„Digitale Verlängerungen, die das Buch nicht ersetzen, sondern sinnvoll ergänzen": Wildcard-Gewinner Garage51
© Garage51
Mit der Wildcard für Publishing Partner vergibt die Frankfurter Buchmesse dieses Jahr zwei kostenfreie Stände an besonders innovative Dienstleister aus der Tech-Branche. Einer der Gewinner ist das Frankfurter Software-Studio Garage51, das auf der FBM26 seine Ideen für digitale und immersive Content-Erlebnisse in Halle 4.1 vorstellen wird.
Sven Schondelmaier, Director Digital Experience bei Garage51, beantwortet unsere Fragen darüber, wie aus gedruckten Inhalten digitale Erlebnisse werden können, welche Rolle immersive Formate und KI dabei spielen – und welche Impulse Tech-Unternehmen der Buchbranche geben können.
Herzlichen Glückwunsch zum Gewinn der Wildcard 2026! Warum ist die Buchmesse für ein Software-Studio überhaupt ein interessanter Ort?
Die Buchmesse ist längst mehr als ein Ort für gedruckte Bücher. Sie ist ein Marktplatz für Inhalte, Marken und Communities. Genau da setzten wir als Software-Studio an: Wir helfen dabei, Geschichten und Wissen über digitale Touchpoints erlebbar zu machen. Vom Smartphone bis zur interaktiven Ausstellung. Für die Branche wird es immer wichtiger, Leser*innen nicht nur zu erreichen, sondern dauerhaft zu binden: mit digitalen Verlängerungen, die das Buch nicht ersetzen, sondern sinnvoll ergänzen. Die Frankfurter Buchmesse ist dafür ideal, weil hier Konsument*innen, Verlage, Handel, Plattformen, Kreative und Dienstleister zusammenkommen.
Ihr entwickelt digitale Experiences wie interaktive Installationen oder AR- und 3D-Erlebnisse. Welche Rolle können solche Technologien künftig in der Publishing Branche spielen?
Diese Technologien werden vor allem dort relevant, wo Publishing stärker erlebnisorientiert, lernorientiert oder community-getrieben wird. AR/3D und interaktive Installationen können:
• Neugier auslösen (z. B. „Aha“-Momente am POS, in Museen oder auf Messen)
• Inhalte verständlicher machen (Visualisierung komplexer Themen, interaktive Wissensformate)
• Storytelling erweitern (Nebenfiguren, Orte, Hintergründe als „Layer“ zur Geschichte)
• Zugänglichkeit erhöhen (barriereärmere Aufklärung durch Interaktion, Audio, Visualisierung)
• Marketing und Vertrieb messbarer machen (Aktivierung, Engagement, Conversion statt nur Reichweite)
Kurz: Sie schaffen neue Wege, Inhalte zu vermitteln und eröffnen zusätzliche Erlös- und Aktivierungsmodelle, ohne die Kernqualität des Buches zu verwässern.
Welche konkreten, digitalen Formate wären besonders spannend für die Buchbranche und ihre Leser*innen?
Ein paar Formate, die wir für besonders stark halten (und die sich gut erklären lassen) sind:
• AR-Erweiterungen rund ums Buch: Cover wird zum Portal (Bonus-Kapitel, Figuren-Infos, Making-of, Schauplätze)
• Interaktive Lern- und Sachbuchformate: 3D-Modelle, Simulationen, interaktive Grafiken, Quiz-/Übungsstrecken
• Gamifizierte Kinder- und Jugendformate: „Lesen + Spielen“ sinnvoll verbunden, mit pädagogischer Logik statt Gimmicks
• Community- und Marken-Erlebnisse: Leserclubs, Challenges, Live-Q&As, Events, Belohnungssysteme für nachhaltigen statt kurzfristigen Hype
• KI-gestützte Zugänge: z. B. altersgerechte Erklärungen, Zusammenfassungen, Glossare oder Lernpfade. Immer verantwortungsvoll kuratiert.
Wichtig ist uns: Nicht „Technologie um der Technologie willen“, sondern Formate, die echten, relevanten Mehrwert schaffen.
Ihr habt angekündigt, euren Stand als ein „Digital Story Lab“ zu gestalten. Was verbirgt sich hinter diesem Konzept – und was können Besucher*innen hier entdecken?
Das „Digital Story Lab“ ist unser Messe-Ansatz als offenes Experimentier- und Demo-Labor: Besucher*innen sollen nicht nur Screens anschauen, sondern Dinge ausprobieren und mit uns diskutieren. Was es bei uns geben wird:
• Hands-on Demos: kleine Prototypen, die zeigen, wie Inhalte als AR/3D/Interaktion funktionieren können
• Lightning Sessions: kurze Impulse wie „Vom Buch zur Experience in 10 Minuten“ oder „Welche digitalen Touchpoints passen zu welchem Verlagstyp?“
• Digital-Sprechstunde: Wer mag, bringt ein Buch/Programm/eine Idee mit – wir skizzieren live mögliche digitale Erweiterungen
• Beispiel-Use-Cases: vom Buchhandel bis Bildung, vom Kinderbuch bis Fachcontent
Unser Ziel: In kurzer Zeit greifbar machen, wie aus Text digitale Erlebnisse werden – pragmatisch, umsetzbar, branchen-nah.
Wer sollte auf jeden Fall an eurem Stand in Halle 4.1 vorbeikommen?
Bei uns sind alle Menschen willkommen, die Inhalte nicht nur veröffentlichen, sondern aktivieren, vermitteln oder in Communities überführen wollen:
• Verlage: Programmleitung, Digital, Produkt, Marketing/Brand, Business Development, Innovation
• Kinder-/Jugendbuch & Bildung: besonders spannend für interaktive Lernpfade, Gamification, AR-Elemente
• Fachverlage: ideal für Visualisierung, interaktive Erklärformate, Trainings- und Wissensprodukte
• Buchhandel (Filiale & Kette): Store-Experience, Kundenbindung, Events, Community-Formate
• Online-Händler & Plattform-Teams: Aktivierungs-Mechaniken, Content-Layer, Community/Retention
• Literaturhäuser, Museen, Ausstellungen, Bibliotheken: Vermittlungsformate, interaktive Stationen, digitale Begleiter
• Agenturen/Studios/Produzenten im Content-Umfeld: für Partnerschaften und Co-Creation
Die Fragen stellte Johann-Christian Fürstenberg.