Direkt zum Inhalt

Noch 112 Tage

Planen Sie Ihren Messebesuch

Otra Mirada

Otra Mirada: Diskussionsrunde mit (v.l.) Diego Morena (Nórdica Libros), Hernán López Winne (Godot Ediciones), Heinrich von Berenberg (Berenberg Verlag) und Valeria Bergalli (Ediciones Minúscula)

© Marifé Boix García

Fünf Monate vor dem Gastlandauftritt von Spanien findet ein reger Austausch zwischen der deutschen und spanischen Literaturwelt statt. Vom 18. bis 19. Mai wurde in Barbastro (Aragonien) die Fachtagung der Buchbranche Otra Mirada ausgerichtet, in Kooperation mit der Frankfurter Buchmesse. Dann folgte vom 20. bis 22. Mai das Internationale Literaturfestival Barbitania. Beide Veranstaltungen standen im Zeichen des spanischen Ehrengast-Buchmesseauftritts: „Hacia Fráncfort 2022“. Wichtigstes Ziel war, miteinander in Dialog zu treten, weshalb nicht nur Gäste aus Spanien, sondern auch aus Lateinamerika und Deutschland vor Ort waren. Die deutsche Beteiligung am Literaturfestival Barbitania wurde durch die Unterstützung des Auswärtigen Amts ermöglicht. An der Organisation der Veranstaltungen war die Buchhandlung (Librería) Cálamo aus Zaragoza, Spanien, maßgeblich beteiligt.

Otra Mirada – Spannende Debatten in der Buchbranche

220 Vertreter:innen von unabhängigen Verlagen, Buchhandlungen und dem Großhandel trafen sich in der malerischen Kleinstadt Barbastro, um sich auszutauschen. Neben internationalen Gästen aus Argentinien, Chile, Guatemala, Kolumbien und Mexiko waren von deutscher Seite die Verlage S.Fischer und Berenberg sowie die Buchhandlung am Moritzplatz in Berlin vertreten. In einem dichten Programm ging es zwei Tage lang um den Indie-Buchmarkt.

Nach den Eröffnungsworten durch María José Galvez vom spanischen Kulturministerium sprachen Marifé Boix-Garcia von der Frankfurter Buchmesse und Eva Orúe von der Feria del Libro de Madrid über die Besonderheiten der beiden Messen.

Für die Teilnehmenden taten sich während der Otra Mirada durch den Blick auf andere Ansätze ganz neue Perspektiven auf: „Es war unglaublich spannend, sich mit den Kollegen aus Spanien und Lateinamerika auszutauschen. Ich denke, wir konnten viel voneinander lernen“, so Ben von Rimscha von der Buchhandlung am Moritzplatz. Er stellte im Gespräch mit der mexikanischen Buchhändlerin Verónica Mendoza und dem Spanier Enrique Pascual von Marcial Pons das Onlineshop-Modell eBuch vor. Sein Beitrag zu innovativen Vertriebsmodellen stieß auf großes Interesse bei den spanischsprachigen Kolleg:innen. Neben den Gesprächsrunden wurden unkonventionelle Projekte vorgestellt, wie etwa Irúdika, ein Illustratoren-Treffen im Baskenland oder die interdisziplinären Buchaktivisten ¡Hostia un Libro! in der Peripherie von Madrid.

 

Das Festival Barbitania – spanische und deutsche Autor:innen im Gespräch

Zum Wochenende füllte sich Barbastro mit mehr zwanzig Schriftsteller:innen, vor allem aus Spanien, aber auch aus Lateinamerika und anderen europäischen Ländern. Jeweils unter einem „Vínculo“ (Leitwort) wie „Familie“, „Macht“ oder „Netz“ tauschten sich Autor:innen zu einem bestimmten Thema aus. Aus Deutschland waren Sabrina Janesch, Verena Boos und Adriana Stern angereist, die dem spanischen Publikum ihre Werke vorstellten und sich an den thematischen Gesprächsrunden beteiligten. Janesch sprach mit Agustín Fernández Mallo und der Baskin Edurne Portela über „Gewalt“ und wie Traumata von Generation zu Generation weitergegeben werden. Das Gespräch von Verena Boos mit Héctor Abad und Berna González stand unter dem Leitwort „Geschichte“. Die Referent:innen machten dem Publikum deutlich, wie wichtig die Verarbeitung von Geschichte für die Zukunft ist.

Viele spanische Autor:innen wurden im Hinblick auf den Gastlandauftritt zum ersten Mal ins Deutsche übersetzt, so auch die Festivalgäste Berna González mit ihrem Prado-Krimi „Goyas Ungeheuer“ oder  Sergio del Molino mit „Leeres Spanien“.

Der Abschied am Sonntag fiel nicht leicht. Für Heinrich von Berenberg war Otra Mirada ein Motivationsschub: „Das war ein absolut perfekt organisiertes Treffen mit einer ebenso perfekten Auswahl von Teilnehmern. Spanier, Lateinamerikaner aus fünf Ländern. Buchhändler, Verleger, Vertriebskollegen. Ich habe selten so viel dazu gelernt. Und alles überstrahlt von einer Gastfreundschaft und Verve, die einen ganz melancholisch macht.“ Gut zu wissen, dass man sich bald in Frankfurt wiedersieht.

23. Mai 2022, von Mirjam Ziegler, Barcelona, Spanien.