospots und eine Infrastruktur, die einen entspannten und barrierearmen Besuch ermöglicht.
Was ist neu beim Bühnenkonzept?
In den vergangenen Jahren hat sich das Angebot auf der Frankfurter Buchmesse verschoben: weniger statische Produktpräsentation, dafür mehr Interaktion. Ob inspirierende Fachvorträge oder Begegnungen mit bekannten Autor*innen – vieles davon findet heute auf Bühnen statt. Darauf reagieren wir und bauen die Bühnenkapazität 2026 deutlich aus. Neben den Bühnen unserer zahlreichen Partner wird es künftig in allen vier Publikumshallen jeweils eine zentrale Bühne geben. Diese Bühnen sind für alle Aussteller buchbar. Auf diese Weise erreichen unsere Kunden zusätzliche Zielgruppen, ohne in eine Zweitpräsenz investieren zu müssen.
Was ändert sich beim Audiobook?
Audio zählt zu den dynamischsten Bereichen der Frankfurter Buchmesse. Unter dem Begriff Frankfurt Audio bündeln wir alle Angebote rund ums gesprochene Wort und schaffen klare Strukturen für Aussteller, Streamingdienste und Hörbuchverlage. Business und Publikum erhalten jeweils ein eigenes Areal. Auf der oberen Ebene stehen Dienstleister, Produktion und technische Lösungen im Mittelpunkt. Im Erdgeschoss entsteht ein Erlebnisraum mit Bühne, Hörstationen und Begegnungsflächen. Für Frankfurt Audio bedeutet das: mehr Gewicht, mehr Sichtbarkeit, mehr Dialog.
Sollen die Publikumstage 2026 weiter ausgeweitet werden?
Die Frankfurter Buchmesse ist die wichtigste internationale Fachmesse – und das soll sie auch langfristig bleiben. Eine Ausweitung der Publikumstage ist derzeit nicht vorgesehen. Wir setzen auch 2026 auf das Modell: Fachmesse von Mittwoch bis Sonntag; Publikumsmesse ab Freitag. Mit dem neuen Hallenkonzept schaffen wir Platz für die Angebote am Wochenende und klare Räume für das Fachpublikum während der gesamten Messewoche. Diese Balance halten wir, weil sie beiden Seiten dient.
Und zum Schluss: Wie sieht das Zielbild der Frankfurter Buchmesse für 2030 aus?
2030 sehen wir eine Frankfurter Buchmesse, die ihre Rolle im internationalen Geschäft klar ausspielt und zugleich enger mit Kreativbranchen vernetzt ist. Besucher*innen erleben Räume, die Austausch erleichtern – für Fachgespräche ebenso wie für Begegnungen zwischen Autor*innen und Publikum. Das neue Hallenlayout bildet dafür die Grundlage: mit klaren Bereichen für das Fachpublikum, offenen Angeboten für Literaturfans und Arealen, in denen neue Kooperationen entstehen. Frankfurt bleibt in Bewegung – mit der Branche, für die Branche.
(Das Interview erschien erstmals im Börsenblatt(Öffnet neues Fenster), geführt von Sabine van Endert, stellvertretende Chefredakteurin.)
Mehr zum neuen Hallenkonzept finden Sie hier.