„Verlagsbesuche mit anschließendem Sundowner an der Copacabana“

Bärbel Becker über die deutschen Gemeinschaftsstände auf internationalen Buchmessen

Bärbel Becker Frankfurter Buchmesse

Die Frankfurter Buchmesse findet nur an fünf Tagen im Oktober statt? Wer das denkt, kennt die von Frankfurt aus organisierten deutschen Gemeinschaftsstände (DGS) noch nicht. Dafür lädt Bärbel Beckers Team für Internationale Projekte ganzjährig deutsche Verlage auf Buchmessen von Havanna über Paris bis nach Shanghai ein. Im Interview erzählt sie, was Verleger bei diesem Austausch erleben, warum Autoren gerne dabei sind und wie der DGS der Zukunft einmal Grimms Märchenwald inszenieren könnte.

Du bist Leiterin Internationale Projekte der Frankfurter Buchmesse. Was bedeutet das und wie sieht dein Arbeitsalltag im Team aus?

Ich arbeite mit meinem Team im Bereich „Internationale Beziehungen“. Dabei werden unsere DGS im Ausland durch die Zusammenarbeit mit dem Auswärtigen Amt gefördert. Denn durch die Einladung von Verlegern, Lektoren nach Deutschland und von Autoren auf internationale Messen betreiben wir konkrete Kulturförderung. Was viele nicht wissen und was einen weiteren Teil meines Jobs ausmacht: Neben dem alljährlichen Ehrengast auf der Frankfurter Buchmesse ist auch Deutschland selbst regelmäßiger Ehrengast auf Auslandsmessen. Diese Ehrengastauftritte von Deutschland, z.B. 2015 in Turin, organisiert ebenfalls mein Team. „Germany presented by Frankfurter Buchmesse“ sozusagen. Und eine dritte Aufgabe ist die Professionalisierung der Buchbranchen in bisher weniger entwickelten Regionen durch Verleger-Workshops. Neben der Vermittlung von Branchenwissen vor Ort geht es uns auch um die Vermittlung von Werten wie Meinungsfreiheit und offenen Dialog — ebenfalls eine Form von Kulturförderung.

Impression deutscher Gemeinschaftsstände auf internationalen Buchmessen

Die Deutschen Gemeinschaftsstände gibt es seit über 40 Jahren. Wie hat das angefangen und wo willst du mit den DGS 2019 hin?

Einer unserer ersten DGS stand 1978 auf der Buchmesse von Buenos Aires! Und dadurch, dass seit den 80ern fast jedes Land seine eigene Buchmesse gegründet hat, haben wir jetzt weltweit viel mehr Orte und interessierte Zielgruppen für die DGS. Wo wir hinwollen? Wir wollen hin zu den Themen und Stories, die unsere deutsche Branche zu erzählen hat. Deswegen werden wir 2019 das alte DGS-Motto „Bücher aus Deutschland“ in „German Stories“ umbenennen. Dieses Motto wird als roter Faden alle Auftritte unserer Verlage und Autoren durchziehen. Das 100-jährige Bauhaus-Jubiläum z.B. ist eine dieser „German Stories“ mit der wir auf der Taipei International Book Exhibition (12–17 Feb 2019) experimentieren werden. Neben den Buchpräsentationen werden wir zum Thema Bauhaus noch interaktive Formate für die Besucher anbieten — aber mehr will ich jetzt noch nicht verraten.

Es gibt jetzt auch eine DGS-Teilnahme zu gewinnen. Kannst du eure Go!Global-Kampagne mal kurz vorstellen?

Wir laden Verlage dazu ein, sich für einen von zehn DGS auf den Buchmessen von z.B. Taipei, Jerusalem oder Kiew zu bewerben. Neben dem Stand mit Regal und Meeting Table übernehmen wir auch die Reisekosten. Aber auch ohne Reiseunterstützung ist die Teilnahme am DGS möglich. Kreativität gewinnt! Mehr Infos zur Go!Global-Kampagne sind jetzt hier online.

Jetzt bewerben und mit etwas Glück gewinnen

Impression deutscher Gemeinschaftsstände auf internationalen Buchmessen

Wie sähe ein praktisches Beispiel für das Zusammenspiel von einem deutschen Verlag, der FBM und den DGS im Ausland aus?

Nehmen wir mal an, ein deutscher Kinderbuch-Verlag bucht ein Regal mit Meeting Table an unserem DGS auf der Buchmesse in Guadalajara. Dann ist dieser Verlag zugleich offizieller Aussteller und wird von uns in den dortigen Aussteller-Verzeichnissen eingetragen. Und er wird in unser dortiges Event-Programm integriert. Denn wir haben immer Panels und Veranstaltungen auf den Auslandsmessen. Mit uns reisen in nächster Zukunft z.B. Autoren wie Olga Grjasnowa, Ilija Trojanow, Christoph Hein, Ferdinand von Schirach, Theresia Enzensberger oder Marion Poschmann. Ein DGS ist schließlich auch für unsere Intellektuellen ein beliebtes Format für weltweiten Austausch. Wir vermitteln dann Kontakte für den Verlag, organisieren Matchmakings mit Lizenz- und Rechtehändlern der regionalen Buchbranche. In diesem Beispiel also mit der lateinamerikanischen Kinderbuchbranche. Neben Verlagen haben wir so auch deutschen Dienstleistern wie z.B. Bookwire in Guadalajara beim internationalen Geschäft geholfen. Und abseits vom reinen Geschäft erleben unsere DGS-Teilnehmer auch viel auf ungewohntem Terrain. Verlagsbesuche mit anschließendem Sundowner an der Copacabana — das gab es z.B. 2013 in Rio.

Impression deutscher Gemeinschaftsstände auf internationalen Buchmessen

Ein Blick in die Zukunft: Wie werden die internationalen Märkte die Frankfurter Buchmesse beeinflussen und umgekehrt?

Die Globalisierung hilft uns bei den DGS: Immer mehr neue regionale Player, z.B. aktuell aus Südostasien, spielen im internationalen Publishing mit. Das ist auch spannend für unsere heimische Branche. Und viele Länder aus Zentralasien, wie unser Ehrengast 2018 Georgien, orientieren sich an Europa und sind interessiert am kulturellen Austausch. Neben neuen Standorten wird es für die zukünftigen DGS auch neue digitale Formate geben. So kann ich mir unsere „German Stories“ auch gut als immersives Erlebnis durch Augmented Reality vorstellen. Grimms Märchenwald zum Riechen und Anfassen — das wäre doch toll!

Liebe Bärbel, ich danke dir für das Gespräch!

(Das Interview führte Frank Krings, PR Manager Frankfurter Buchmesse.)

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