Frankfurt Calling: 120 Veranstaltungen über Demokratie, Freiheit und die Zukunft des Wissens
Von Jill Lepore und Robert Habeck bis Philippe Sands, Wolf Biermann und dem Young Voices Network: Die Frankfurter Buchmesse bringt internationale Stimmen zu Menschenrechten, Erinnerungskultur, Künstlicher Intelligenz und Klimakrise zusammen.
Mit Frankfurt Calling öffnet die Frankfurter Buchmesse Räume für die drängenden Fragen der Gegenwart. 120 Veranstaltungen an 14 Orten führen Autor*innen, Wissenschaftler*innen, Journalist*innen, Kulturschaffende und Akteur*innen der Zivilgesellschaft zusammen. Sie sprechen über Demokratie und Autokratisierung, Menschenrechte, Erinnerung, Krieg und Konflikte, Künstliche Intelligenz, Desinformation und die Klimakrise.
Auftakt: Jill Lepore fragt nach der wehrhaften Demokratie
Frankfurt Calling beginnt am Messedienstag mit der Eröffnungspressekonferenz der Frankfurter Buchmesse. US-Historikerin und Autorin Jill Lepore setzt dort den Auftakt. Und am Mittwoch, 7. Oktober, fragt sie auf der Dialogue Stage gemeinsam mit Christina Morina und Thea Dorn bei „Militant Democracy?“, wie wir damit umgehen können, wenn Mehrheiten Grundrechte und demokratische Institutionen unter Druck setzen. In Kooperation mit PEN Berlin bringt die Buchmesse damit eine Debatte auf die Bühne, die Europa und die USA zugleich betrifft.
Frankfurt Calling zieht sich durch die ganze Messe
Das kulturpolitische Programm zieht sich über die gesamte Messe und in den Stadtraum. Es führt von der Dialogue Stage und der Global Stage über die Inspiration Stage und die Leseinsel der unabhängigen Verlage bis in die Katharinenkirche, die Deutsche Nationalbibliothek und den Community Space 2og:dondorf.
Völkerrecht als Antwort auf Gewalt und Zerstörung
Am Samstag, 10. Oktober, spricht Philippe Sands über Völkerrecht, Massengewalt und Ökozid. Der Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels 2026 trifft auf Hendrik Simon vom Peace Research Institute Frankfurt (PRIF). Sie diskutieren, wie das Recht heute Kriegsverbrechen und die Zerstörung von Ökosystemen verfolgen kann.
Erinnerung schärft den Blick auf die Gegenwart
Ein Schwerpunkt des Programms liegt auf Demokratie, Zivilgesellschaft und Erinnerung. Wolf Biermann eröffnet am Mittwoch die Tour anlässlich seines 90. Geburtstages und des 50. Jahrestages seiner Ausbürgerung aus der DDR auf der Frankfurter Buchmesse. Saba-Nur Cheema und Meron Mendel fragen mit der Historikerin und Journalistin Ruth Hoffmann, wie eine demokratische, offene und streitfähige Kultur bewahrt und weiterentwickelt werden kann. Paula Zimmermann, Legal Advisor bei Amnesty International Deutschland, diskutiert mit Autor und Aktivist Arne Semsrott, wie Menschen autoritären Kräften organisiert entgegentreten können.
Wem gehört das Wissen im Zeitalter der KI?
Auch die Folgen von Künstlicher Intelligenz prägen das Programm. Die UNESCO bringt bei „AI in Culture: Truth or Fiction?“ Fachleute aus Bildung, Forschung, Kultur und Verlagsbranche zusammen. Sie prüfen, wie Menschen echte Quellen von KI-generierten Inhalten unterscheiden können. Reporter ohne Grenzen diskutiert, wie KI-Systeme und Plattformen journalistische Quellen unsichtbar machen. Wikimedia Deutschland fragt bei „Wikipedia: Mehr als ein Rohstoff für KI“: Was geht verloren, wenn KI-Unternehmen Wikipedia und ihre Autor*innen nur als Trainingsmaterial behandeln?
Wenn Krisen zur Sprache kommen
Frankfurt Calling führt Stimmen aus Ländern zusammen, in denen Krieg, Repression und Menschenrechtsverletzungen den Alltag prägen. Bei „Beyond the Headlines“ lesen und sprechen Autor*innen aus Krisenregionen über ihre Arbeit und Menschenrechte. CORRECTIV richtet mit „Messages from Russia’s Neo-Gulag“ den Blick auf politische Gefangenschaft in Russland. Der palästinensische Buchhändler Mahmoud Muna und der Autor Matthew Teller sprechen am Sonntag über ihr Buch „Daybreak in Gaza“.
Klima, Sicherheit und die Verantwortung des Rechts
Die Klimakrise verbindet sich im Programm mit Fragen der globalen Ordnung und Verantwortung. Robert Habeck spricht in „Arctic Meltdown – Die Neuvermessung der Welt“ über die Arktis, Klimawandel und Sicherheitspolitik.
Young Voices: Neue Stimmen, neue Verbindungen
Junge Autor*innen, Aktivist*innen und Kulturschaffende aus Nigeria, Venezuela, Tschechien und der Türkei treten bei „What’s their take? Young Voices from Around the World“ am Donnerstag, 8. Oktober, auf der Global Stage auf. Am Abend folgt die FBM Young Voices Night im Community Space 2og:dondorf. Das Young Voices Network verbindet junge Stimmen aus der Buchbranche, die Literatur, Öffentlichkeit und Meinungsfreiheit mitgestalten.
„Mit Frankfurt Calling wird die Frankfurter Buchmesse zum internationalen Zentrum des öffentlichen Diskurses“, sagt John Steinmark, Programm Manager bei der Frankfurter Buchmesse. „Hier kommen Personen aus unterschiedlichen Generationen, Ländern und Disziplinen zusammen, die sich trotz aller Härte der Debatten einander zuwenden. Genau das brauchen wir in diesen Zeiten.“
Frankfurt Calling auf einen Blick
- 120 Veranstaltungen an 14 Orten der Frankfurter Buchmesse und in der Stadt Frankfurt
- Schwerpunkte: Demokratie und Zivilgesellschaft, Erinnerungskultur, Menschenrechte, Künstliche Intelligenz und Desinformation, Klimakrise
- Mitwirkende Partner*innen sind unter anderem Amnesty International, Bildungsstätte Anne Frank, CORRECTIV, Der Freitag, dpa, PEN Berlin, People of Deutschland, Reporter ohne Grenzen, Surplus, taz, die UN und Wikimedia Deutschland.
- Mehr Informationen: www.buchmesse.de/frankfurt-calling