Kotau vor der Tech-Wirtschaft oder Fair Play? Der AI Act und die Zukunft der Kreativität in Europa
Paneldiskussion zum AI Act, fairer KI-Politik und der Zukunft der Kreativität in Europa
Generative Künstliche Intelligenz verändert die Buchbranche grundlegend – sie eröffnet enorme Chancen, bringt jedoch auch tiefgreifende Herausforderungen mit sich. Denn Generative KI-Modelle mit allgemeinem Verwendungszweck (GPAI) entstehen nicht im luftleeren Raum: Sie basieren auf den Werken kreativer Köpfe.
In der Vergangenheit wurden diese große KI-Systeme oft mit urheberrechtlich geschütztem Material trainiert – ohne Wissen, Zustimmung oder Vergütung der Urheber:innen und Rechteinhaber:innen. Mit dem AI Act wurde erstmals ein europäischer Rechtsrahmen geschaffen, der den Umgang mit Künstlicher Intelligenz regeln soll. Ein bedeutender Schritt: KI-Entwickler sollen stärker in die Pflicht genommen werden – etwa durch Transparenzpflichten wie die Offenlegung der verwendeten Trainingsdaten. Aktuell scheint die EU-Kommission der Mut zu verlassen, sich gegenüber der Tech-Wirtschaft durchzusetzen.
Diskutiert werden u.a. folgende Aspekte:
- Wie geht es weiter mit der europäischen KI-Regulierung?
- Wie kann eine faire KI-Politik aussehen, die den Leistungen der Kultur- und Kreativwirtschaft besser Rechnung trägt?
- Was braucht es, um schöpferische Arbeit zu schützen – und Innovationen zugleich rechtskonform und fair zu ermöglichen?
- Wie kann Europas Kreativität (wieder) souverän werden?
Teilnehmende:
Sven Lehmann, Vorsitzender des Bundestagsausschusses für Kultur und Medien, Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen
Sven Lehmann wurde am 4. Dezember 1979 in Troisdorf Sieglar geboren. Er studierte Politikwissenschaften, Romanistik und Pädagogik an der Universität zu Köln und schloss 2006 mit dem Magister Artium ab.Seit 2017 ist er Mitglied des Deutschen Bundestages und vertritt im Wahlkreis Köln II sein Land Nordrhein-Westfalen direkt In der vergangenen Legislaturperiode fungierte er als Sprecher seiner Fraktion für Sozial- und Queerpolitik. Von Dezember 2021 bis Mai 2025 war er Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend; zeitgleich war er seit Januar 2022 Beauftragter der Bundesregierung für die Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt (Queer-Beauftragter).Seit dem 21. Mai 2025 ist Sven Lehmann Vorsitzender des Ausschusses für Kultur und Medien im Deutschen Bundestag.
Nicole Pfister Fetz, Generalsekretärin des European Writers’ Council (EWC)
Nicole Pfister Fetz ist eine Schweizer Kunsthistorikerin und langjährig erfahrene Kulturinteressenvertreterin. Nach Tätigkeiten an Museen und freien Kulturprojekten leitete sie von 2007 bis Juni 2023 den Berufsverband AdS Autorinnen und Autoren der Schweiz und war Vorstandsmitglied bei ProLitteris sowie bei Suisseculture, dem Dachverband der schweizerischen Kulturschaffenden. Seit Anfang Juli 2023 ist sie Generalsekretärin des European Writers’ Council (EWC), des einzigen europäischen Dachverbands der Berufsverbände von Autor:innen und literarischen Übersetzer:innen. Gleichzeitig bleibt sie Präsidentin der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (GSK) sowie von Suisseculture Sociale, das sich unter anderem um die soziale Sicherheit von Kulturschaffenden in der Schweiz kümmert.
Dr. Christian Meyer-Seitz, Leiter Abteilung III – Handels- und Wirtschaftsrecht im Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz
Dr. Christian Meyer Seitz wurde am 1. Juli 1960 in Hamburg geboren. Nach dem Eintritt in die Justiz der Freien und Hansestadt Hamburg im Dezember 1986 wechselte er 1990 ins Bundesministerium der Justiz, zunächst in den Bereichen Strafrecht sowie Bereinigung von DDR-Unrecht, später ins Haushaltsreferat. Im Januar 1998 übernahm er die Leitung des Referats „Offene Vermögensfragen“. Seit Dezember 2016 leitete er das Referat für Telekommunikations und Telemedienrecht, war beteiligt an der Entstehung des Netzwerkdurchsetzungsgesetzes. Seit August 2018 steht er der Abteilung III für Handels- und Wirtschaftsrecht im Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz vor
Barbara Gessler, Leiterin der Vertretung der Europäischen Kommission in Deutschland
Barbara Gessler leitet seit 2024 die Vertretung der Europäischen Kommission in Deutschland mit Sitz in Berlin. Zuvor war sie lange Jahre in den EU‑Institutionen aktiv und leitete zuletzt das Referat „Internationaler Kapazitätsaufbau im Hochschulbereich“ bei der Europäischen Exekutivagentur für Bildung und Kultur (EACEA). In ihrer Karriere war sie bereits zwischen 2004 und 2009 Leiterin der Kommissions‑Regionalvertretung in Bonn. Gessler sieht ihre Aufgabe darin, als Brücke zwischen Deutschland und Brüssel zu fungieren: Sie möchte EU‑Politik in Deutschland erklären, den Austausch mit der Bevölkerung fördern und sicherstellen, dass die Entscheidungsträger in Brüssel über die Entwicklungen in Deutschland informiert sind.
Moderation: Sabine Richly, Digital Media Consulting
Sabine Richly ist eine erfahrene Rechtsanwältin, spezialisiert auf Urheber- und Medienrecht, mit einem starken Fokus auf die kollektive Rechtewahrnehmung durch Verwertungsgesellschaften sowie auf Gewerbliches Rechts¬schutz¬recht. Ihre Expertise umfasst darüber hinaus das Persönlichkeits- und Presserecht sowie das Wettbewerbs-, Marken- und Kennzeichenrecht.Akademischer und beruflicher WerdegangVon 2009 bis 2023 war sie als Syndikusrechtsanwältin tätig und leitete die Abteilung für Inkasso der Geräte und Betreibervergütung bei der VG WORT Parallel zu ihrer beruflichen Tätigkeit absolvierte sie von 2019 bis 2021 ein Studium im Bereich Digital Media Management an der Filmhochschule Babelsberg Konrad Wolf, das sie mit einem Master of Business Administration (MBA) abschloss Davor war sie 2006 bis 2009 als Rechtsanwältin bei SKW Schwarz Rechtsanwälte tätig und zuvor von 2004 bis 2006 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Internationales Wirtschaftsrecht der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster