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Künstler*innen sind der Schlüssel zum Erfolg der Kreativwirtschaft. Zu verstehen, wie sich die COVID-19-Krise auf ihre finanzielle Situation auswirkt, ist entscheidend für die Gestaltung der richtigen politischen Maßnahmen. Eine neue WIPO-Studie  geht dieser Frage nach und ermittelt die am meisten gefährdeten Gruppen unter ihnen. Alexander Cuntz, Head of the Creative Economy Section im Department for Economics and Data Analytics der World Intellectual Property Organization erläutert die Forschungsergebnisse.

Auf der Frankfurter Buchmesse wird am Mittwoch, 20 Oktober 2021, um 11.00 Uhr der WIPO Publishing Industry Report vorgestellt und gemeinsam mit drei Branchenexpert*innen die Auswirkungen von Covid-19 auf die Verlagsbranche näher beleuchtet.

Wie hat sich die COVID-19-Pandemie auf das Einkommen von Künstler*innen ausgewirkt?

- Allein im Jahr 2020 liegen die Gesamteinkommensverluste für die prominente Gruppe der selbständigen Künstler*innen zwischen 2 und 13 %, wobei die Verluste von den kreativen Sektoren abhängen, in denen die Künstler tätig sind.
- Unsere Daten stammen von einem speziellen Sozialversicherungssystem, der Künstlersozialkasse, das mehr als 200.000 Künstler*innen in Deutschland erfasst. Das System ist in Europa ziemlich einzigartig und verlangt von den Kreativen, dass sie ihre Einkünfte aus selbständiger künstlerischer Tätigkeit jährlich melden. 

Haben alle künstlerischen Berufe gleichermaßen gelitten?

- Nein. Musiker*innen und darstellende Künstler*innen gehören zu den am stärksten gefährdeten Gruppen und waren im Jahr 2020 am stärksten betroffen, möglicherweise weil sie oft nicht live auf der Bühne auftreten konnten, was für sie eine wichtige Einnahmequelle ist.
- Im Gegensatz dazu schienen selbständige Schriftsteller*innen im ersten Jahr der Pandemie recht widerstandsfähig zu sein. Im Durchschnitt konnten sie ihr Einkommensniveau im Jahr 2019 halten oder sogar leicht steigern. Vielleicht liegt das daran, dass Autor*innen besser in der Lage waren, ihre Arbeit online fortzusetzen, als die Theater und Konzerthäuser längst geschlossen waren.
- Die Auswirkungen variierten auch in Abhängigkeit von den Schließungsmaßnahmen. So waren die Einkommensverluste für darstellende und bildende Künstler*innen in Regionen mit mehr Schließungstagen weniger ausgeprägt. Es scheint, dass es einigen Kreativschaffenden und den Institutionen, mit denen sie zusammenarbeiten, im Laufe der Zeit gelungen ist, neue Einnahmequellen zu erschließen, z. B. durch eine Umstellung des Geschäfts auf Online-Streaming oder Online-Verkäufe. Künftige Untersuchungen werden dies jedoch bestätigen müssen.

Gibt es ein geschlechtsspezifisches Gefälle ("gender gap") bei den Auswirkungen in diesem Sektor?

- Das ist eine weitere überraschende Erkenntnis aus unserer WIPO-Studie. Schriftstellerinnen scheinen am widerstandsfähigsten zu sein und die Trends bei ihren männlichen Kollegen im Jahr 2020 zu übertreffen - während der Krise hat sich das Einkommensgefälle in diesem Sektor also tatsächlich ein klein wenig verringert. Das mag daran liegen, dass die Arbeitsverhältnisse von Schriftstellerinnen schon vor der Krise flexibler waren, aber das ist nur eine Vermutung.
- Im Großen und Ganzen hat das geschlechtsspezifische Lohngefälle die Krise weitgehend überdauert und war schon vor dem Ausbruch der Krise im Jahr 2020 vorhanden. Das heutige Gefälle liegt immer noch zwischen 10 und 35 %, wobei es in den Bereichen der darstellenden und bildenden Kunst am größten ist und oft viel ausgeprägter als das Gefälle in der gesamten Erwerbsbevölkerung (etwa 18 %).