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Lawrence Schimel

© Nieves Guerra

Im Interview für die Frankfurt Kids Conference spricht Lawrence Schimel, Moderator der Veranstaltung und Kinderbuchexperte, über die blinden Flecken im Kinderbuchverlag. 

Sie leben in Madrid und arbeiten international: Welche Trends in der Kinder- und Jugendliteratur beobachten Sie, die in der DACH-Region kaum Beachtung finden?  

Ich arbeite zwar genre- und altersübergreifend, konzentriere mich jedoch eher auf Bilderbücher als auf Jugendliteratur. Es scheint, dass man in der DACH-Region in Bilderbüchern nach wie vor sehr stark auf Tierfiguren setzt, anstatt echte Kinder und ihre Familien zu zeigen.  

Infolgedessen finden Kinder sich selbst oder ihre Freunde und Klassenkameraden oft nicht vollständig in der Literatur wieder. Und Kinder „normalisieren“ diese Lücken schnell – wessen Geschichten als erzählenswert gelten und wessen Geschichten aus dem kulturellen Gedächtnis gelöscht wurden.  

Was ist derzeit das häufigste Missverständnis, wenn es um Diversität in der Kinder- und Jugendliteratur geht?  

Die Welt ist vielfältig, auch wenn Verlagsprogramme für junge Leser*innen dies oft nicht sind. Oder zumindest nicht in ausreichendem Maße, um die Lebenswelt der Kinder widerzuspiegeln. 

Vielfalt ist nichts, was man einem Programm hinzufügen kann wie eine neue Geschmacksrichtung oder eine Prise Gewürz. Vielmehr muss analysiert werden, welche Stimmen unterdrückt werden und warum, um dann aktiv gegenzusteuern. 

Die Kids Conference vor zwei Jahren widmete sich genau dieser Frage, inspiriert von Cornelia Funkes Äußerungen in der deutschen Zeitung „Die Zeit“:„Erzählen wir die richtigen Geschichten für Kinder?“(Öffnet neues Fenster)   

Sie moderieren regelmäßig die Kids Conference. Welche Debatte taucht Jahr für Jahr wieder auf?  

Leider sind so viele Orte auf der Welt von Krieg und Gewalt betroffen und leiden zudem unter der Klimakrise, was bedeutet, dass Jahr für Jahr Kinder in diesen feindlichen Umgebungen aufwachsen. Ein fester Bestandteil der Kids Conference ist die Frage, wie man sicherstellen kann, dass Kinder Zugang zu Büchern haben, was nach wie vor in fast allen Ländern der Welt ein Problem ist. Diese Bücher können ihnen helfen, die Welt, in der sie leben, zu verstehen und ihnen gleichzeitig Ablenkung und Unterhaltung bieten.  

„Rewriting the Future“ lautet das Motto der Kids Conference. Wie würden Sie in einem Satz zusammenfassen, was das für Sie bedeutet? 

Wir können nicht darauf warten, dass erst ideale Bedingungen herrschen, bevor wir versuchen, auf die Welt hinzuarbeiten, in der die Kinder von heute und morgen aufwachsen sollen. Mit „Rewriting the Future“ bieten wir Beispiele wie Menschen entlang der gesamten Buchkette HEUTE diese erträumte Zukunft gestalten können. 

Wenn Sie bis 2027 eine Sache in der Kinder- und Jugendliteratur ändern könnten, worauf würden Sie sich konzentrieren?  

Übersetzer*innen werden in der gesamten Verlagsbranche seit langem unterbewertet. Das gilt insbesondere in der aktuellen Situation. Ich halte es für angebracht, dass Verlage die Übersetzer*innen auf den Buchumschlägen namentlich erwähnen. Das ist wichtig, damit die Leser nicht glauben, das Buch sei von einer KI auf der Grundlage gestohlener Inhalte übersetzt worden. Leser*innen aus aller Welt lehnen es ab, diese unverzichtbaren Akteure des Literaturbetriebs auszuschließen, damit Kosten gespart werden. 

Über Lawrence Schimel 

Lawrence Schimel ist ein zweisprachiger (Spanisch/Englisch) Autor und Literaturübersetzer mit Wohnsitz in Madrid. Er hat über 130 Bücher in vielen verschiedenen Genres und für Leser aller Altersgruppen veröffentlicht. Seine Bücher wurden in über 60 Sprachen übersetzt. Er moderiert regelmäßig die Kids Conference auf der Frankfurter Buchmesse.  

Rewriting the Future: Perspektiven und Netzwerke im Rahmen der Konferenz für Kinder- und Jugendmedien der Frankfurter Buchmesse  

Wann: Mittwoch, 7. Oktober 2026, 15:30 – 18:00 Uhr 

Wo: Imagination Stage, Halle 4.0  

Sprache: Englisch  

Tickets: https://www.buchmesse.de/besuchen/tickets